Review: „Cult of Chucky“ (2017)

Im mittlerweile siebten Teil des Franchise kehrt Chucky zurück auf den Bildschirm und mordet sich munter durch eine Nervenheilanstalt. 

„Cult of Chucky“ setzt genau dort ein, wo der Vorgänger „Curse of Chucky“ endete.  Nica sitzt wegen den angeblichen Morden an ihrer Familie in einer Nervenheilanstalt geistesgestörter Straftäter fest, da ihr kein Mensch glaubt, dass diese Taten von einer Puppe begangen worden sind. Immer wieder versucht sie ihre Unschuld zu beteuern, erfolglos. Die anderen Patienten und der behandelnde Arzt haben ihre Zweifel bezüglich Nicas Aussagen. Als der Doktor jedoch während einer Sitzung mit einer „Good Guy“ Puppe auftaucht und sich anschließend die Todesfälle in der Klinik häufen, besteht kein Zweifel mehr; Chucky ist zurück.

 

Die Teile um „Chucky – Die Mörderpuppe“ gehören ohne Zweifel in die Reihe bekannter Serienkiller-Fanchises wie „Freitag der 13te„, „Nightmare on Elm Street“ oder „Halloween“ und flimmern, besonders am alljährlichen Halloween, immer mal wieder gerne über die Bildschirme. Wenn auch die Filme durchaus einen besonderen Kultstatus genießen, kommt man nicht umher zu sagen, dass diese, durchweg nüchtern betrachtet, alles andere als wirklich angsteinflößend sind. Vor allem die letzten Teile „Bride of Chucky“ und „Seed of Chucky“ bestachen durch eine gehörige Portion Humor, die nicht jedem gefallen hat. Das änderte sich mit „Curse of Chucky„. Der Film war erfrischend düster und spannend gehalten und schaffte es mit Bravour in die Spur zurückzukehren, von der die Filme abgewichen sind. Und genau dieser Linie bleibt sich „Cult of Chucky“ treu.

Don Mancini (Drehbuchautor aller Chucky-Teile sowie Regisseur von „Seed of Chucky“) schafft es mittels einiger sehr innovativer und erfrischender Ideen, die Reihe in eine völlig neue Richtung zu treiben, ohne dabei Erfolg und Konzept des Vorgängers außer Acht zu lassen. Besonders die erste Hälfte des Films lebt von einer undurchschaubaren Erzählstruktur, wodurch man als Zuschauer ganz lange im Dunkeln gelassen wird, was eigentlich vor sich geht. Wie eine Art alter „Miss Marple“ Krimi wird man von einer Szene in die Nächste geführt und immer mal wieder mit einigen Häppchen an Informationen gefüttert, um vielleicht zu erahnen, wie sich die Geschichte noch entwickelt. Leider hält eben jene Struktur nur bedingt lange an und spätestens ab dem zweiten Drittel des Films stellt sich schnell die gewohnte Routine ein. Hat man erst einmal das Geheimnis gelüftet, weshalb alles ist, wie es ist, bringt „Cult of Chucky“ keine wirklich neuen Ideen mehr zustande. Was an sich durchaus sehr schade ist, da sich gerade die erste Hälfte von den handelsüblichen Slasher-Klischees abhebt, welche sich dann im Verlauf des Filmes immer mehr bemerkbar machen und einige gravierende Schnitzer in der Geschichte mit sich ziehen.

