Tomb Raider Titelbild

Review: „Tomb Raider“ (2018)

Alicia Vikander hat als neue Lara Croft die großen Fußstapfen (oder Körbchen?) ihrer Vorgängerin Angelina Jolie zu füllen. Gelingt ihr das?

Tomb Raider FilmplakatSeit nunmehr 22 Jahren ist Lara Croft fester Bestandteil der Popkultur und rennt, klettert und springt seitdem in den ebenfalls 22 unterschiedlichsten Iterationen des Action-Adventures „Tomb Raider“ über Computerbildschirme, Fernseher und Handheld-Konsolen weltweit.

Vor immerhin 17 Jahren, im Jahr 2001, erschien die erste Tomb Raider-Verfilmung, die Angelina Jolie über Nacht in den Superstar-Status katapultierte. Actionreich, attraktiv, klug und niemals um einen frechen Spruch verlegen rannte, kletterte und sprang Jolie als die Titelheldin durch malerische Kulissen über den ganzen Globus verteilt, um magische Orte und Artefakte aufzuspüren. Dabei war der Charakter der Lara Croft immer auch eine Karikatur ihrer selbst, mit ihren unpraktischen Hot Pants und einer Oberweite, die nicht nur jeglicher Schwerkraft trotzte, sondern ihr – und das war die eigentliche Magie – auch bei den wüstesten Stunts niemals im Weg zu sein schien. Nach dem großen Erfolg des ersten Teils folgte ein zweiter in 2003.

Im nun erschienenen filmischen Reboot ist Lara erwachsen geworden – wenngleich sie auch jünger ist als Jolies Charakter. Nicht mehr bonbonbunt, mit deutlich kleinerer (und praktischerer!) Oberweite, aber eben auch mit deutlich weniger Spaß an der Sache.

Lara rennt

Lara Croft ist 21 Jahre alt, schlägt sich als Fahrradkurier in London durch und ihren Sparringspartnern beim Kickboxen auf die Rübe. Ein durch das Familienvermögen leichteres Leben lehnt sie ab, da sie an das Geld nur mit einer Unterschrift käme, die ihren vor sieben Jahren verschollenen Vater offiziell für tot erklären würde. Nachdem Lara auf Hinweise stößt, die andeuten, dass ihr Vater noch am Leben sein könnte, macht sie sich auf den Weg, um die legendäre Insel Yamatai zu finden – die offensichtlich auch schon Lord Richard Croft gesucht hat, um eine legendäre Grabstätte vor der Entdeckung durch eine zwielichtige Organisation zu schützen. Bald darauf rennt, klettert und springt sie daher durch Wald und Wiesen und natürlich durch die obligatorische Grabstätte – denn ohne eine zu raidende Tomb braucht man den Quatsch ja auch gar nicht erst anzufangen!

Tomb Raider, Alicia Vikander und Daniel Wu
Wie Laras Kompagnon heißt? Keine Ahnung – ist aber auch nicht wichtig.

Aua, aua

Und hier kommen wir dann auch zu einer der großen Schwachstellen des Films: Dass es sich hier um einen Actionfilm handelt – geschenkt. Dass dort meist eher wenig Wert auf gut entwickelte Charaktere, eine komplexe Handlung und intelligente Dialoge gelegt wird – nun gut. Aber während die Lara des ersten Drittels eine durchaus interessante und auch sympathische Person ist, flacht ihre Entwicklungskurve rapide ab, sobald der „Videospiel-Teil“ des Films beginnt.

