Popcorn

Wir beichten: unsere liebsten schlechten Filme!

Wir müssen reden.
Vor nicht allzu langer Zeit haben wir Euch unsere ganz persönlichen Lieblingsfilme vorgestellt. Heute wird es fast noch persönlicher, denn das, worüber hier heute schreiben, hat auch jeder – aber im Gegensatz zum coolen Lieblingsfilm hält er es meist lieber geheim: herrlich schlechte Filme, die man wider besseren Wissens oder gegen harten Spott von außen verteidigt! Von denen man weiß, dass sie wirklich nichts taugen oder die von Kritikern und Publikum gleichermaßen gehasst werden – und die man trotzdem liebt. Die man nicht nur ironisch im Rahmen einer „Trash Film Night“ schaut, sondern ernsthaft mag und vielleicht sogar schon so oft gesehen hat, dass man sie fast mitsprechen kann.

Nun hat natürlich jeder eine andere Auffassung davon, was „gut“ und was „schlecht“ ist – ganz besonders, was Filme angeht! Da wir aber gerne einen messbaren Wert haben wollten, ab wann ein Film offiziell „schlecht“ ist, haben wir uns an der Bewertung auf Rotten Tomatoes orientiert: Ab einer Wertung von 50 % abwärts, halten zumindest der Großteil der Kritiker und des Publikums den Film für nicht besonders gut.

Wie auch bereits bei unserer Lieblingsfilm-Reihe, stellen wir Euch unsere liebsten „Stinker“ heute im Überblick vor und danach wöchentlich in aller Ausführlichkeit!


Underwater Love – A Pink Musical (2011)

[Flo] Underwater Love ist ein deutsch-japanisches Porno-Musical über eine Sagengestalt namens Kappa. Dieses Ding – teils Frosch, teils Schildkröte, teils Mensch – hat zum Ziel, Menschen eine ominöse Analperle zu klauen, wofür es versucht, in den Anus seiner Opfer einzudringen. In genau einen solchen Kappa verliebt sich die Arbeiterin in einer Fischfabrik, obwohl sie doch schon ihrem Chef versprochen ist. Doch auch ihre Kollegin hat ein Auge auf den prächtig ausgestatteten Kappa geworfen…

Die Story ist genau so absurd und melodramatisch, wie sie klingt. Die Kostüme entstammen direkt dem Kinderfasching – nur eben mit riesigem Gummi-Penis! Kulissen sind nicht wirklich vorhanden und die SchauspielerInnen hüpfen irgendwie zur Musik dahin.

Der Film ist albern, abstrus und überaus trashig – und dennoch versprüht er eine Lebensfreude, wie kaum ein anderer Film!


Jennifer’s Body (2009)

[Friederike] Schülerin Jennifer (Megan Fox) soll von einer aufstrebenden Rockband dem Teufel als Jungfrauenopfer gebracht werden, um ihnen im Gegenzug „Maroon 5-artigen“ Erfolg zu bescheren. Dumm nur, dass Jennifer gar keine Jungfrau ist und durch das Ritual daher zu einem männermordenden Dämon mutiert. Noch dümmer, dass niemand ihrer besten Freundin Needy (Amanda Seyfried) Glauben schenkt, die natürlich merkt, dass mit Jennifer etwas ganz Entscheidendes nicht stimmt…

Ich habe nie so ganz verstanden, warum der Film so viel Spott abbekommt. Die Story ist originell, Optik und Sountrack cool, die Dialoge sind dank Diablo Codys Drehbuch knackig und schlagfertig und besonders die weiblichen Charaktere cool geschrieben. Klar – im Großen und Ganzen ist der Film ein Megan-Fox-Vehikel, samt unnötiger Kussszene zwischen den beiden Protagonistinnen. Aber verdammt – der Film macht einfach tierisch viel Spaß! Ich will da gar nicht mehr Anspruch reinreden, als tatsächlich drin ist, aber ich gebe unumwunden zu, den Film schon knapp 15 mal gesehen zu haben und ihn immer noch zu mögen!


Sucker Punch (2011)

[Co] Babydoll (Emily Browning) wird von ihrem Stiefvater in eine Anstalt gesteckt – in der es nicht so heile zugeht, wie man es von psychologisch unterstützten Kliniken erwartet. Um ihre Vergangenheit sowie ihre momentane, nicht wirklich prickelnde, Situation zu verdauen, flüchtet sie sich in ihre Fantasiewelt, in der sie gegen allerlei Skurriles zu kämpfen hat. Wortwörtlich.

Gepaart mit einem außergewöhnlich guten Soundtrack, aufwendigen Special-Effects und einer herzzerreißend tiefen psychologischen Story gehört dieser Film zu – meiner Meinung nach – den wertvollsten unserer Zeit.


Super Mario Bros. (1993)

[Alex] Super Mario erblickte am 13. September 1985 das Licht der Welt und erfreut die Herzen der Gamer nun seit guten 33 Jahren – es gibt gute Games, und es gibt schlechte Games… und eine noch schlechtere Videospielverfilmung!

1993 versuchen die Gebrüder Mario, als Klempner ihren Unterhalt zu finanzieren – leider mit mäßigem Erfolg. Während einer ihrer Einsätze treffen die Beiden auf Archäologin Daisy, die kurz darauf von King Koopa – gespielt von Dennis Hopper – entführt wird. Natürlich versuchen Mario und Luigi, sie aus seinen Fängen zu befreien.

