Game vs Movie „Silent Hill – Willkommen in der Hölle“ (2006)

In meiner Review zu Silent Hill – Willkommen in der Hölle (2006) habe ich bereits grob den Inhalt des Films dargestellt. In diesem Artikel werde ich die Details des Films im Vergleich zum ersten „Silent Hill“-Spiel (Konami, Playstation, 1999) genauestens unter die Lupe nehmen!

Dementsprechend bitte ich jeden, der den Film noch nicht gesehen oder das Spiel nicht gespielt hat oder sich auf welche Art und Weise nicht spoilern lassen will, die Review oben für eine Meinung heranzuziehen, denn dieser Beitrag wird die Spoilergrube überfluten.

Handlung Film

Im Film dreht sich alles um einen verrückten, gewalttätigen Kult, der alles Böse auslöschen will. In der Vergangenheit hat dieser Frauen und Mädchen gefoltert und verbrannt, welche die jeweiligen Anführer als „Hexen“ identifiziert hatten. So auch Alessa Gillespie, die geliebte Tochter von Dahlia Gillespie, die nicht genug Mut aufbrachte, sich zwischen das Feuer und den Kult zu drängen. Alessa überlebte. Sie wurde im Krankenhaus untergebracht und gepflegt, auch wenn das Feuer ihrem Körper keine Heilung gönnte. Unschuldig entstellt wuchs der Zorn und die Rache in ihr und so spaltete sie sich in zwei verschiedene Alessas auf. Das Gute, die Unschuld in ihr wurde wiedergeboren und an die Tore eines Waisenhauses gebracht. Das Böse, der nun von allem Guten verlassene Dämon in ihr, hatte nun freien Lauf, seine Rachegelüste auszuleben. Hier kommt die kleine Sharon ins Spiel.

Silent Hill – Willkommen in der Hölle bietet mehr als nur Athmosphäre.

Sharon, der gute Part Alessas, wurde von Rose und Christopher DaSilva adoptiert, doch ihre äußerst lebendigen Träume und Nachtwanderungen auf der Suche nach Silent Hill sind eine Sache, die ihre Adoptiveltern nicht auf Dauer ignorieren können. Da Sharons Vater dagegen ist, sie wegen Träumen in eine ihnen nicht bekannte Stadt zu bringen, macht sich ihre Mutter in einer Nacht- und Nebelaktion auf, um herauszufinden, was Silent Hill mit ihrer Tochter gemein hat. Während der Laufzeit des Films geht Sharon verloren, Rose sucht ihre Tochter, findet immer wieder Evil-Alessa und hilft dieser letztendlich sich an der Anführerin des Kultes, Christabella, zu rächen und den gesamten Kult auszulöschen.

Unterstützung bekommt Rose von der ahnungslosen Polizistin Cybil Bennet, die die verzweifelte Mutter erst einmal verhaften möchte, weil ominös. Am Ende des Films ist die Kirche des Kults inkl. Anhänger und Cybil verbrannt, Sharon und Rose sind wieder Zuhause, genauso wie Christopher, beide jedoch in verschiedenen Realitäten.

Handlung Spiel

Das Spiel beginnt dort, wo der Film die Fahrt nach Silent Hill ansetzt: Elternteil sitzt fahrend im Auto, (Adoptiv-)Tochter schläft in diesem. Auf der Straße ist ein Mädchen im Nebel huschen zu sehen, Elternteil bremst hart, stoßt mit dem Kopf auf und verliert das Bewusstsein. Beim Aufwachen stellt der Elternteil fest, dass die Tochter verschwunden ist und begibt sich auf die Suche in der verlassenen Stadt Silent Hill. In einem Café trifft Harry, der Elternteil des Spiels, auf Cybil, die ihn gleich vor den Monstern warnt. Ihre Wege trennen sich, Harry geht los und sucht Cheryl, so der Name im Spiel. Unterwegs pflegt er mehr oder minder Kontakt mit Dahlia sowie auch Dr. Kaufmann, der, wie man im Laufe des Spiels herausfindet, einen Drogenring in Silent Hill aufgebaut hat.

Die Suche nach der Tochter beginnt

Dahlia, die leibliche Mutter von Cheryl alias Alessa, ist selbst ein ziemlich hohes Tier in einem fanatischen religiösen Kult, der, anders wie im Film, das „Böse“ auf die Welt beschwören möchte. Dafür braucht „das Böse“ in Form eines Dämons aber eine starke Hülle. Alessa, die bereits in der Schule aufgrund ihrer übersinnlichen Fähigkeiten gemobbt und gemieden wurde, genoss keine schöne und vor allem gewaltfreie Erziehung. Ihre Mutter hatte damals schon den Plan, ihr Kind an den Dämon zu geben. Leider gab es jedoch einen Hausbrand und so litt Alessa an dauerhaft blutenden und eiternden Brandwunden am ganzen Körper.

