Filmplakat Atomic Blonde

Review: „Atomic Blonde“ (2017)

Kippen, Killer, Kalter Krieg – in Atomic Blonde zeigt Charlize Theron den Jungs, wo der Hammer hängt!

Traue niemandem!

Berlin im Herbst 1989, kurz vor dem Mauerfall: Während in der Bevölkerung die Aufbruchstimmung immer spürbarer wird, tragen hinter den Kulissen die Geheimagenten diverser Nationen den Kalten Krieg weiter aus. Mitten ins Kreuzfeuer gerät die britische MI6-Agentin Lorraine (Charlize Theron), die den Mord an einem anderen Agenten aufklären und eine brisante Liste zurückbeschaffen soll, auf der die Identitäten diverser Doppelagenten aufgeführt sind. Ihr Kontakt in Berlin ist der zwielichtige Agent David Percival, der zwar offiziell auf Seiten der Engländer steht, sich allerdings in den Jahren seiner Berliner Stationierung dort ein bequemes Leben jenseits der Gesetze eingerichtet hat und mit Schmuggelware aus dem Westen handelt. Wem kann Lorraine trauen? Dem eigenen Team? Dem CIA? Oder der französischen Agentin Delphine (Sofia Boutella)?

Charlize Theron und Sofia Boutella in Atomic Blonde
Die französische Agentin Delphine nimmt Kontakt zu Lorraine auf – doch aus welchen Motiven?

Sinnlose Klopperei oder spannender Thriller?

Atomic Blonde basiert auf dem Graphic Novel „The Coldest City“ von Antony Johnston und entstand als Kollaboration zwischen Drehbuchautor Kurt Johnstad (300, 300: Rise of an Empire) und Regisseur David Leitch, der bereits bei John Wick mit hinter dem Steuer saß und sein Stunt-Handwerk versteht. Dementsprechend temporeich und brutal kommt die Geschichte um die knallharte Lorraine daher, und vieles erinnert stilistisch und auch optisch ungemein an Keanu Reeves‘ Actionkracher sowie dessen Fortsetzung.

Gepaart mit dem zahlreiche Hits der 80er enthaltenden Soundtrack ergötzt sich der Film allerdings, besonders in der ersten Hälfte, sehr an seiner eigenen Coolness und findet trotz diverser Kampfszenen und der immer wieder an Therons Schenkeln und Ausschnitt entlanglechzenden Kamera anfangs nicht so ganz sein Tempo. Harsche Schnitte, abrupte Zeitsprünge und die Tatsache, dass die langbeinige Schönheit Lorraine in ihren extravaganten Outfits im grauen Berlin auffällt wie ein bunter Hund, haben dazu geführt, dass ich eine ganze Weile gebraucht habe, um in den Film einzutauchen.

Im letzten Drittel allerdings nimmt Atomic Blonde plötzlich enorm an Fahrt auf und wandelt sich vom James-Bond-Spielchen in einen knallharten Spionagethriller, der ab einer hammerharten Kampfszene bis zum Ende die Zuschauer zu fesseln weiß. Dass der Film das Ruder noch einmal so herumreißen konnte, hat meine Wertung letztendlich auch sehr positiv beeinflusst.

James McAvoy in Atomic Blonde
Spielt Lorraines Kollege David Percival mit offenen Karten?

Darsteller

Charlize Theron betonte im Zuge ihrer Promo-Tour zur Bewerbung von Atomic Blonde immer wieder das harte Training, mit dem sie sich auf die zahlreichen Kampfszenen vorbereitet hatte. Man merkt ihr den Spaß, den sie dabei hatte, wirklich an – und trotz der oft natürlich überzogenen Darstellung wirken die Szenen größtenteils erstaunlich realistisch. Wenn zwei Gegner sich im Kampf gegenseitig so übel vermöbelt haben, dass beide sich kaum noch auf den Beinen halten können, gewinnt derjenige, der zuerst sein Gleichgewicht und seinen Atem wiederfindet.

James McAvoy spielt die Rolle des stets auf seinen eigenen Vorteil bedachten David Percival mit einer arschlöchigen Wonne, die an seine Darstellung in Drecksau erinnert. Sofia Boutella bekommt als französische Agentin Delphine Lasalle leider nicht viel mehr zu tun, als „Bond Girl“ zu sein. Schade – da sie unter anderem in Star Trek: Beyond, Kingsman: The Secret Service und zuletzt in The Mummy unter Beweis stellen konnte, dass sie für actionreiche Rollen sehr gut geeignet ist!

In weiteren Nebenrollen sind John Goodman als CIA-Agent Kurzfeld, Toby Jones als Lorraines Chef Gray und Eddie Marsan als Stasi-Kontakt „Spyglass“ zu sehen.

Kampfszene in Atomic Blonde
Kann gut austeilen: Lorraine im Nahkampf mit russischen Killern

Fazit

Die Kampfszenen in Atomic Blonde sind super inszeniert, das Szenenbild bietet spannende Abwechslung zwischen dem grauen, geteilten Berlin der späten 80er und neongrellen, stylischen Clubs, und der Soundtrack macht wirklich Spaß. Dennoch hat der Film mich nicht so begeistert, wie es John Wick getan hat, mit dem man Atomic Blonde unweigerlich immer wieder vergleicht. Schade, dass der Film die spannende Story so richtig erst zum Ende hin findet – so hätte ich ihn mir von Anfang an gewünscht. Allerdings ist Atomic Blonde auf jeden Fall unterhaltsam und keinesfalls eine schlechte Wahl für einen Kinoabend; auch, wenn er sein Potenzial nicht voll ausnutzt!
 
Fakten und Bewertung

Originaltitel: Atomic Blonde
Land: USA
Laufzeit: 115 Minuten
Regie: David Leitch
Drehbuch: Kurt Johnstad
Cast: Charlize Theron, James McAvoy, Sofia Boutella
IMDb: 7,1
FSK: ab 16 Jahren
Release: ab 24.8.2017 im Kino
 Seht hier den Trailer:
Bildrechte: Atomic Blonde © Universal Pictures International Germany GmbH
Friederike

Friederike

Admin und Autor bei Film und Feder
Warum ich über Filme schreibe? Weil Freude wächst, wenn man sie teilt!
Als jemand, der Filme häufig alleine schaut, fehlte mir oft der Austausch nach dem Abspann - die Diskussion kontroverser oder unklarer Aspekte, die Hoffnung, dass mein Gegenüber meine Lieblingsszene genau so mochte wie ich und manchmal auch nur das schamlose Schwärmen über den Hauptdarsteller. Das Veröffentlichen meiner Gedanken zum Film ermöglicht mir diesen Austausch mit einer großen Anzahl an Menschen, die das Medium ebenso lieben, wie ich.
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