Der kompletter Film ist im Vergleich zu den doch simpel gehaltenen Spielen ein totales Disaster, was nicht mal an den Schauspielern liegt. Besonders Bob Hoskins macht als Mario einen sehr guten Job, wie ich finde. Es lag vielmehr an dem relativ häufig wechselnden Drehbuch und dem Regisseur-Ehepaar, das sich wohl nicht immer ganz einig war (Hoskins und Hopper bezeichneten diesen Dreh als schlimmste Erfahrung ihrer Karriere) und die „Verunstaltungen“ der Nebenfiguren (Kenner des Films wissen, was ich anspreche).

Dennoch muss ich eingestehen, dass er trotz seiner vielen Mankos ein schöner, kleiner Trashfilm ist, der zu unterhalten weiß, wenn man den Bezug zu den Games ausblenden kann!


Max Payne (2008)

[Jan] Max Payne ist die Verfilmung des gleichnamigen Videospieles aus dem Jahre 2001. Wir verfolgen die Geschichte des New Yorker Detectives Max, der auch drei Jahre, nachdem seine Frau und sein Baby kaltblütig ermordet wurden, noch immer insgeheim auf der Suche nach den Mördern ist.

Max Payne ist eine von vielen Videospielverfilmungen und hebt sich doch erstaunlich gut ab. So bedient sich die Adaption zwar der Grundthematik der Vorlage, stellt die Charaktere aber in verschiedene Zusammenhänge und konstruiert so eine Geschichte, die sich nicht 1:1 in der Vorlage des Spieles wiederfindet und sich dabei äußerst bildgewaltig zu präsentieren weiß. Mit einem hervorragenden Cast (u.a. Mark Wahlberg und Mila Kunis), einem atmosphärischen Noir-Look und atemberaubenden surrealen Zwischensequenzen, sticht Max Payne aus dem Einheitsbrei der Spieleverfilmungen hervor, reißt den Zuschauer in die Finsternis und mauserte sich rasch zu meiner liebsten Videospiel-Adaption. Finster, kalt und nass – Ein Ausflug in die tiefen Abgründe eines verzweifelten Mannes.


Godzilla (1998)

[Jörg]  1994 schickte Krawallkino-Experte Roland Emmerich Kurt Russell durch ein Sternentor in eine andere Galaxy. 1996 ließ er Will Smith gegen ein übermächtige Armada von Außerirdischen antreten. Und 1998? 1998 zertrümmerte eine mutierte, überdimensionale, radioaktiv verstrahlte Rieseneidechse Teile von New York. Wer nahm den Kampf gegen einen solch übermächtigen Gegner auf? Matthew Broderick alias Nick Tatopoulos, auch „Der Wurmtyp“ genannt!

Roland Emmerichs „Godzilla“-Film ist alles andere als ein perfekter Film. Die Dialoge sind dämlich, die Charaktere rund um Mathew Broderick, Jean Reno oder Hank Azaria sind nichts weiter als stereotypische Abziehbildchen und die Computeranimation sieht aus heutiger Sicht nur noch altbacken aus. Und doch muss man den Film durchaus zugute halten, dass er sich Mühe gibt. Denn für das, was der Film ist, macht er seine Sache recht ordentlich: nämlich sinnfreies, zweistündiges Popcornkino mit einer gehörigen Portion Selbstironie, kurzweiliger Action und charmanten Darstellern. Der Film mag Fans des japanischen Kultmonsters zwar ans Bein gepinkelt haben, doch kommt man nicht umher, zu behaupten, dass auch diese Version seine Daseinsberechtigung genießt. Und 2004 rächten sich die Japaner immerhin mit „Godzilla Final Wars“ und radierten in diesem Film die Version von Emmerich kurzerhand aus.


White Noise (2005)

[Andreas] In White Noise erhält Michael Keaton Botschaften von seiner toten Frau. Diese Phänomene, genannt EVP (Electronic Voice Phenomenon) werden zu seiner Obsession.

Der Film von Geoffrey Sax ist wirklich nicht gut – die Story ist hirnrissig und die eigentlich gut aufgebaute Atmosphäre wird durch ein Hui-Buh-CGI-Geisterfinale vollkommen zerschreddert. Doch wer sich mal mit übernatürlichen Phänomenen beschäftigt hat, wird feststellen, dass die Macher genau über EVPs recherchiert und dies schön umgesetzt haben.

Michael Keaton spielt seine Rolle sehr gut, und der Schluss lässt einem nach dem Overkill-Finale noch einmal Schauer über den Rücken laufen. Auch zwischendurch weiß White Noise gepflegt zu Gruseln – man muss sich allerdings drauf einlassen und die Möglichkeit akzeptieren, dass es diese Phänomene geben könnte.

Bildquelle Titelbild: annca, Pixabay

Friederike

Friederike

Admin und Autor bei Film und Feder
Warum ich über Filme schreibe? Weil Freude wächst, wenn man sie teilt!
Als jemand, der Filme häufig alleine schaut, fehlte mir oft der Austausch nach dem Abspann - die Diskussion kontroverser oder unklarer Aspekte, die Hoffnung, dass mein Gegenüber meine Lieblingsszene genau so mochte wie ich und manchmal auch nur das schamlose Schwärmen über den Hauptdarsteller. Das Veröffentlichen meiner Gedanken zum Film ermöglicht mir diesen Austausch mit einer großen Anzahl an Menschen, die das Medium ebenso lieben, wie ich.
Friederike

Kommentar verfassen