poltergeist

Review: „Poltergeist“ (2015)

Im Haus der Familie Bowen, einer typisch amerikanischen Mittelstandsfamilie, spukt es. Besonders scheinen es die Geister auf die jüngste Tochter Madison abgesehen zu haben. Als das Mädchen eines Nachts verschwindet und ihre Stimme aus dem Fernseher kommt, kann nur noch ein professionelles Medium helfen…

Ein Remake eines Horrorklassikers? Kann ja nicht schiefgehen…

Kommt Euch die Inhaltsangabe irgendwie bekannt vor? Nun, Regisseur Gil Kenan hat die Story für seine Version von „Poltergeist“ größtenteils vom Originalfilm übernommen – da enden die Gemeinsamkeiten dann allerdings auch schon.

„Ich setze meine eigene Version des Stoffs um!“, mag sich der Filmemacher gedacht haben und präsentiert uns ein fade schmeckendes Potpourri aus modernen Horrorfilmzutaten:

Während der Film Jumpscare an Jumpscare aneinanderreiht, wird der Zuschauer zwischendurch auch noch mit schon-tausendmal-gesehen-3D-Effekten traktiert – es muss dem Zuschauer natürlich immer etwas aus der Leinwand entgegenspringen. Wenn man ehrlich ist, war auch bereits das Original ein Popkornkino-Horrorfilm – simple Story, tolle Effekte, eine Geisterbahnfahrt im Kinosaal – aber mit viel Herzblut gemacht! In dieser filmischen Zeitverschwendung scheinen Elsa aus „Frozen“ und Mr. Freeze deutlichen Einfluss gehabt zu haben, denn so eiskalt, seelenlos und beliebig kommt der Film rüber.

Gähn…

Kenans kraftloses Machwerk kann weder ansatzweise die tolle Atmosphäre des 82er-Films aufgreifen, noch dessen schönem Erzählfluss das Wasser reichen. Es gibt auch keine einzige Szene, die im Gedächtnis haften bleibt – man schaue sich zum Vergleich die Momente in Tobe Hoopers Original an, in dem die sphärische Geistergestalt die Treppe herunterschwebt oder die Toten buchstäblich aus ihren Gräbern herausspringen.

Was auch immer den Regisseur geritten hat, so ein beliebiges, seelenloses Remake zu machen – ich vermute, er hat das Original nicht verstanden. Wo Spielbergs „Poltergeist“ an Ideenreichtum nur so sprudelt, sind hier gähnende Leere bzw. Standard-Gruselszenen aus dem Versandhandel, im Dutzend billiger.

Die Figur des unorthodoxen Geisterjägers ist nicht übel, kann den Film aber auch nicht retten. Die restliche Schauspielerriege (u.a. Sam Rockwell) macht ihre Sache durchaus solide, kann aber keine besonderen Akzente setzen. Während die Darsteller in der Vorlage alle Tasten der Gefühlsklaviatur abspielen, spulen sie hier nur das Pflichtprogramm ab.

Fazit: Kann man mal anschauen, muss man aber nicht…

Fakten und Bewertung

Originaltitel: Poltergeist
Land: USA
Laufzeit: 93 Minuten
Regie: Gil Kenan
Drehbuch: David Lindsay-Abaire
Cast: Sam Rockwell, Rosemarie DeWitt, Jared Harris
IMDb: 4.9
FSK: ab 16 Jahren
Release: Auf DVD, Bluray und als Stream
 Seht hier den Trailer:
Bildrechte: Poltergeist © Twentieth Century Fox of Germany GmbH
Andreas

Andreas

Autor bei Film und Feder
Mein Name ist Andreas Lehmler und Filme beschäftigen mich schon fast mein ganzes Leben. Mit all den Filmverrückten hier denke ich, dass wir euch das Medium Film auch mal von ungewohnten Seiten näherbringen können.
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