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Filmmusik Top 10: Pop- und Rockmusik im Film

Von klassischen Klängen im ersten Teil unserer Filmmusik-Reihe zu moderneren Sounds: Hier ist die Top 10 der besten Filmszenen mit Pop- oder Rockmusik!


Dass sich Filmemacher bekannter oder auch obskurer Pop- und Rocksongs bedienen, um eine Szene oder gleich ihren ganzen Film zu untermalen, ist nichts Neues. Manchmal vermittelt eben dieses eine Lied oder jene spezielle Mischung genau die Atmosphäre, die man rüberbringen möchte. Vielleicht hat der Regisseur auch schon einen konkreten Song im Ohr und schreibt seine Schlüsselszene passend um ihn herum.

Wie schon im ersten Teil, betrete ich auch mit dieser Liste kein thematisches Neuland. Top-Listen mit Filmsongs findet man im Netz wie Sand am Meer – und leider enthalten sie oft die selben Lieder in nur leicht variierender Reihenfolge. ABER NICHT MIT MIR! Die bekannten Szenen, wie etwa das grandiose Finale von Fight Club oder Wayne’s Worlds berühmte „Bohemian Rhapsody“-Szene, haben natürlich ihre Berechtigung auf den jeweiligen Listen, weil sie schlicht und ergreifend gut sind! Allerdings habe ich auch dieses Mal versucht, auf die allzu offensichtlichen Kandidaten zu verzichten – in der Hoffnung, Euch an der ein oder anderen Stelle überraschen und auf einen Euch bisher unbekannten Film aufmerksam machen zu können. Ein paar Klassiker finden sich dennoch auf dieser Liste; diese Szenen waren einfach zu gut, um sie nicht zu verwenden!

Da hier Filmausschnitte gezeigt werden, die durchaus wichtige Passagen eines Films darstellen können, gilt ab hier ein dicker, fetter SPOILER-ALARM!


10) High Fidelity – Walking on Sunshine (Katrina and the Waves)

Niemand leidet schöner als John Cusack! Und in keinem seiner Filme tut er dies hingebungsvoller als in High Fidelity, der 2000er-Verfilmung von Nick Hornbys großartigem Popkultur-Roman (wer den noch nicht gelesen hat – nachholen!). Rob (Cusack) wurde gerade von seiner Freundin verlassen, und sein Liebeskummer ist unermesslich. Der Eigentümer eines eher mäßig laufenden Plattenladens ist Musikliebhaber mit Leib und Seele und hat gleichzeitig ein Faible für Listen, weshalb er die Trennung zum Anlass nimmt, die TOP 5 seiner schmerzhaftesten Beziehungsenden noch einmal Revue passieren zu lassen und zu erforschen, was eigentlich immer schief gegangen ist. Am Morgen direkt nach der Trennung jedoch steckt Rob noch mitten in der Schlussmach-Depression und will eigentlich nur seine Ruhe haben. Leider hat er die Rechnung ohne Barry (Jack Black) gemacht, der mit seinem perfekten Montagmorgen-Mixtape Stimmung in die Bude bringen will. Wie ein pummeliger Tornado auf Koks tobt Barry zum Gute-Laune-Kracher „Walking on Sunshine“ durch den Laden und treibt Rob zur Weißglut…

Ganz egal, wie schlecht gelaunt ich sein mag – diese Szene bringt mich jedes Mal zum Lachen!

9) Dawn of the Dead – The Man Comes Around (Johnny Cash)

Zack Snyders Remake des George A. Romero-Kultfilms von 1978 braucht sich hinter dem Original keinesfalls zu verstecken. Verglichen mit dem Klassiker ist die Version aus dem Jahr 2004 düsterer und brutaler, und während die Untoten im Original noch ominös und unheilvoll voranschleichen, sind sie im Remake auf einmal verdammt schnell und wirken dadurch sehr viel bedrohlicher.
Die Story des Films ist schnell erzählt: Ein unkontrollierbarer Erreger verbreitet sich rapide und lässt die Infizierten zu fleischfressenden Zombies mutieren. Einige Überlebende retten sich in ein Einkaufszentrum, in dem sie sich verschanzen und auf eine Rettung hoffen, die immer unwahrscheinlicher wird. Gleichzeitig wächst das Misstrauen untereinander – ist einer der Eingeschlossenen etwa schon infiziert?

