Serien-Review: „Club der roten Bänder“ (2015-2017)

Sechs Jugendliche, die unterschiedlicher nicht sein könnten, müssen aus unterschiedlichen Gründen längere Zeit im Krankenhaus verbringen. Sie beschließen, Höhen und Tiefen gemeinsam durchzustehen und gründen eine eingeschworene Gemeinschaft – den titelgebenden Club der roten Bänder.

Öde TV-Landschaft in Deutschland? Nicht in diesem Fall

Das deutsche Fernsehen produziert seit geraumer Zeit scheinbar nur noch Casting- und Kochshows oder minderwertige Dokusoaps, und selbst sehr gute Serien – beispielsweise aus den USA – haben kaum eine Chance und floppen. Soweit der allgemeine Tenor – doch ab und zu traut ein Sender sich mal etwas und hievt eine neue Eigenproduktion in das Programm. So geschehen mit dem Club der roten Bänder, einer Eigenproduktion des RTL-Schwestersenders VOX. Von der deutschen Adaption der katalanischen Serie Polseres vermelles, die auf wahren Begebenheiten beruht, gibt es insgesamt drei Staffeln. So traurig das Ende einer Serie immer ist – es ist begrüßenswert, dass die Serie nicht endlos in die Länge gezogen wird, bis ihr die Luft ausgeht und sie nur noch ein blasses Abbild ihrer selbst ist.

Lachen, weinen, lachen, weinen

Als Zuschauer durchlebt man in der Serie ein Wechselbad der Gefühle, denn sie spielt extrem mit den Empfindungen – von brüllend komischen oder herzerwärmenden Momenten bis zum Mitweinen ist alles dabei. Auch gibt es einen schönen mystisch-philosophischen Aspekt: Wenn beispielsweise Hugo, der im Koma liegt, dauerhaft mit dem Asperger-Autisten Toni kommunizieren kann (sie funken auf einer Frequenz, wie es so schön ausgedrückt wird) oder wenn eins der anderen Kinder in den Nahtodbereich gelangt. Ja – mitunter schrammt die Serie haarscharf am Kitsch vorbei und es gibt klischeebehaftete Momente, aber das Maß ist erträglich. Vor allem deswegen, weil wirklich schöne Geschichten erzählt werden – sei es die jeweilige Hauptstory oder die zahlreichen Nebenschauplätze – und diese Geschichten berühren einfach, ob man will oder nicht! Hier geht es natürlich oft um die jeweiligen Krankheiten, aber auch um das familiäre Umfeld bzw. den Freundeskreis der Protagonisten. Besonders in der dritten Staffel zieht die Dramatik noch einmal deutlich an, und zwar so stark, dass man sich ein paar mehr locker-leichte Momente wünscht, die in den vorherigen Staffeln viel häufiger vertreten waren. Andererseits lässt die Handlung das auch nur noch im begrenzten Rahmen zu.

Fazit

Die Serie spricht ein breites Publikum an, weil sich fast jeder Zuschauer mit einem der Darsteller identifizieren kann, denn so ziemlich jeder hatte schon einmal einen Angehörigen für längere Zeit im Krankenhaus oder war selbst betroffen – und jeder war mal ein Teenager. Doch was hat es mit den roten Bändern auf sich? Nun, ganz einfach: Die Bänder bekommen Patienten in diesem Krankenhaus, wenn sie operiert werden.

Insgesamt ergibt die Handlung der drei Staffeln ein rundes Bild der Geschichte. Auf Stilwechsel oder ähnliches wurde verzichtet, sodass man sich in jeder Staffel wieder direkt wie „zuhause bei alten Bekannten“ fühlt.

Die junge Schauspielerriege (von 14 bis 28 Jahre) harmoniert sehr gut miteinander. Man könnte allerdings bemängeln, dass das schauspielerische Talent nicht gleichmäßig verteilt ist – ich nenne hier mal Damian Hardung als Jonas und Timur Bartels als Alex, deren Leistung etwas hinter denen der anderen Darsteller steht.

Es ist ein Kinofilm geplant, in dem alle Schauspieler der Serie wieder mit an Bord sind. Die Handlung soll sich um die Zeit drehen, bevor die erste Staffel beginnt. Wir werden zu gegebener Zeit darüber berichten.

Fakten und Bewertung

Originaltitel: Club der roten Bänder
Land: Deutschland
Laufzeit: Minuten
Regie: Sabine Bernardi, Felix Binder
Drehbuch: Arne Nolting, Jan Martin Scharf
Cast: Tim Oliver Schultz, Damian Hardung, Luise Befort, Ivo Kortlang
IMDb: 8,0
FSK: ab Jahren
Release: Erhältlich als DVD und als VoD
 Seht hier den Trailer:
Bildrechte: Club der roten Bänder © VOX
Andreas

Andreas

Autor bei Film und Feder
Mein Name ist Andreas Lehmler und Filme beschäftigen mich schon fast mein ganzes Leben. Mit all den Filmverrückten hier denke ich, dass wir euch das Medium Film auch mal von ungewohnten Seiten näherbringen können.
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