Die 7 besten Frances McDormand-Performances

2018 scheint das Jahr für Frances McDormand zu sein. Mehrfach für ihre Rolle als Mildred Hayes in dem Oscar-nominierten Drama Three Billboards Outside Ebbing, Missouri ausgezeichnet, ist die Darstellerin derzeit in aller Munde. Dabei gehört die 60-jährige seit mehr als 30 Jahren zu den besten Schauspielerinnen Hollywoods. Warum McDormand trotz alledem einem breitem Publikum bislang weniger bekannt war, liegt daran, dass sie bei der Wahl ihrer Rollen durchaus selektiv vorging. Dadurch ist es allerdings fast unmöglich, eine schwache Leistung von ihr zu finden!

Ihre Schauspielkarriere begann die 1957 in Chicago geborene Frances McDormand nach ihrem Masterabschluss an der Yale School of Drama im Jahre 1982. Der Durchbruch gelang ihr gleich mit dem 1984 gedrehten Film Blood Simple, dem Erstlingswerk der „Coen-Brüder“ Joel & Ethan Coen. Noch im selben Jahr heirateten McDormand und Joel Coen – seitdem übernimmt sie in vielen Filmen der Brüder mal größere, mal kleinere Rollen. Für ihre Leistung in Fargo wurde sie schließlich mit dem Oscar als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Im Laufe ihrer bisherigen Karriere konnte die Schauspielerin fünf Oscar-Nominierungen und diverse Auszeichnungen (darunter den Golden Globe für Three Billboards Outside Ebbing, Missouri) für sich verzeichnen.

McDormand besitzt die einzigartige Fähigkeit, aus ihren Performances greifbare Emotionen zu extrahieren und sich gleichzeitig auf dem Boden zu halten. In ihren Händen wird dieses Minenfeld eines Monologs zur reinen visuellen Poesie. Eine Auswahl ihrer besten Performances findet Ihr in dieser Liste. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri wird hier übrigens nicht mit aufgezählt, da hierzu schon eine Kritik auf unserem Blog zu finden ist (und zwar genau hier).


7. Mrs. Pell (Mississippi Burning)

© MGM/Columbia TriStar

Mississippi Burning handelt vom grassierenden Rassismus im Süden der USA und ist inspiriert von einem in 1964 stattgefundenen Mordfall. McDormand spielt eine Figur namens Mrs. Pell, die Frau des stellvertretenden Sherriffs der Stadt (Brad Dourif). Sie alarmiert das FBI, ihr Ehemann habe zusammen mit anderen lokalen Strafverfolgungsbehörden drei Bürgerrechtler ermordet, weil diese eine Möglichkeit zur Wählerregistrierung für Afroamerikaner organisiert hatten. McDormands Darstellung von Mrs. Pell ist zurückhaltend und bescheiden – man kann sagen, dass ihr Charakter ihr ganzes Erwachsenenleben lang unter dem Einfluss eines Tyrannen verbracht und dort gelernt hat, sich auf die Zunge zu beißen. Aber McDormand vermittelt auch die Stärke, die in dieser Frau brennt. Sie teilt die meisten ihrer Szenen mit Gene Hackman und entpuppt sich als sehr ähnlich begabt darin, Charaktere von stiller Würde und unerwarteter Komplexität zu spielen. McDormand wurde für den Oscar als beste Nebendarstellerin nominiert, verlor aber gegen Geena Davis und deren Darstellung in „Die Reisen des Mr. Leary“.


6. Jane (Laurel Canyon)

© Columbia Tri-Star Filmgesellschaft mbhH

Wenn man einen Beweis für die schauspielerische Spannweite von Francis McDormand benötigt, kann man sich wunderbar die beiden Muttercharaktere in Almost Famous und Laurel Canyon zum Vergleich heranziehen. McDormand ist in diesem 2003er Drama von Regisseurin Lisa Cholodenko kaum zu wiederzuerkennen. Sie spielt eine extrovertierte kalifornische Plattenproduzentin, die immer noch mit voller Hingabe „Sex, Drogen und Rock ’n‘ Roll“ frönt. Ihr Lebensstil wird zunächst durch die Ankunft ihres erwachsenen Sohnes (Christian Bale) und seiner Verlobten (Kate Beckinsale) in Frage gestellt, was sich aber im Laufe des Films für alle Beteiligten ändert. McDormand vermittelt subtil sowohl die Freuden ihres hedonistischen Lebensstils als auch die eindringliche Erkenntnis, dass er nicht für immer bestehen kann. Und so bekommt man das Gefühl, dass die konservative Mutterfigur aus Almost Famous sicher ein paar Worte für die impulsive und narzisstische Mutter in Laurel Canyon übrig hätte, die nicht nur ihre moralische Antithese ist, sondern das Gegenteil von so ziemlich allem, wofür sie steht.


5. Abby (Blood Simple)

© Studiocanal

Blood Simple ist ein Krimi von 1984 mit Frances McDormand, John Getz und M. Emmet Walsh. Das Erstlingswerk der Coen-Brüder handelt von einer unglücklichen Ehefrau, die in die Arme eines Angestellten ihres Mannes flieht. Als ihr Gatte ihr auf die Schliche kommt, heuert er eine zwielichtige Gestalt an, die dem heimlichen Paar folgt. Blood Simple ist ein intensiver, packender und düster-komischer Thriller, der nicht so endet, wie man es erwarten würde. Dies ist wahrscheinlich McDormands am wenigsten komödiantische Rolle ihrer gemeinsamen Karriere mit den Coen-Brüdern. Und obwohl McDormand lediglich eine größere Nebenrolle spielt, ist sie schlichtweg fantastisch – vor allem, wenn man bedenkt, dass dies ihr Schauspieldebut ist. 