Der Vorspann zeigt schockierende Nachrichtenbilder von rund um den Globus; offenbar hat der Erreger innerhalb kürzester Zeit bereits den Großteil der Erdbevölkerung dahingerafft. Unterlegt werden die wackeligen Filmsequenzen von einem der letzten Songs, die Johnny Cash vor seinem Tod schrieb: „The Man Comes Around“. Passenderweise geht es im Song um das Jüngste Gericht. Wer nicht auf den Text achtet, könnte das Lied aber auch durchaus für eine optimistischere Nummer halten, da sie sehr melodisch klingt. Durch diesen akustischen Kontrast passt der Song perfekt zum grausigen Vorspann und versetzt den Zuschauer in die richtige, apokalyptische Stimmung für den Horror, der ihn in den nächsten anderthalb Stunden erwartet.

8) Bridget Jones’s Diary – All by myself (Jamie O’Neal)

Ladies, wir waren alle schon einmal an diesem Punkt.

Die Verfilmung von Helen Fieldings brüllend komischen Erfolgsroman, die im Jahr 2001 das Licht der Welt erblickte und seitdem noch zwei Fortsetzungen nach sich zog, hat mittlerweile Kultstatus erreicht. Bridget (Renée Zellweger) hat die „magische 30“ überschritten und beklagt sich über den Umstand, dass sich der Mann ihres Lebens bisher noch nicht dort befindet, wo er hingehört: an ihrer Seite. Während sie ihrem Chef und Büro-Casanova Daniel Cleaver (Hugh Grant) hinterherlechzt, tritt gleichzeitig Marc Darcy (könnte in diesem Film nicht englischer sein: Colin Firth) in ihr Leben, was die Dinge nicht einfacher macht.
Letzterer hinterlässt allerdings zuerst einmal den denkbar schlechtesten ersten Eindruck, als er auf der Neujahrparty bei Bridgets Eltern über sie lästert, sie „rauche wie ein Schlot, trinke wie ein Fisch und ziehe sich an wie ihre Mutter“. Autsch – der hat gesessen. Bridget ist überzeugt: Sie wird „fett und einsam sterben“ und drei Wochen später gefunden werden, nachdem wilde Hunde sie halb aufgefressen haben. Also ab aufs Sofa, her mit der verlässlichen Flasche Rotwein und den Power-Balladen und auf geht’s in eine der nachvollziehbarsten Selbstmitleids-Orgien, die je auf der Leinwand festgehalten wurden!

7) Watchmen – The Times They Are a-Changin‘ (Bob Dylan)

