Ready Player One Titelbild

Review: „Ready Player One“ (2018)

Steven Spielbergs neuester Streich hat seit seiner ersten Ankündigung für viel Spannung unter den Fans gesorgt. Wird der Film dem Hype gerecht? Und was sagen die Fans der Romanvorlage?

Filmplakat Ready Player OneWades Leben ist trist und grau. Für seine Generation hat die Welt als Folge eines wirtschaftlichen Zusammenbruchs und der Knappheit natürlicher Ressourcen nichts mehr zu bieten. Wenig verwunderlich, dass sich die Menschen in die virtuelle Welt „OASIS“ flüchten, um dem negativen Alltag zu entkommen.

Als der von allen verehrte und geliebte OASIS-Erfinder James Halliday (Mark Rylance) stirbt, offenbart er posthum, sein Vermächtnis im Spiel versteckt zu haben: Drei Schlüssel gilt es zu finden, um nicht nur das unermessliche Vermögen des Technikmoguls zu erben, sondern auch die Kontrolle über die OASIS. Wade steckt mittendrin im Wettrennen, das sich bald in einen erbittertem Kampf wandelt, in dem es um viel mehr geht, als nur um Geld…

 

*Nostalgia intensifies*

Nostalgie funktioniert momentan verdammt gut. Erfolgreiche Produktionen wie zum Beispiel Stranger Things, Dark oder auch das Remake von Stephen Kings Klassiker Es beweisen, dass meine Generation offenbar schwer auf der Erinnerungswelle unterwegs ist.

Wer das Buch gelesen, die Trailer gesehen oder einfach nur die Berichterstattung um Ready Player One verfolgt hat, der weiß: Hier wurden nicht nur kleine, augenzwinkernde Verweise auf andere Filme oder ein paar Insider-Witze eingebaut – der Film gießt ein riesiges Füllhorn an Nostalgie über dem Zuschauer aus. Wer in den 80er Jahren geboren und mit Spielbergs damaligen Werken und denen seiner Zeitgenossen aufgewachsen ist, der wird gar nicht mehr aus dem Entdecken und dem Sich-Freuen herauskommen. „Style over substance“? Tatsächlich ist die Geschichte schnell erzählt, und stellenweise droht Ready Player One in ein Effektfeuerwerk abzudriften. Doch auch ich habe mich von dem wohligen Gefühl und der Freude über das Wiedererkennen mitreißen lassen: Eine Schlüsselszene spielt in der Kulisse eines anderen, sehr bekannten Films und hat mir ein breites Grinsen aufs Gesicht gezaubert!

Ready Player One - Szenenbild_1
Die OASIS lässt die Spieler ihre kühnsten Träume erfüllen

Starke Nebencharaktere, grandioser Soundtrack

Oscar-Preisträger Mark Rylance ist als spleeniger James Halliday zwar nicht lange im Film zu sehen, schafft es aber, den Charakter in der kurzen Zeit so liebenswert darzustellen, dass man schnell eine Bindung zu ihm aufbaut. Einzig die Hintergrundgeschichte um seine Beziehung zu OASIS-Mitentwickler Ogden Morrow (Simon Pegg in einer schönen Nebenrolle) hätte ich mir detaillierter gewünscht; hier wurde leider Potential verpulvert. Tye Sheridan als Wade bleibt zudem verhältnismäßig blass. Die Hintergrundgeschichte des Charakters ist schnell erzählt, und Sheridans Darstellung mangelt es in weiten Teilen an emotionaler Tiefe.

Nebencharaktere wie Wades Freunde Artemis und Aech oder auch der Gegenspieler Sorrento und dessen Handlanger I-R0k sind sehr viel „runder“ gestaltet und haben die Sympathien auf ihrer Seite – sogar die Bösewichte! Daher verzeiht man die Schwäche in Bezug auf Wade und Sheridan leichter, als man das bei einem eindimensionaleren Ensemble tun würde.

