Okja Titelbild

Review: „Okja“ (2017)

In Okja kämpft eine junge Waise gegen die Macht einer weltweit einflussreichen Organisation, um das Leben ihres einzigen Freundes zu retten.

Filmplakat Okja
Netflix‘ Eigenproduktion startet mit einer erfrischenden Mischung aus fantastischen Naturaufnahmen und satirisch-realen Marketingpräsentationen und wird zunehmend auf emotional-brutale Art belastend realistisch.

Mija verbindet eine enge Freundschaft mit „Superschwein“ Okja.

Zehn Jahre lang sollen auserwählte Bauern weltweit eine neue Spezies Nutztier aufziehen, die laut Werbekampagnen der Firma „Mirando“ das Ende der Nahrungsmittelarmut auf der Welt bedeuten soll. Unter diesen Bauern ist die 14jährige Waise Mija (Seo-Hyeon Ahn), die gemeinsam mit ihrem Opa einem der designten Tiere ein Zuhause gibt. Von klein auf wächst Mija mit ihrem „Superschwein“ Okja inmitten einer einsamen idyllischen Berg-Wald-Landschaft in Südkorea auf. Über das Jahrzehnt entsteht eine unvergleichliche Freundschaft, die jeder Hürde widersteht – auch der gewaltsamen Wiederinanspruchnahme durch die gewissenlosen Geschäftsleute von Mirando.

Parallelen

Was sich anfangs anfühlt wie eine abenteuerliche Geschichte der Freundschaft zwischen einem Naivling und einem übergroßen, verdammt gut animierten, knuffigen Nilpferd-Schwein-Hund, stellt sich relativ rasch als eine verspielte, digitalisierte Aufklärungsaktion gegen die Zustände der Fleischindustrie der heutigen Zeit heraus. Um das Ganze zu unterstreichen, leiht die – real existierende – „ALF“ (Animal Liberation Front) doch gerne ihren Namen für die Kämpfer, die sich ganz selbstlos für die süßen und äußerst schlauen Tierchen einsetzen.

Damit die ALF auch wirklich klar als „die Guten“ rüberkommen, lehnen die Mitglieder K (Steven Yeun), Jay (Paul Dano), Blond (Daniel Henshall), Red (Lily Collins) und Silver (Devon Bostick) fast schon religiös jegliche Gewalt ab – ganz im Gegenteil zu Mirandos Schergen.
Der Versuch, das Image der ALF anzukratzen, indem die amerikanisch-koreanische Sprachbarriere zu deren Vorteil ausgenutzt wird, schlägt jedoch durch Nichtaufzeigen der Konsequenzen fehl, wodurch man wiederum das Gefühl hat, die Tierschutzorganisation habe trotz radikaler Aktionen eine mit Perwoll gewaschene blut- und tränenabweisende Weste.

Gefährliche Mission: Mija will Okja aus den Fängen der Mirando-Corporation retten.

Diese Ignoranz bezüglich Konsequenzen findet sich auch bei anderen Charakteren wieder, die für Mirando arbeiten. Mundo Park (Je-Mun Jun) steht für die bedingungslose Firmenloyalität, Dr. Johnny Wilcox (Jake Gyllenhaal) wiederum stellt den Zusammenhang zwischen Konsumgesellschaft und Kapitalismus dar, denn er – selbsternannter Tierliebhaber – muss sich seinem Arbeitgeber unterordnen und somit jegliche Grausamkeiten durchziehen, um die fleisch(fr)essende Gesellschaft zu befriedigen. Was genau mit ihrem Vieh passiert, ist den garstigen Firmenoberhaupt-Zwillingen Lucy und Nancy Mirando, gespielt von Tilda Swinton, ziemlich wumpe – was zählt, sind hübsche und leckere Vorzeigeschweinchen, ein guter Ruf und eine große Zahl auf dem Konto.

Nicht unerwähnt bleiben sollen die schauspielerischen Leistungen, denn jede Figur wurde glaubhaft dargestellt. Ob die herrlich duale Darstellung Tilda Swintons als gegensätzliche, aber beide abgrundtief unsympathische Zwillingsschwestern, ob Jake Gyllenhaal als trotteliger, aber schleimiger Tierfreund, Seo-Hyeon Ahn als naive, aber mutige Heldin oder Paul Dano, der den pazifistischen Tierschützer voller Hingabe mimt…  Jeder Charakter hat in das Geschehen gepasst und einen immer tiefer in die Verstrickungen gerissen, immer weiter Gefühlsachterbahn fahren lassen – Wut, Ekel, Freude, Erleichterung.

Botschaft

Okja ist ein äußerst authentischer Film, der die Konsumgeilheit unserer Gesellschaft durch einen realistischen Handlungsverlauf, inklusive einem voll ausgearbeiteten Marketingkonzept sowie situationsbedingten Vertuschungsplänen, aufdecken und einen zum Nachdenken über die aktuelle Moral anregen möchte.

Dadurch, dass man ziemlich schnell eine emotionale Bindung zu Okja aufbaut, bestaunt, wie schlau sie ist und welches Vertrauen sie in Mija setzt, realisiert man spätestens mit diesem Film, was Massentierhaltung außer günstiger, schneller Bedürfnisbefriedigung noch bedeuten kann.

Fazit:
„Okja“ hinterlässt mich mit einer Wut auf die Dekadenz sowie Ignoranz der Bürger dieser Welt und mit dem damit verbundenen bitteren Nachgeschmack. Wer einen Film sucht, der einen das volle Spektrum an Emotionen durchleben lässt und dabei sein Gehirn nicht vom Weiterdenken und Parallelen aufdecken abhalten möchte, hat mit dieser Netflixproduktion auf jeden Fall viel Spaß – vorausgesetzt, man kann von einem voraussehbar idealisierten Ende absehen.

Fakten und Bewertung

Originaltitel: Okja
Land: Südkorea/USA
Laufzeit: 118 Minuten
Regie: Joon-ho Bong
Drehbuch: Joon-ho Bong, Jon Ronson
Cast: Tilda Swinton, Paul Dano, Seo-Hyun Ahn, Jake Gyllenhaal
IMDb: 7,4
FSK: ab 16 Jahren
Release: Ab 28. Juni 2017 auf Netflix

 

 

 
Bildrechte: „Okja“ © Netflix
Bildquelle: Moviepilot
Co

Co

Autor bei Film und Feder
Aloha, ich bin die Co, 1991 geboren und ich bin bei Film und Feder zuständig für die Spieleverfilmungen.

Angefangen hat meine Game-Movie-Beziehung in meiner frühsten Kindheit mit einem Sams-Kinderspiel "Eine Woche voller Samstage" (MSDOS) und ging fröhlich flockig weiter mit "König der Löwen" (SNES). Bei Beidem fand ich es total toll die Parallelen von Spiel und Film zu sehen und habe heftigst frohlockt, wenn mir ein Detail auffiel, das anderen nicht aufgefallen war.

Diese Detailverliebtheit hat sich mein Leben lang weiterentwickelt - ihr könnt euch also darauf freuen, jedes bisschen Fanservice mit mir aufzudecken!

Ach, und LOREM IPSUM DOLOR SIT AMET!!! <3
Co

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