Unsere Top 7 der besten Hitchcock-Filme

Sir Alfred Hitchcock gilt auch noch heute als Meister der Spannung; seine Filme sind immer noch Pflicht an Filmhochschulen. Aus seinen über 50 Filmen haben wir Euch die unserer Meinung nach sieben besten herausgesucht, was uns bei der Vielfalt seines filmischen Werkes nicht leicht gefallen ist!

7. Rebecca (1940)

[Co] Der Mysterythriller beginnt wie ein klassischer Liebesfilm: Eine sehr schüchterne, junge Frau verliebt sich in einen wohlhabenden Schönling, der ihre Zuneigung erwidert und ihr einen Heiratsantrag macht. Die beiden heiraten und sind glücklich. Doch in seinem Anwesen überwiegt die kalte Erinnerung an seine allseits geliebte und bewunderte, vor einem Jahr tragisch verstorbene Frau Rebecca.

Mit viel Spannung und einer großartigen Erzählweise zieht „Rebecca“ einen in den Bann des (Selbst-)Zweifelns und hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Der Schwarz-Weiß-Streifen wurde für insgesamt elf Oscars nominiert und sahnte zwei wohlverdiente Awards für „Bester Film“ und „Beste Kamera“ ab.


6. Cocktail für eine Leiche (1948)

[Alex] Hitchcocks erster Film in Technicolor beruht auf dem Theaterstück „Party für eine Leiche“ von Patrick Hamilton, welches wiederum auf den realen Mord an Bobby Franks bzw. den Mördern, Nathan Leopold und Richard Loeb, beruht.

Mit ähnlichen Verfahren wie beim Theaterstück wirkt Hitchcocks Beitrag mit seiner Location, die nur aus einer Wohnung besteht, den langen Einstellungen ohne Schnitte (zumindest sind diese gut getarnt durch Überblendungen ins Schwarze, denn damals konnte man nur circa 20 Minuten am Stück aufnehmen, dann musste eine neue, leere Filmrolle verwendet werden) und seiner überschaubaren Anzahl an Darstellern, schon fast selbst wie eins – das perfekte Kammerspiel!


5. Der unsichtbare Dritte (1959)

[Andreas] In dem als einer der ersten Actionfilme bekannt gewordene „Der unsichtbare Dritte“ vereint Hitchcock Cary Grant und Eva Marie Saint in einer packenden Handlung. Der biedere Werbefachmann Roger Thornhill gerät zufällig in Geheimdienstmachenschaften und wird in einen Strudel von Ereignissen hereingezogen, die sich fast bis ins Surrealistische steigern.

Ikonisch geworden ist die Flugzeugverfolgungsszene im Maisfeld, die zigmal kopiert und persifliert wurde. Die gedrehten Szenen vor dem Hauptsitz der UN wurden übrigens ohne Genehmigung gedreht; der Großmeister des Thrillers scherte sich nicht darum und ließ einfach die Kamera laufen.

Der elegante Film ist wie maßgeschneidert für die Figur Cary Grant – denn Grant spielte zwar immer verschiedene Rollen, aber letztendlich auch immer sich selber. Dass Hitchcock nach diesem Familienfilm den Schocker „Psycho“ machte, zeigt wieder einmal, was für ein unberechenbares Genie er war!


4. Das Fenster zum Hof (1954)

[Friederike] Pressefotograf L.B. „Jeff“ Jeffries ist nach einem Unfall wochenlang mit eingegipstem Bein an einen Rollstuhl gefesselt. Aus seinem „Fenster zum Hof“ heraus beobachtet er aus Langeweile tagein, tagaus seine Nachbarn, die rund um ihn herum in ihren Wohnungen ihrem Alltag nachgehen: Die knapp bekleidete Blondine beim täglichen Tanztraining, das junge Paar in den Flitterwochen, die einsame Frau… Eines Nachts jedoch sieht Jeff etwas, das für ihn nur einen Schluss zulässt: Einer seiner Nachbarn ist ein Mörder und hat sich auf grausame Art seiner Frau entledigt! Doch kann er seine Vermutung auch beweisen?

Alfred Hitchcocks Thriller lebt von seiner Beengtheit und davon, dass er die Zuschauer zu Komplizen des Protagonisten macht. Wir blicken gemeinsam mit James Stewart durch Fernglas und Teleobjektiv, suchen zusammen mit ihm nach Hinweisen im Verhalten des Nachbarn und fiebern mit ihm, als er seine Freundin Lisa (hinreißend: Grace Kelly) hilflos dabei beobachten muss, während sie sich in Gefahr begibt, um den scheinbaren Täter zu überführen. Dabei sind wir genauso zur Tatenlosigkeit verurteilt wie Jeff, dessen Aktionsradius sich allein auf seine Wohnung beschränkt. Über „Das Fenster zum Hof“ lassen sich seitenlange Analysen verfassen: das Motiv von Liebe und Leidenschaft – oder den Mangel daran –, das alle Charaktere in diesem Film leitet, die Funktion von Jeff als „ewigem Beobachter“ und nicht zuletzt der Voyeurismus, dem wir uns allzu gerne hingeben. Letztendlich ertappen wir uns gemeinsam mit Lisa beim schlechten Gewissen darüber, dass wir uns tatsächlich wünschen, der Nachbar habe seine Frau getötet – nur, um Recht zu behalten.

