Review: „A Beautiful Day“ 2017)

Mit A Beatiful Day kreierte Regisseurin Lynne Ramsey einen düsteren, fast schon hypnotischen Film über die Fehlfunktion einer kaputten Seele. Ein Film wie ein Hammerschlag…im wortwörtlichen Sinne.

 

Der Ex-Soldat Joe hat sich auf das Wiederfinden entführter Kinder spezialisiert. Das dieser dabei nicht gerade zimperlich zur Sache geht, kommt seinen Auftraggebern gerade recht. Als Joe von einem angehenden New Yorker Senator den Auftrag erhält seine verschwundene Tochter wiederzufinden, ahnt er noch nicht, schon nach kurzer Zeit in eine, sich immer tiefer drehende, Spirale aus Korruption und Gewalt zu geraten, die seinem, ohnehin schon ziemlich angeschlagenen, seelischen Zustand noch mehr Schaden zufügt.

Vorab sollte gesagt werden, dass die Vermarktung des Filmes wieder einmal ein Paradebeispiel dafür ist, den Zuschauer auf eine falsche Fährte zu locken. Während der Trailer einen knallharten Rache-Thriller in Tradition wie 96 Hours oder Drive suggeriert, ist das eigentlichen Endprodukt viel mehr eine Studie über die menschliche Seele. Denn was die schottische Regisseurin Lynne Ramsay hier präsentiert ist ein ruhiges, teils schon hypnotisches Machwerk, welches das Publikum auf eine harte Zerreißprobe stellt.

Eine verlorener Geist in einer grausamen Welt 

So schickt Ramsay ihren Hauptdarsteller Joaquin Phoenix auf eine ganz persönliche Tour de Force und lässt ihn vom Anfang bis zum Ende leiden. Phoenix schwitzt, grunzt, blutet und zerrt sich wörtlich durch die Szenerie welche sich wie quälende Ewigkeit anfühlt. Und all das schafft der Darsteller mit der Kraft einer Urgewalt. Joaquin Phoenix ist ein Underdog, ein muskelbepackter Fleischberg, der es schafft sich selbst gegen die Wand zu spielen. Irgendwie ist es fast befremdlich und doch voyeuristisch zugleich ihn dabei zu beobachten wie er sich quält, zweifelt und beinahe daran zu Grunde geht. Beweggründe für sein Leid erfahren wir nur sporadisch durch Flashback. Häusliche Gewalt in seiner Kindheit, die traumatischen Erlebnisse während seiner Zeit als Soldat.

Schmerzen, Trauer, Wut. Das Lynne Ramsey weiß wie man menschliche Abgründe in Szene setzt hat sie ja schon des öfteren bewiesen. Zuletzt in dem grandiosen Thriller We Need To Talk About Kevin. Doch im Gegensatz zu A Beautiful Day wirkt dieser fast schon Mainstream. Man könnte  behaupten die ganze Inszenierung wäre zu sperrig, zu schwer in seiner Bedeutung. Was ich dem Publikum natürlich nicht vorwerfen kann. Doch sollte man verstehen, dass es genau das ist was der Film versucht einem zu vermitteln. Es geht vordergründig nicht um den ausgeführten Akt der Darstellung, insbesondere der Gewalt, welche sich immer wieder in kurzen, harschen Zügen ins Bild drängt, sondern um die daraus resultierenden Konsequenzen. Joe ist kein heroischer Held, sondern ein seelisch gebrochener Mann der keine Freude bei dem empfindet was er tut, es aber tut weil es ja „der Job ist„, wie er es behauptet. Im Grunde ist Joe nur noch eine emotionslose Hülle, die funktioniert.

Alle was er braucht ist ein Hammer.
 Doch was bleibt am Ende übrig? Ganz genau vermag auch ich das nicht zu sagen. Auf der einen Seite haben wir einen Plot, so dünn wie ein Blatt Papier, der einem nur Vielschichtigkeit vorgaukelt. Doch auf der anderen Seite stehen eine hervorragende Inszenierung, bei der das Sprichwort: „show not tell “ viel Wichtigkeit bekommt und die fehlende Bedeutung der Geschichte kompensiert  und damit den Zuschauer fordert, sowie einem atemberaubendem Hauptdarsteller, der  es mit Leichtigkeit schafft einem mit seiner Performance  sofort in Bann zu ziehen.
Eines ist jedoch Gewiss. Man wird auch Tage nach dem Kinobesuch nicht aufhören können über den Film zu denken.

Fazit: A Beautiful Day ist ein wuchtiger und vor allem wunderschöner Film der tief unter die Haut geht. Joaquin Phoenix legt hier die mit weitem Abstand beste Performance seiner Karriere ab und lässt einem mit Staunen zurück. Ein Film der aber definitiv das Publikum spaltet und teils fragend zurück lässt.

akten und Bewertung

Originaltitel: You Were Never Really Here
Land: USA
Laufzeit: 95 Minuten
Regie: Lynne Ramsay
Drehbuch: Jonathan Ames, Lynne Ramsay
Cast: Joaquin Phoenix, Ekaterina Samsonov,  John Doman, Judith Roberts u.a.
IMDb: 7.0
FSK: ab 16
Release: ab 26.4.2018 im Kino

Bildrechte @ © Constantin Film

Jörg

Jörg

Autor bei Film und Feder
Hier soll etwas über mich drin stehen. Wo fange ich an? Hi ich bin...ach wisst ihr was? Ich mache es euch ganz einfach.

Filme sind meine Religion, das Kino meine Kirche, Quentin Tarantino mein Messias und die Hollywood Studios mein Mekka. Ohne all dieses bin ich ein Nichts. Ich bin verloren in der Magie des Films. Alles ist real, außer ich lasse es nicht zu.

Wie schon einst Stanley Kubrick sagte:
“A film is – or should be – more like music than like fiction. It should be a progression of moods and feelings. The theme, what’s behind the emotion, the meaning, all that comes later.”
Jörg

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