Wieder ein Filmvorspann, wieder Zack Snyder – diesmal mit seiner Verfilmung des Graphic Novels Watchmen. Bevor Snyder seine Chance bekam, hatte schon so ziemlich jeder in Hollywood seine Finger an dem von Autor Alan Moore als unverfilmbar deklarierten Stoff gehabt: Unter anderem Terry Gilliam, Darren Aronofsky und auch Paul Greengrass waren zum ein oder anderen Zeitpunkt mit dem Projekt verknüpft, scheiterten aber an der Finanzierung, Problemen mit dem Studio oder Terminüberschneidungen. Was Snyder letztendlich schuf, ist eine Comicverfilmung, die sich allein schon durch ihre expliziten Gewaltdarstellungen von der Masse der Filme abhebt, die in den allermeisten Fällen auf ein deutlich jüngeres Publikum zugeschnitten sind.
Wer Snyders Filme kennt, der weiß, dass man sich stets auf eine opulente optische Umsetzung verlassen kann – oft wurde allerdings bemängelt, dass die grandiose Optik scheinbar den Zweck hat, die Schwächen in den jeweiligen Drehüchern zu kaschieren. Auch Watchmen wurde nicht von allen Kritikern mit Lob überhäuft und fuhr, vermutlich auch mangels Bekanntheitsgrad der Comicvorlage, zwar kein schlechtes, aber auch kein überragendes Ergebnis an den Kinokassen ein. Roger Ebert, bis zu seinem Tod im Jahr 2013 jahrzehntelang Amerikas „Chefkritiker“, war allerdings begeistert von der düsteren Darstellung, den überwältigenden visuellen Eindrücken und den ausgefeilten Charakteren und freute sich bereits in seiner Kritik darauf, den Film noch einmal zu sehen.

Einen kleinen Eindruck davon vermittelt der Vorspann von Watchmen: Zu den Klängen von Bob Dylans Klassiker „The Times They Are a-Changin'“ werden die Zuschauer in die Hintergrundgeschichte der Watchmen und ihrer Vorgänger, der Minutemen, eingeführt. Die eigentliche Handlung des Films spielt in einer alternativen Gegenwart in den USA der 80er Jahre. Nixon ist immer noch Präsident und die Russen sind eine stets präsente nukleare Bedrohung. Während die Öffentlichkeit einst die Helden in den bunten Verkleidungen liebte, ist die Stimmung mittlerweile in Argwohn und sogar offene Gewalt umgeschlagen, und immer öfter wird die Frage gestellt: „Who watches the Watchmen?“

Alan Moore übrigens lehnte von Anfang an jegliche Unterstützung für die Verfilmung ab und hat ihn bis heute nicht gesehen – sein Verlust!

6) Seeking a Friend for the End of the World – The Air That I Breathe (The Hollies)

Was wäre Eure Reaktion auf die Nachricht, dass ein Asteroid unaufhaltsam auf die Erde zusteuert und das gesamte Leben auf unserem Planeten in genau drei Wochen auslöschen wird? Dieser Frage geht die Tragikomödie Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt nach.

Für Dodges Ehefrau Linda ist der Fall klar: Sie verlässt wortlos das gemeinsame Auto und verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Dodge (großartig: Steve Carrell) wiederum kehrt nach Hause zurück und hat anfangs gar nicht vor, sein Leben zu verändern. Während die Menschen um ihn herum auf die kommende Apokalypse mit Selbstmord, Plünderungen oder auch gewissensbefreiten Sex- und Drogeneskapaden reagieren, geht er am nächsten Tag brav ins Büro. Erst, als er die junge Penny (Keira Knightley) kennenlernt, die ihm nicht nur einen Brief seiner Jugendliebe übermittelt, sondern zudem am Boden zerstört ist, weil sie keine Möglichkeit mehr hat, zu ihren Eltern nach England zurückzukehren, regt sich etwas in Dodge: Im Austausch für die Hilfe beim Auffinden seiner Jugendliebe will er ihr einen Heimflug organisieren, damit sie die letzten Tage auf Erden mit ihrer Familie verbringen kann. Während des darauf folgenden Roadtrips kommen die beiden sich näher. Dodge jedoch will sein Versprechen halten, und die beiden suchen seinen Vater (Martin Sheen) auf, zu dem er zwar seit 25 Jahren keinen Kontakt mehr hatte, von dem er aber weiß, dass er ein Flugzeug besitzt. Die drei verbringen einen emotionalen Abend miteinander, und nachdem Penny eingeschlafen ist, tut Dodge das einzig Richtige.