Völlig zurecht hat „Das Fenster zum Hof“ zahlreiche Nachahmer inspiriert und seit seinem Erscheinen vor mittlerweile 64 Jahren nichts an Aktualität eingebüßt!


3. Die Vögel (1963)

[Florian] Alfred Hitchcock, der Meister der Suspense, widmete sich 1963 dem Tierhorror, genauer gesagt der Kurzgeschichte „The Birds“ von Daphne Du Maurier. Der britischstämmige Regisseur erschuf mit den Darstellern Tippi Hedren, Rod Taylor und Jessica Tandy einen Horrorfilm, der einerseits sehr spannend inszeniert ist, andererseits teilweise experimental daherkommt: der Film kommt komplett ohne Filmmusik aus, das Vogelgeschrei wurde mit damals sich im Anfangsstadium befindlichen Synthesizern erschaffen. Die Angriffe der Vögel, teilweise mit Attrappen und teilweise mit echten Tieren, sind purer Terror – nicht nur für den Zuschauer: angeblich war die Hauptdarstellerin Tippi Hedren nach einer Szene, in der sie tagelang mit Vögeln beworfen wurde, einem Trauma nahe.

Fun Fact: die kleine Film-Schwester von Rod Taylor ist niemand geringeres als Veronica Cartwright, bekannt als Lambert aus Ridley Scotts Alien.


2. Vertigo (1958)

[Jan] Polizist Scottie (James Stewart) wird nach einem tragischen Unfall in den Ruhestand versetzt – seine Höhenangst und der damit verbundene Schwindel in einer Krisensituation haben einen seiner Kollegen das Leben gekostet. Als ein alter Schulfreund Scottie kontaktiert und ihn darum bittet, seine offenbar selbstmordgefährdete Frau (Kim Novak) zu ihrem Schutz zu beschatten, nimmt er den Auftrag zunächst nur widerstrebend an, wird dann aber schnell in den Bann der geheimnisvollen Schönheit gezogen…

Vor der atemberaubenden Kulisse San Franciscos, der Golden Gate Bridge und des Presidio-Parks spielt Hitchcock gekonnt mit den Erwartungen der Zuschauer und liefert dabei einen atmosphärischen Thriller mit Mystery-Elementen. „Vertigo“ zählt nicht nur zu Hitchcocks besten Werken, sondern taucht regelmäßig in den Listen der besten Filme aller Zeiten auf. Die Mischung aus packender Story, charismatischen Darstellern und dem gekonnten Einsatz verschiedener, heute berühmter Filmtechniken (wie z.B. dem „Dolly-Zoom“) macht „Vertigo“ zu einem zeitlosen Meisterwerk und zeigt eindrucksvoll wie kaum ein anderer von Hitchcocks Filmen, wieso der „Master of Suspense“ bis heute als ungeschlagener Meister seines Fachs gilt!


1. Psycho (1960)

[Jörg] In diesem Thriller, basierend auf den gleichnamigen Roman von Robert Bloch, erzählt Hitchcock die Geschichte von Marion Crane, einer jungen Sekretärin aus Phoenix. Diese ist es leid sich aufgrund ständiger Geldprobleme mit ihrem Freund in schäbigen Hotels zu treffen, statt ihn endlich zu heiraten und in einem gemeinsamen Haus zu leben. Als ihr Chef sie darum bittet, die Barzahlung eines reichen Klienten zur Bank zu bringen, nutzt sie die Gelegenheit und verschwindet kurzerhand mit dem Geld. Auf dem Weg zu ihrem Freund, einmal quer durchs Land, bekommt sie jedoch Gewissensbisse und will das Geld zurückgeben. Aufgrund der späten Stunde macht sie Halt in einem Motel, etwas abseits der Schnellstraße, das von einem schüchternen, jungen Mann namens Norman Bates und seiner Mutter geleitet wird… und cut!

Bis hierhin und nicht weiter! Denn was folgt, ist eine Aneinanderreihung von unvorhersehbaren, schockierenden und gruseligen Ereignissen, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Alfred Hitchcock dreht mit jeder Minute Spielzeit die Spannungsschraube tiefer und tiefer und schickt den Zuschauer auf eine Reise in die düsteren Untiefen menschlicher Gedanken, was beweist, dass der Filmemacher den Titel „Master of Suspense“ nicht umsonst trägt. Obwohl „Psycho“ bei seiner Uraufführung eher gemischte Kritiken erhielt, gilt der Thriller heute nicht nur als einer der besten Filme aller Zeiten, sondern auch als der erste Slasherfilm, der Filmemacher für Generationen beeinflusste und dies immer noch tut.

Fun Fact: „Psycho“ war der erste Film außerhalb Europas, der eine Toilettenspülung im Full Frame zeigt.

Titelbild: Jack Mitchell, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15047455
Andreas

Andreas

Autor bei Film und Feder
Mein Name ist Andreas Lehmler und Filme beschäftigen mich schon fast mein ganzes Leben. Mit all den Filmverrückten hier denke ich, dass wir euch das Medium Film auch mal von ungewohnten Seiten näherbringen können.
Andreas

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