Sie war unbrauchbar für Dahlia geworden. Diese hatte jedoch einen Plan B, bei dem Dr. Kaufmann eine Rolle spielte, denn seine Drogen, ein Halluzinogen aus einer nur um Silent Hill wachsenden Blume, waren perfekt für die antike religiöse Zeremonie, die es bedarf, dem Dämon sein Opfer zu bringen. Ihre Tochter war jedoch zu beschädigt, also ließ sie sie regelmäßig von anderen Kultanhängern vergewaltigen bis Alessa schwanger wurde und somit die perfekte aus Leid, Schmerz und Hilflosigkeit gezeugte Hülle gebären würde. Um ihre kindliche, naive, unschuldige Seite zu beschützen, gab sie diesen Teil ihres Selbst an ein Waisenhaus ab, das dann als Cheryl von Harry und seiner Frau adoptiert wurde.

Das Spiel hat fünf verschiedene Enden. Im „sehr guten“ Ende besiegt man natürlich den heraufbeschworenen Dämon mit Hilfe der wiedervereinten Alessa, Dahlia und Dr. Kaufmann sterben, Cybil kommt frei und Alessas unbeschädigtes Baby wird als Ersatz für Cheryl und Zeichen der Dankbarkeit und des Vertrauens an Harry und Cybil gegeben.

Alessa ingame vs Film-Alessa

Unterschiede

Im Film sucht die Mutter Rose nach ihrer 8-jährigen, langhaarigen Tochter Sharon, das Original lässt Vater Harry nach seiner 7 Jahre alten, kurzhaarigen Tochter Cheryl suchen.

Der gesamte Handlungsverlauf ist „inspiriert von Silent Hill 1“ jedoch nicht identisch. Christabella zum Beispiel gibt es in dem Spiel nicht, Dr. Kaufmann dafür nicht im Film. Dahlia hingegen ist im Film eine von den Guten und wird von Alessa verschont, im Spiel wird sie (zu Recht) von ihrer Tochter sanft in ihre Einzelteile zerlegt.

Manche Monster gibt es in den Spielen nicht, sie sind jedoch wirklich sehr nah am Spieldesign gehalten.

Endboss des Spiels

Im Film heißt es, die Asche würde deshalb immernoch vom Himmel regnen, da unterhalb von Silent Hill eine Mine läge. Die Spiele wissen nichts davon. Passend zu der Mine sind die Anhänger des Kultes mit Vögeln in Käfigen und mit Gasmasken sowie Schutzanzügen bewaffnet.

Der Effekt der abblätternden Wände ist nicht direkt von den Spielen, aber eine wirklich gelungene Visualisierung als Übergang in die Otherworld.

Lisa, die Krankenschwester, die Alessa behandelte, wurde im Film von Alessa geblendet. Im Spiel hat Lisa sich selbst das Leben genommen, da sie nicht ausgehalten hat, wie sehr die kleine Alessa leiden muss und die moderne Medizin sie nicht unterstützen kann.

Gemeinsamkeiten

Farbgebung, die Licht/Schatten-Komposition sowie der Nebel sind alles Faktoren, die vom Spiel übernommen wurden. Interessanterweise wurde der Nebel damals in den Spielen hinzugefügt, hauptsächlich um dem Protagonisten weniger Sichtfeld auf nebenher laufende Prozesse zu geben, um somit die Hardware alles flüssiger berechnen lassen zu können. So ganz nebenbei war es auch noch verdammt gruselig, dass plötzlich Monster aus dem Nebel kriechen.

Kameraperspektive

Die Straßennamen inklusive der Shopnamen wurden zu einem Großteil aus der Silent Hill übernommen. Ebenso wie das Rauschen, das ankündigt, wenn Gegner in der Nähe sind und die Asche, die einem die Sicht (zusätzlich zum Nebel) erschwert.

Was für Nicht-Silent-Hill-Spieler teilweise willkürlich und abstrakt erscheint, ist dem Silent-Hill-Spieler nur zu gut bekannt: die Kamera, die einen nicht in die Winkel sehen lässt, die man eigentlich gerade sehen möchte. Sie fährt an einem vorbei oder über einen drüber, während man sich bewegt. Dass die Kameraperspektive übernommen wurde, trägt einen großen Teil zur Atmosphäre bei. Auch der Soundtrack, der aus den ersten drei „Silent Hill“-Teilen übernommen wurde, untermalt die Atmosphäre. Dazu gehören nicht nur die Songs, sondern auch die Melodien, wenn Monster sich nähernd oder wenn diese sterben.

Athmosphäre und Farbgebung

Was auch zur Atmosphäre beiträgt und das Silent-Hill-Fangirl in mir zum springen bringt, sind die Kleinigkeiten, wie zum Beispiel das Verbrauchen benutzter Items oder geschlossene Türen, wenn man durch lange, dunkle, schäbige, alte Gänge wandert. Oder Rätsel – natürlich sind diese nicht so oft und kompliziert vertreten wie in der Spielreihe, doch ihnen wurde genug Aufmerksamkeit gewidmet, um zu zeigen, dass sich auch da an den teilweise absurd makabren Rätseln von Silent Hill orientiert wurde.