Warum der Film trotz alledem nicht in einer Katastrophe endet, ist vor allem zwei Dingen zu verdanken. Zum einen wegen der erneut hervorragenden Leistung von Fiona Dourif, welche wieder ihre Rolle als Nica einnimmt und es schafft, der Figur einen gewissen Grad an Charaktertiefe zu verleihen sowie dem Auftritt von Alex Vincent, der vor allem Fans der ersten Teile nur allzu bekannt vorkommen sollte. Vincent hatte zwar schon in „Curse of Chucky“ einen kurzen Gastauftritt, jedoch diente dieser lediglich als eine Art Cliffhanger. Hier ist seine Rolle zwar etwas größer ausgefallen, fällt aber auch nicht weiter aus dem Rahmen, was durchaus traurig ist, da man sicher mehr über seinen Werdegang nach Teil 2 erfahren hätte. Ebenso hat Jennifer Tilly ein kurzes Stelldichein, welches aber, glücklicherweise, nicht groß erwähnenswert ist. Wie auch bei der Auswahl des übrigen Figurenensemble. Klischeebedingte Randerscheinungen, die mal mehr, mal weniger interessant sind. Und natürlich wäre da noch Brad Dourif, der erneut der Killerpuppe Chucky seine Stimme leiht. Gewohnt routiniert spult Dourif seinen Text herunter, poltert hier und da mal einen Oneliner von der Kante und sorgt damit immerhin für den einen oder anderen Lacher. Nichts Außergewöhnliches, aber zumindest unterhaltsam.

Als zweiten positiven Punkt sei noch die Wahl des Settings zu erwähnen. Eine Nervenheilanstalt für geistesgestörte Straftäter als zentralen Angelpunkt zu wählen, ist zweifellos eine interessante Sache. Irgendwie passend für einen Film wie „Cult of Chucky„. Man bekommt ein Gefühl von Isolation in Anbetracht des Setdesigns. Nicht nur, weil das Gebäude mit einem stacheldrahtgekrönten Zaun umgeben ist und die Anstalt einen hauseigenen Friedhof besitzt, welchen den Anschein von Traurigkeit und Endgültigkeit vermittelt, sondern weil ebenso im Hause selbst die Farben weiß/grau dominieren, was wieder alles andere als freundlich erscheint. Irgendwie steril. Das bildet alsbald im Laufe des Films einen wunderschönen Kontrast zum dunkelroten Lebenssaft, der sich genussvoll und in bester Slasher-Tradition auf dem Boden verteilt. Das hat schon teilweise etwas künstlerisch anmutendes an sich.

Zum Schluss noch ein kurzes Wort zum Härtegrad des Films. „Cult of Chucky“ wurde von der FSK mit dem Siegel „FSK 16“ versehen, was an sich durchaus angemessen ist. Zwar gibt es, besonders im letzten Drittel vereinzelte Gewaltspitzen, diese halten sich aber im Rahmen des Erträglichen. Gorehounds werden vielleicht verächtlich mit der Nase rümpfen, da der Film aber mehr von Spannung und Stimmung lebt, als von Blut und Gedärme ist die Freigabe mehr als berechtigt.

Fazit: „Cult of Chucky“ ist ein guter Film mit bemühten Darstellern, einem interessanten Setdesign und einer spannenden, sowie einfallsreichen Story, der jedoch spätestens ab der Hälfte die Puste ausgeht. Fans der Reihe werden aber trotzdem ihren Spaß haben, denn besser als Don Mancinis letzte Regiearbeit „Seed of Chucky“ ist dieser Teil allemal.

Fakten und Bewertung

Originaltitel: Cult Of Chucky
Land: USA
Laufzeit: 91 Minuten
Regie: Don Mancini
Drehbuch: Don Mancini
Cast: Brad Dourif, Fionoa Dourif, Jennifer Tilly, Alex Vincent, Michael Therriault, Adam Hurting u.a.
FSK: 16
Direct-To-Dvd Release: 09.11.2017

Bildrechte: „Cult Of Chucky“  © Universal Pictures

Jörg

Jörg

Autor bei Film und Feder
Hier soll etwas über mich drin stehen. Wo fange ich an? Hi ich bin...ach wisst ihr was? Ich mache es euch ganz einfach.

Filme sind meine Religion, das Kino meine Kirche, Quentin Tarantino mein Messias und die Hollywood Studios mein Mekka. Ohne all dieses bin ich ein Nichts. Ich bin verloren in der Magie des Films. Alles ist real, außer ich lasse es nicht zu.

Wie schon einst Stanley Kubrick sagte:
“A film is – or should be – more like music than like fiction. It should be a progression of moods and feelings. The theme, what’s behind the emotion, the meaning, all that comes later.”
Jörg

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