4. Glory Dodge (Kaltes Land)

© Warner Bros. Pictures Germany

McDormand erhielt ihre vierte Oscar-Nominierung für ihre Nebenrolle in diesem Drama aus dem Jahr 2005, basierend auf der wahren Geschichte einer Sammelklage, die die Gesetze bezüglich sexueller Belästigung am Arbeitsplatz änderte. Charlize Theron spielt die Frau im Zentrum des Falls; McDormand spielt Glory, die ihrer Freundin hilft, einen Job in der örtlichen Eisenmine zu finden. Nicht zur Seite stehen kann sie ihr allerdings, als ihre Freundin den Missbrauch durch ihre Kollegen und die Apathie der Bosse bekämpft. McDormand gräbt tief in die Schuld und Hilflosigkeit ihres Charakters (und deren Krankheit) und liefert eine herzzerreißende, tränenerregende Leistung ab. Ihre Darstellung ist ziemlich erstaunlich und anders als alle Rollen, die sie bis dato gespielt hatte. Leider verlor sie den Oscar an Rachel Weisz und deren Leistung in The Constant Gardener


3. Guinevere Pettigrew (Miss Pettigrews großer Tag)

© Focus Features

In den letzten Jahren hatte McDormand mehr Möglichkeiten, sich von ihrem Ruf als nur auf ernste Rollen abonnierte Schauspielerin freizuschwimmen und ein bisschen Spaß auf dem Bildschirm zu haben. In dieser Komödie spielt McDormand Miss Pettigrew, eine Londoner Gouvernante mittleren Alters, die unfair entlassen wird. Der Versuch, eine neue Beschäftigung zu finden, katapultiert sie in die glamouröse Welt und den schwindelerregenden sozialen Wirbel einer amerikanischen Schauspielerin und Sängerin. Der Film ist so lecker wie ein Soufflé und genauso ​​umfangreich; McDormand schwelgt sichtlich in der Gelegenheit, sich mit den komischen Qualitäten des Drehbuchs und den komödiantischen Dynamik mit Adams auseinanderzusetzen.


2. Olive Kitteridge (Olive Kitteridge)

©HBO

McDormand ist Hauptdarstellerin und Produzentin dieser 2014er vom PayTV-Sender HBO ausgestrahlten Mini-Serie und bringt sie wieder mit der Regisseurin von Laurel Canyon, Lisa Cholodenko, zusammen. Basierend auf Elizabeth Strouts Roman Olive Kitteridge erzählt die Serie die Geschichte eines Vierteljahrhunderts im Leben einer misanthropischen Lehrerin. Das vierstündige Format ermöglicht es McDormand, eine einfühlsame Performance zu kreieren, die diese fehlerhafte und exzentrische Frau vollständig erforscht. Olive Kitteridge ist eine dunkle und trostlose Erzählung, mit extremen Momenten, berührenden Emotionen und flüchtiger Glückseligkeit. Das Leben für alle Charaktere in dieser Geschichte ist eine beständige Folge von Negativität und Hoffnungslosigkeit. Und Olive ist die Königin der Depressiven. 


1. Marge Gunderson (Fargo)

© Conc Cr Turner

Mississippi Burning brachte McDormand ihre erste Oscarnominierung ein, doch dauerte es acht weitere Jahre, bis sie für ihre unvergessliche Leistung in diesem Indie-Smash – wieder unter der Regie der Coen Brothers – endlich den Preis als beste Hauptdarstellerin erhielt. Auch wenn Fargo von manchen als Komödie angesehen wird, ist es ein intensiver und packender Thriller, in dem die Schauspielerin sowohl ihr dramatisches als auch ihr komödiantisches Talent zeigen kann. Sie spielt glaubwürdig, was allzu leicht in eine Karikatur hätte ausarten können: Marge Gunderson, eine stets gutgelaunte, hochschwangere Polizeichefin mit einem übertriebenen regionalen Dialekt. McDormand macht Gunderson zu einem der wärmsten Charaktere der gesamten Coen-Filmography. Geschickt vermittelt sie nicht nur Marges Sinn für „Minnesota Nice“, sondern auch ihre investigativen Fähigkeiten und scharfen Instinkte für die Nuancen der menschlichen Natur. Dabei taucht ihr Charakter erst nach 33 Minuten erstmals im Film auf. Doch in Kombination mit diesem exzellent geschriebenen Charakter gelingt es McDormand, eine der am meisten geschätzten und liebenswertesten Figuren der letzten 25 Jahre zu kreieren. 

Jörg

Jörg

Autor bei Film und Feder
Hier soll etwas über mich drin stehen. Wo fange ich an? Hi ich bin...ach wisst ihr was? Ich mache es euch ganz einfach.

Filme sind meine Religion, das Kino meine Kirche, Quentin Tarantino mein Messias und die Hollywood Studios mein Mekka. Ohne all dieses bin ich ein Nichts. Ich bin verloren in der Magie des Films. Alles ist real, außer ich lasse es nicht zu.

Wie schon einst Stanley Kubrick sagte:
“A film is – or should be – more like music than like fiction. It should be a progression of moods and feelings. The theme, what’s behind the emotion, the meaning, all that comes later.”
Jörg

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