Erste blutige Begegnungen

Nicht vergessen darf man die Gemeinsamkeiten der Monster in Film und Spiel. Ganz speziell meine ich die Käfer, die einem im Spiel immer wieder folgen und teilweise zu schnell sind, als dass man sie gut erwischen könnte. Wie auch im Film tritt man einfach wahllos um sich herum, in der Hoffnung, man erwischt diese Mistviecher. Davon abgesehen haben wir eine Gemeinsamkeit, die nur diejenigen sehen werden, die die Originalversion (US/JP) spielen konnten: In den europäischen Spielen wurden die Monster in der Schule verändert, sodass sie nicht mehr durch ihr Aussehen an Kinder erinnern, denn man wollte nicht das Töten von Kindern unterstützen. Offensichtlich wurde in der Originalversion genau darauf Wert gelegt – man sollte einen gewissen Hass auf diese Kinder bekommen, da für Alessa die Schule der blanke Horror war. Mobbing vom Feinsten. Im Film haben sie sich getraut diese Kontroverse wieder aufzunehmen.

Die Schule lädt zum freudigen Lernen und Beisammensein ein. Nicht.

Fanservice

Großer Punkt: Fanservice, denn hier wird man als Fan weniger mit nostalgischen Gefühlen überhäuft als mit Aggressionen und Kopfschütteln, untermalt mit genervtem Seufzen.

Unterschiedlicher hätten die Nurses kaum sein können.

Am meisten muss ich hier mit den bereits bekannten Monstern kämpfen. Die Nurses, wunderschön designed und perfekt umgesetzt, wenn es eine Verfilmung des zweiten Teils wäre. Im ersten Silent Hill Teil sind die Nurses an kein Geschlecht gebunden, heißt, es gibt männliche und weibliche Nurses, beide menschlich aussehend mit einem Buckel, stöhnen sie während ihre marionettenartigen Bewegungen ausgeführt werden. Und mal ehrlich: Pyramidhead hat ja wohl gar nichts im Film verloren! Das ist reiner unüberlegter Fanservice. Um ein bisschen tiefer in die Materie zu gehen: Pyramidhead ist der Antagonist von James Sunderland, der Hauptperson aus Silent Hill 2 und gleichzeitig die Manifestation seiner Schuld und negativen Gefühle gegenüber seiner Frau. Ergo sieht ihn niemand außer James. Nichtsdestotrotz wurde Pyramidhead als das allgemein sichtbare Böse im Film dargestellt.

Fazit:
Wie bereits in meiner Review zu „Silent Hill: Willkommen in der Hölle“ geschrieben, ist für mich der Film die beste Spieleverfilmung, die aktuell noch auf dem Markt ist und mit sehr viel Liebe zum Spiel und dessen Details. Nichtsdestotrotz sind manche Details ein bisschen zu gut gemeint und kratzen so nur am nervigen unbedachten Fanservice, obwohl man noch so viel hätte nutzen können, was der erste Teil der „Silent Hill“-Reihe so bietet. Ich persönlich denke sogar, man hätte die Storyline vom ersten Teil komplett übernehmen können, um vor allem das Ende schlüssig zu gestalten und damit auch flüssig an die Fortsetzung anzuschließen.
Da der Film aber letzten Endes wirklich gut gelungen ist, steht es unentschieden.

Fakten und Bewertung

Originaltitel: Silent Hill
Land: Kanada/Frankreich/Japan/USA
Laufzeit: 125 Minuten
Regie: Christophe Gans
Drehbuch: Roger Avary
Cast: Radha Mitchell, Sean Bean, Jodelle Ferland
IMDb: 6,6
FSK: ab 16 Jahren
Release: 11.5.2006

 

 
Bildrechte: „Silent Hill – Willkommen in der Hölle“ © Concorde Filmverleih GmbH, „Silent Hill“ © Konami

 

Co

Co

Autor bei Film und Feder
Aloha, ich bin die Co, 1991 geboren und ich bin bei Film und Feder zuständig für die Spieleverfilmungen.

Angefangen hat meine Game-Movie-Beziehung in meiner frühsten Kindheit mit einem Sams-Kinderspiel "Eine Woche voller Samstage" (MSDOS) und ging fröhlich flockig weiter mit "König der Löwen" (SNES). Bei Beidem fand ich es total toll die Parallelen von Spiel und Film zu sehen und habe heftigst frohlockt, wenn mir ein Detail auffiel, das anderen nicht aufgefallen war.

Diese Detailverliebtheit hat sich mein Leben lang weiterentwickelt - ihr könnt euch also darauf freuen, jedes bisschen Fanservice mit mir aufzudecken!

Ach, und LOREM IPSUM DOLOR SIT AMET!!! <3
Co

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