Nicht unerwähnt bleiben darf natürlich der Soundtrack, der eine bunte Mischung aus 80er-Jahre-Klassikern und dem großartigen Score von Alan Silvestri, einem weiteren Hollywood-Urgestein. Verwundert es vielleicht, dass Spielberg in Ready Player One nicht mit seinem quasi gesetzten Partner John Williams zusammenarbeitet (Terminüberschneidungen mit Spielbergs quasi parallel laufender Produktion Die Verlegerin waren der Grund), so passt die Kollaboration in diesem Fall wie die Faust aufs Auge – prägte Silvestris Musik doch bereits solche cineastischen Meilensteine wie Forrest Gump und Zurück in die Zukunft. Letzterer erfährt hier einen netten musikalischen Callback, als Wade ein „Zemeckis-Cube“ genanntes Artefakt einsetzt, natürlich benannt nach niemand geringerem als Regisseur Robert Zemeckis, der nicht nur für die beiden vorgenannten Filme verantwortlich zeichnet, sondern mit Silvestri ein ähnliches Gespann bildet wie Spielberg und Williams. Diese aus der Not geborene Zusammenarbeit entpuppte sich also als wahrer Geniestreich!

Ready Player One - Key
OASIS-Erfinder Halliday macht es den Spielern nicht leicht…

Fazit

Wie verhält sich nun der Film zur Romanvorlage? Da ich selber den Roman nicht gelesen habe, lasse ich hier einmal meinen Kollegen Jörg zu Wort kommen: „Steven Spielberg und Ernest Cline (der Autor der Romanvorlage) haben beim Schreiben des Drehbuchs lediglich das Grundgerüst der eigentlichen Geschichte genommen und einige wichtige Eckpfeiler hinzugefügt. Der Großteil der Story wurde komplett geändert und aufgrund der Laufzeit von zwei Stunden gestreckt, weshalb einige wichtige Handlungsstränge gestrafft und/oder geändert wurden. Eine Adaption in Form einer Serie wäre womöglich sinnvoller gewesen. Aber schlussendlich ist trotz der drastischen Änderungen ein unterhaltsamer Film herausgekommen, der sich zwar nicht zu 100 % an die Vorlage hält, aber den Kern und das Herz des Ganzen nicht vermissen lässt!“

Steven Spielberg zaubert uns seit Jahrzehnten sowohl Lächeln als auch Tränen ins Gesicht; er bringt uns zum Staunen und schafft es stets, die Menschlichkeit seiner Charaktere hervorzuheben – selbst, wenn sie wenig Screentime haben. Er ist einer der wenigen großen Geschichtenerzähler unserer Zeit, der mit seinen Werken meine Generation geprägt hat wie kaum ein Anderer.

Ist Ready Player One ein Meisterwerk wie Jäger des verlorenen Schatzes oder ist er tiefgründig und bewegend wie Schindlers Liste? Nein – aber er entführt uns für zwei Stunden in eine andere Welt und umhüllt uns wie eine warme Decke auf dem Sofa an einem verregneten Tag – und genau deswegen gehen wir doch ins Kino!

Ready Player One - Tye Sheridan
Wades Leben spielt sich fast nur virtuell ab…
 
Fakten und Bewertung

Originaltitel: Ready Player One
Land: USA
Laufzeit: 140 Minuten
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Zack Penn, Ernest Cline
Cast: Tye Sheridan, Olivia Cooke
IMDb: 7,9
FSK: ab 12
Release: ab 5.4.2018 im Kino
 Seht hier den Trailer:
Bildrechte: Ready Player One © Warner Bros. Entertainment
Friederike

Friederike

Admin und Autor bei Film und Feder
Warum ich über Filme schreibe? Weil Freude wächst, wenn man sie teilt!
Als jemand, der Filme häufig alleine schaut, fehlte mir oft der Austausch nach dem Abspann - die Diskussion kontroverser oder unklarer Aspekte, die Hoffnung, dass mein Gegenüber meine Lieblingsszene genau so mochte wie ich und manchmal auch nur das schamlose Schwärmen über den Hauptdarsteller. Das Veröffentlichen meiner Gedanken zum Film ermöglicht mir diesen Austausch mit einer großen Anzahl an Menschen, die das Medium ebenso lieben, wie ich.
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