Ab hier will man offensichtlich den Gamern im Publikum endlich die Lara geben, auf die sie gewartet haben: Die, die eben rennt, klettert und springt – und ächzt, stöhnt, schreit und wimmert. Das mag im Spiel gut funktionieren, wo man sie selber steuert und dadurch viel emotionaler auf die körperlichen Hindernisse reagiert, auf die sie stößt – im Film nervt es leider bereits nach kurzer Zeit. Von einer Todesgefahr in die nächste, stets über kilometerhohen Schluchten baumelnd, fallend, stürzend… für eine Reihe, die sich im Reboot einer sehr viel realistischeren Version des Charakters verschrieben hat, sind diese Szenen für die „Nicht-Gamer“ im Publikum schnell ermüdend und ab einem gewissen Punkt sogar albern. Dass Lara das Ganze mit einer kleinen Fleischwunde am Arm, einem dekorativen Kratzer im Gesicht und einer Bauchverletzung, die sie erstaunlich gut wegsteckt, überlebt, ist offenbar das wahre Wunder von Yamatai. Ich selber habe allein vom Anschauen der ersten großen Actionszene auf der Insel mentalen Tetanus erlitten.

Das letzte Drittel hat storytechnisch noch einmal ein paar nette Punkte erreicht – allerdings wurden diese gleich wieder durch einige arg dumme Entscheidungen und Dialoge der Charaktere zunichte gemacht. Wenn große Teile des Publikums während der ernsten Szenen lachen müssen, dann ist hier offenbar etwas schief gelaufen.

Tomb Raider, Alicia Vikander
Voilà – zwei Drittel des Films in einem Screenshot zusammengefasst!

Fazit

Es ist bezeichnend, dass ich die beiden actionreichen Szenen am Anfang des Film spannender fand als den ganzen „Spiele-Kram“ später: Die Kickboxszene gleich zu Beginn sowie eine rasante Sequenz auf dem Fahrrad durch die Straßen Londons zeigen, dass Lara einstecken kann und risikofreudig ist. Was dann folgt, ist, nunja, Videospiel-Routine. Schade. Umso mehr fallen dadurch eben die anderen Schwächen im Bereich Story, Charaktere und Dialoge ins Gewicht.

Bewundernswert ist in der Tat Alicia Vikanders körperlicher Einsatz: Nicht ein Gramm Fett findet sich an ihrem gestählten Körper, und auf ihren Sixpack ist sicher sogar der ein oder andere Mann neidisch! Man kauft ihr daher durchaus ab, härter im Nehmen zu sein als die „Standard-21jährige“.

Einigen Filmfans wird zudem mit Sicherheit ein kleiner, aber sehr feiner Gastauftritt gefallen, der mich überrascht und zum Lachen gebracht hat. Während die ersten beiden Tomb Raider-Verfilmungen aber immerhin noch eine gehörige Portion Selbstironie aufwiesen, geht diese dem Reboot leider völlig ab – und damit auch die Möglichkeit, noch etwas Charme in das Ganze zu bringen.

Ein guter Actionfilm ist eben mehr als nur rennen, klettern und springen.

 
Fakten und Bewertung

Originaltitel: Tomb Raider
Land: USA
Laufzeit: 118 Minuten
Regie: Roar Uthaug
Drehbuch: Geneva Robertson-Dworet, Alastair Siddons, Evan Daugherty
Cast: Alicia Vikander, Dominic West, Daniel Wu
IMDb: 7,3
FSK: ab 12
Release: ab 15.3.2018 im Kino
 Seht hier den Trailer:
Bildrechte: Tomb Raider © Warner Bros. Entertainment
Friederike

Friederike

Admin und Autor bei Film und Feder
Warum ich über Filme schreibe? Weil Freude wächst, wenn man sie teilt!
Als jemand, der Filme häufig alleine schaut, fehlte mir oft der Austausch nach dem Abspann - die Diskussion kontroverser oder unklarer Aspekte, die Hoffnung, dass mein Gegenüber meine Lieblingsszene genau so mochte wie ich und manchmal auch nur das schamlose Schwärmen über den Hauptdarsteller. Das Veröffentlichen meiner Gedanken zum Film ermöglicht mir diesen Austausch mit einer großen Anzahl an Menschen, die das Medium ebenso lieben, wie ich.
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