Review: „Die dunkelste Stunde“ (2017)

Joe Wright erzählt in diesem Kriegsdrama die Geschichte von Winston Churchill in seinem ersten Monat als Premierminister während der Anfänge des Zweiten Weltkrieges.  

Filmplakat "Die dunkelste Stunde"

Mai 1940: Die deutsche Wehrmacht hat unter der Führung von Adolf Hitler bereits Teile Osteuropas eingenommen und befindet unaufhaltsam auf ihrem Zug in Richtung Westen. Das Parlament in London sieht den Ereignissen besorgt entgegen und setzt, mit Begründung der Inkompetenz, den derzeitigen Premierminister ab. Die Nachfolge tritt der kriegserfahrene Minister Winston Churchill an. Von seinen Parteikollegen und sogar vom König selbst eher geduldet als unterstützt, muss Churchill eine schwere Entscheidung treffen: sich dem unaufhörlich vorrückenden Feind beugen und kapitulieren oder bis zum erbitterten Ende kämpfen.

„Ich möchte zum Hause sagen, wie ich zu denen sagte, die dieser Regierung beigetreten sind: »Ich habe nichts zu bieten als Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß.« Wir haben vor uns eine Prüfung der schmerzlichsten Art. Wir haben vor uns viele, viele lange Monate des Kampfes und Leidens. Sie fragen, was unsere Politik ist; ich will sagen: »Es ist Krieg zu führen, zu Wasser, zu Land und in der Luft, mit all unserer Macht und mit all der Kraft, die Gott uns geben kann, und Krieg zu führen gegen eine ungeheuerliche Gewaltherrschaft, die nie übertroffen worden ist in der dunklen, beklagenswerten Liste menschlichen Verbrechens.« Das ist unsere Politik.“

– Unterhausrede von Winston Churchill am 13.Mai 1940 –

 

„Die dunkelste Stunde“ ist der neueste Film von „Wo ist Hanna„-Regisseur Joe Wright und erzählt auf eine beeindruckend leichtfüßig Art und Weise die Geschichte eines Mannes, der nicht nur für sich, sondern auch für sein Volk einstehen muss. Der Film ist ein politischer Thriller mit lichten Momenten, die angesichts des sehr ernsten Themas eine willkommene Abwechslung bieten. So schwankt der Film gekonnt zwischen dramaturgischen und humoristischen Ansätzen hin und her, ohne dass diese sich gegenseitig im Wege stehen. Und wer mit einem gewissen historischen Basiswissen (wie auch in meinem Fall) an den Film herangeht, wird sich an der vermeintlich Hollywood-typischen Aufputschung realer Fakten und Figuren nicht stören. So kann man einen rundum interessanten Film genießen, der von der ersten bis zur letzten Minute zu unterhalten weiß.

Gary Oldman als Winston Churchill

Dies ist unter anderem auch dem durchweg hochkarätigen Cast zu verdanken. Ben Mendelsohn (“Rogue One – A Star Wars Story“), Lily James (“Baby Driver”), Kristin Scott Thomas (“Only God Forgives”) und Stephen Dillane (“Game of Thrones”) sind nur einige der namhaften Darsteller in diesem Ränkespiel aus politischen Intrigen und persönlichen Interessen. Wer aber allen die Show stiehlt, ist ohne Zweifel Gary Oldman. Der für die Rolle mit dem Golden Globe ausgezeichnete Schauspieler porträtiert mit einer unvergleichbaren Hingabe den ungehobelten, brachialen, aber auch prinzipientreuen Menschen, ohne dabei die „andere“ Seite des Mannes außer Acht zu lassen – die abseits der Öffentlichkeit und der Augen seiner Feinde und Neider. Das verleiht Oldmans Version des starrköpfigen, verbohrten Hitzkopfes einen durchaus dreidimensionalen und emotionalen Touch.

Szenenbild "Die dunkelste Stunde"

Leider entwickelt der Film vor allem im letzten Drittel einen für Viele zu aufgesetzten, überschwänglichen, recht schmalzigen und teils schon befremdlichen Anflug von Patriotismus (Stichwort: U-Bahn), bei dem man sich ein peinlich berührtes Lächeln kaum verkneifen kann. Gerade diese Momente geben dem sonst so bodenständigen Film einen leicht bitteren Nachgeschmack, was aber angesichts der doch recht ordentlichen Inszenierung zu verkraften ist und dem Film somit im Großen kaum schadet. Vielleicht wäre ein bisschen weniger angebrachter gewesen, da eben solche Szenen nicht recht in das Gesamtkonzept passen. Nichtdestotrotz ist „Die dunkelste Stunde“ ein zweistündiger Ritt in die Vergangenheit, wo jede noch so kleine Entscheidung das Leben Vieler auf einen Schlag verändern kann. Getragen auf den Schultern eines einzigen Mannes.

Fazit: „Die dunkelste Stunde“ ist ein spannendes, teils humorvolles Portrait über einen der wichtigsten Männer des Zweiten Weltkriegs, gespielt von einem überragenden Gary Oldman, der den Oscar als bester Hauptdarsteller mehr als verdient hätte.

Fakten und Bewertung

Originaltitel: Darkest Hour
Land: Großbritannien
Laufzeit: 126 Minuten
Regie: Joe Wright
Drehbuch: Anthony McCarten
Cast: Gary Oldman, Lily James, Ben Mendelsohn, Kristin Scott Thomas, Stephen Dillane, Ronald Pickup u.a.
 
FSK: 6
Kinostart: 18.01.2018

Trailer:

Bildrechte: „Darkest Hour“© Universal Pictures International Germany GmbH

Jörg

Jörg

Autor bei Film und Feder
Hier soll etwas über mich drin stehen. Wo fange ich an? Hi ich bin...ach wisst ihr was? Ich mache es euch ganz einfach.

Filme sind meine Religion, das Kino meine Kirche, Quentin Tarantino mein Messias und die Hollywood Studios mein Mekka. Ohne all dieses bin ich ein Nichts. Ich bin verloren in der Magie des Films. Alles ist real, außer ich lasse es nicht zu.

Wie schon einst Stanley Kubrick sagte:
“A film is – or should be – more like music than like fiction. It should be a progression of moods and feelings. The theme, what’s behind the emotion, the meaning, all that comes later.”
Jörg

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