Review: „IT“ (2017)

Stephen Kings Erfolgsroman „IT“ erhält eine weitere Verfilmung, und dieses Mal treibt Bill Skarsgård als diabolischer Clown Pennywise sein blutiges Unwesen. 

 

Im Sommer 1989 verschwinden in der Kleinstadt Derry in Maine immer wieder Kinder spurlos auf unerklärliche Weise. Ein Sommer voller Misstrauen und Angst, aber auch der Freundschaft und der Liebe. In diesem Jahr freunden sich die sechs Jungen Bill Denbrough, Richie Tozier, Eddie Kaspbrak, Ben Hanscom, Stanley Uris, Mike Hanlon sowie das Mädchen Beverly Marsh miteinander an und bilden den „Loser-Club“. Während die Freunde sich zunächst mit alltäglichen Problemen wie Pubertät, Mobbing und Problemen in der Familie herumschlagen, häufen sich ihre Begegnungen mit einem diabolischen Clown namens Pennywise, der etwas mit dem Verschwinden der Kinder in Derry zu tun hat. Irgendwann kann die Gruppe nicht mehr tatenlos zuschauen und beschließt, zurückzuschlagen.

Stephen Kings Roman „IT“ zählt bis heute zu seinen weltweit erfolgreichsten Werken und erhielt bereits 1990 eine, aufgrund einer Länge von ungefähr 1900 Seiten, zweiteilige TV-Adaption, welche sich vor allem bei Nostalgikern noch immer großer Beliebtheit erfreut – auch, wenn diese, gelinde ausgedrückt, dem Erfolgsroman des Horrormeisters nicht einmal im Ansatz gerecht wird. Glücklicherweise erweist sich der zweite Versuch, den Stoff auf die Leinwand zu zaubern, nicht als erneuter Fehlschlag und so kann man mit besten Gewissen behaupten, dass das Team um Regisseur Andrés Muschietti („Mama“) der Vorlage mehr als gerecht wird!

 

Von den 50ern nun in die 80er Jahre verfrachtet, bietet dieser erste von zwei geplanten Teilen mehr als nur eine Änderung des Romans. Diese stellen sich, trotz anfänglicher Bedenken, im Nachhinein aber als nicht so schlimm wie befürchtet heraus. Springt der Erzählstrang im Buch immer wieder hin und her und schildert abwechselnd die Geschichte der Freunde, die gegen den dämonischen Clown Pennywise antreten – mal als Kinder, mal als Erwachsene –, so entschied man sich hier, diesen Aspekt restlos zu streichen und sich voll und ganz auf Kinder zu konzentrieren, ohne „die Erfahrung durch zeitliche Sprünge oder Rückblenden zu vergiften“. Das wirkt auf den ersten Blick vielleicht etwas glatt gebügelt, da vor allem die Rückblenden eine der Stärken der Vorlage sind, doch dadurch kann man sich  gänzlich auf das Geschehen konzentrieren, ohne immer wieder aus der Bahn geworfen zu werden. Das macht „IT“ letztendlich zu einem routiniert erzählten Horrorfilm für das handelsübliche Mainstreampublikum, der trotz alledem hervorragend funktioniert. So kocht die Neuverfilmung in puncto Horror-Elementen eben auch nur mit Wasser, schafft es aber neben allerlei klischeebeladener Jump-Scares, sowie vielen CGI-überfrachteten Schreckmomenten (die alles andere als furchterregend sind) durchaus, mit einer schaurig-schönen Atmosphäre zu begeistern, die sich durch den gesamten Film zieht. Dies ist unter anderem der tollen Arbeit von Kameramann Chung-hoon Chung („Durst“) sowie dem Komponisten Benjamin Wallfish („A Cure For Wellness“) zu verdanken, die es schaffen, einem immer mal wieder eine Gänsehaut zu verpassen und die Hände reiben zu lassen.

Doch der größte Pluspunkt von „IT“ und zeitgleich zentrale Fokus des Films ist die Gruppe des „Loser-Club“. Glücklicherweise haben die Autoren Chase Palmer („Biopunk“), Cary Fukunuga („True Detective“) und Gary Dauberman („Annabelle“) genau verstanden, worum es in Stephen Kings Meisterwerk vorrangig geht: um eine Clique von Freunden mit alltäglichen Problemen und Ängsten, aber auch Hoffnungen und Gefühlen. Die Chemie zwischen den einzelnen Charakteren ist großartig und man hat weniger das Gefühl, mit fiktiven Figuren, als mit tatsächlichen Menschen konfrontiert zu werden, mit denen man sich identifizieren kann und die seit mindestens „Stand by Me“ nie glaubhafter auf der Leinwand zu sehen waren. Das liegt unter anderem am wundervollen Cast aus extrem sympatischen sowie überraschend witzigen Jungddarstellern, wie beispielsweise Jaeden Lieberher („Midnight Special“), Finn Wolfhard („Stranger Things“) oder Sophia Lillis („37“), die sich durchaus mit dem sehr talentierten Bill Skårsgard („Hemlock Grove“) messen können. Der tritt in der Neuverfilmung nicht nur in die Fußstapfen von Tim Curry, sondern weit aus diesen heraus! War Currys Darstellung in weiten Teilen mehr komödiantisch-gruselig, wirkt Skarsgårds Version des sadistischen, diabolischen Monsters durchweg düster-bedrohlich, was auch dem reduziertem, aber gut platzierten Einsatz zugute gehalten werden muss. Manchmal ist weniger eben mehr!

Fazit: „Stranger Things“ trifft auf „Stand By Me“. Andrés Muschiettis „IT“ ist ein unterhaltsames, witziges, schaurig-schönes Coming-Of-Age Drama mit Horroranleihen und kann, trotz einiger Fehler und Ungereimtheiten, als eine der besseren King-Verfilmungen angesehen werden. 

 

Fakten und Bewertung

Originaltitel: IT
Land: USA
Laufzeit: 135 Minuten
Regie: Andrés Muschietti
Drehbuch: Chase Palmer, Cary Fukunaga, Gary Dauberman
Cast: Bill Skarsgård, Jaeden Lieberher, Finn Wolfhard, Sophia Lillies, Wyatt Oleff, Jeremy Ray Taylor, Chosen Jacobs, Jack Dylan Grazer u.a.
FSK: 16
Release: 28.09.2017

Bildrechte@ „IT“ © Warner Bros. Entertainment

Jörg

Jörg

Autor bei Film und Feder
Hier soll etwas über mich drin stehen. Wo fange ich an? Hi ich bin...ach wisst ihr was? Ich mache es euch ganz einfach.

Filme sind meine Religion, das Kino meine Kirche, Quentin Tarantino mein Messias und die Hollywood Studios mein Mekka. Ohne all dieses bin ich ein Nichts. Ich bin verloren in der Magie des Films. Alles ist real, außer ich lasse es nicht zu.

Wie schon einst Stanley Kubrick sagte:
“A film is – or should be – more like music than like fiction. It should be a progression of moods and feelings. The theme, what’s behind the emotion, the meaning, all that comes later.”
Jörg

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