Call Me by Your Name Titelbild

Review: „Call Me by Your Name“ (2017)

Call Me by Your Name ist der beste Film des Jahres 2017 und nichts Geringeres als die auf Film gebannte „erste Liebe“ mit all ihren Höhen und Tiefen.

Die auf Film gebannte „erste Liebe“

Call Me by Your Name schafft es wie kein anderer Film, den ich je gesehen habe, das gesamte emotionale Spektrum der allerersten Liebe auf den Zuschauer zu übertragen und führt uns, die wir mit den Jahren zynisch und abgeklärt geworden sind, vor, was wir eigentlich alles verpassen, wenn wir uns davor verschließen, jemals wieder das Herz gebrochen zu bekommen. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von André Aciman ist ein durch und durch besonderes Erlebnis!

Elio lernt den älteren und charismatischen Oliver kennen.
Elio lernt den älteren und charismatischen Oliver kennen.

Ein italienischer Sommer

Timothée Chalamet spielt den 17-jährigen Elio, Sohn zweier intellektueller Weltbürger, der im Sommer 1983 den 24-jährigen Oliver (Armie Hammer) kennenlernt, der für sechs Wochen als Forschungsassistent von Elios Archäologen-Vater im Landhaus der Familie einzieht. Die Faszination, die der ältere Oliver auf Elio ausübt, ist von Beginn an spürbar. Scheinbar genervt von dem großen, attraktiven, selbstbewussten Mann, der alle Blicke auf sich zieht und stets von einer Traube Frauen umgeben ist, kann Elio seine Gefühle anfangs allerdings nicht einordnen und reagiert aggressiv und trotzig auf den Eindringling, der ihm mit seinem Charme die Aufmerksamkeit der Eltern und der Mädchen streitig macht.

Was folgt, sind gut zwei Stunden, die einem vor emotionaler Wucht den Atem aus den Lungen pressen, die Schmetterlinge in den Bauch treiben und das ein oder andere Mal einen Kloß im Hals entstehen lassen. Gebettet in die verträumte, hitzeschwere Atmosphäre des italienischen Hochsommers, dürfen wir Zeuge dieser ersten Liebe werden und uns im Gegenzug an unsere eigene erinnert fühlen. Das Tabu, das Elio und Oliver zur Geheimhaltung veranlasst, bricht zwar immer wieder durch, dominiert allerdings nicht den Film. Stattdessen lässt Call Me By Your Name keinen Zweifel daran, dass Liebe kein Geschlecht kennt und besonders dieses allererste Erlebnis im Kern für jeden von uns gleich ist.

Elio am Fenster
Elio durchlebt alle Phasen seiner ersten großen Liebe , wie man sie nur in diesem Alter erleben kann.

Fazit

Der Film, der seit Beginn des Jahres die Runde auf den großen Festivals gemacht hat und völlig zurecht überall mit Lob überhäuft wurde, kommt leider erst im März regulär in die deutschen Kinos. Nichtsdestotrotz sollte man sich Call Me by Your Name definitiv bereits jetzt vormerken.
Dass sowohl der Film an sich als auch die Kamera mit ihren weitwinkligen, ruhigen und verträumten Einstellungen und natürlich der Hauptdarsteller sehr gute Aussichten auf Oscar-Nominierungen oder sogar -Gewinne haben, steht außer Frage. Besonders Chalamet, der den Elio mit seiner ganzen jugendlichen Unbeholfenheit, der Ungeduld und dem unkontrollierbaren Gefühlsüberschwang spielt, ist in diesem Jahr mein absoluter und konkurrenzloser Favorit für den Besten Hauptdarsteller und wird sicher auch in Zukunft noch von sich reden machen. Dass Armie Hammer nicht wirklich wie 24 wirkt, ist ein kleiner Wermutstropfen, aber gut auszublenden, da sein Alter nicht häufig thematisiert wird. Für die knisternde Chemie zwischen den Beiden gebührt großes Lob dem Regisseur Guadagnino, dem Casting Director und natürlich den beiden Darsteller selber.

Elio spielt Klavier für Oliver
Elio beeindruckt Oliver mit einem Stück von Bach.

Am liebsten möchte ich jeden einzelnen Menschen persönlich dazu zwingen, diesen Film zu schauen – so sehr und so nachhaltig hat er mich beeindruckt und bewegt. Nur Pfirsiche werde ich wohl eine Weile lang nicht mehr unbeschwert essen können…

 
Fakten und Bewertung

Originaltitel: Call Me by Your Name
Land: USA, Italien, Frankreich, Brasilien
Laufzeit: 132 Minuten
Regie: Luca Guadagnino
Drehbuch: James Ivory, basierend auf dem Roman von André Aciman
Cast: Timothée Chalamet, Armie Hammer, Michael Stuhlbarg
IMDb: 8,5
FSK: noch nicht bewertet
Release: ab 1.3.2018 im Kino
 Seht hier den Trailer:
Bildrechte: Call Me by Your Name © Sony Pictures Releasing GmbH, GEM Entertainment
Friederike

Friederike

Admin und Autor bei Film und Feder
Warum ich über Filme schreibe? Weil Freude wächst, wenn man sie teilt!
Als jemand, der Filme häufig alleine schaut, fehlte mir oft der Austausch nach dem Abspann - die Diskussion kontroverser oder unklarer Aspekte, die Hoffnung, dass mein Gegenüber meine Lieblingsszene genau so mochte wie ich und manchmal auch nur das schamlose Schwärmen über den Hauptdarsteller. Das Veröffentlichen meiner Gedanken zum Film ermöglicht mir diesen Austausch mit einer großen Anzahl an Menschen, die das Medium ebenso lieben, wie ich.
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