Dieser wunderbare Film wurde leider weder in den USA noch hierzulande wirklich beachtet, was eine Schande ist. In der einen Minute zum Totlachen, in der nächsten zum Rotz und Wasser Heulen – wer derartige Filmerlebnisse zu schätzen weiß, ist hier goldrichtig! Steve Carrells warmherzige Darstellung zeigt einmal mehr, dass ihm auch Rollen abseits des Slapstick unheimlich gut stehen.

5) Shaun of the Dead – Don’t Stop Me Now (Queen)

Von Dawn of the Dead zu Shaun of the Dead – Edgar Wrights liebevoller Hommage an und Persiflage auf die berühmten Zombiefilme von George A. Romero und der erste Teil der kultigen „Cornetto-Trilogie“ (samt Hot Fuzz und The World’s End).

Shaun (Simon Pegg) ist kein besonderer Typ: Er arbeitet in einem Elektrofachgeschäft, hängt gerne mit seinem besten Freund Ed (Nick Frost) im „Winchester“-Pub rum und nervt zusammen mit ihm den gemeinsamen Mitbewohner Pete mit nächtlichen Musikeinlagen. Seine Freundin Liz hat die Schnauze voll davon, ständig nur die zweite Geige im Leben ihres minder ambitionierten Freundes zu spielen und gibt ihm den Laufpass. Als wäre das nicht schon frustrierend genug, bricht am nächsten Tag auch noch die Zombie-Apokalypse aus! Shaun und Ed schmieden einen wasserdichten Plan: Liz retten und sie somit zurückgewinnen, Shauns Mutter retten und nebenbei den ungeliebten Stiefvater Philip loswerden und dann ab ins Winchester und die Sache bei einem kühlen Bierchen aussitzen! Dumm nur, dass sie die Situation etwas unterschätzt haben…

Im Pub wandelt sich die Stimmung schnell von Sicherheit zu einem Belagerungszustand und eskaliert, als Ed gedankenlos (wie immer) den Spielautomaten anschmeißt und mit den lauten Soundeffekten ihr Versteck verrät. Untermalt von Queens energiegeladenem Gute-Laune-Hit versucht die Gruppe, den mutierten Wirt in einer großartig choreographierten Szene niederzustrecken – Zombies töten hat noch nie so sehr zum Mittanzen animiert!

4) About Time – Gold in Them Hills (Ron Sexsmith)

Wie beschreibt man einen Science-Fiction-Film, der eigentlich keiner ist? Ein Film, in dem Zeitreisen eine zentrale Rolle spielen, aber es eigentlich um etwas ganz Anderes geht: Was würdest Du an Deinem Leben ändern, wenn Du die Möglichkeit hättest, einen Tag, eine Woche oder ein Jahr noch einmal zu erleben? Kann man emotionale Erlebnisse tatsächlich verbessern? Welchen Wert haben Momente, wenn Du weißt, dass Du sie jederzeit rückgängig machen könntest? Richard Curtis‘ wunderschöner Film aus dem Jahr 2013 stellt dem Zuschauer diese Fragen.

Tim (Domnhall Gleeson) erfährt an seinem 21. Geburtstag von seinem Vater (Bill Nighy), dass die Männer der Familie eine einzigartige Fähigkeit besitzen: Sie können an jeden beliebigen Zeitpunkt ihres Lebens zurückreisen und somit in den Verlauf ihres Schicksals eingreifen. Die Zukunft bleibt ihnen verborgen; die Rückkehr ist immer nur an den Moment der „Hinreise“ gekoppelt. Tim nutzt das Talent fortan hauptsächlich dafür, seine romantischen Geschicke zu lenken; ungeschickte Äußerungen oder peinliche Situationen werden ungeschehen gemacht und beim zweiten (oder auch dritten, vierten…) Durchlauf verbessert, bis sie zum gewünschten Ziel führen. Im Laufe der nächsten Jahre stellt er jedoch immer häufiger fest, dass man Momente nicht nur zum Besseren verändern kann und beginnt, den Sinn hinter der mysteriösen Fähigkeit zu suchen.

Tim befolgt den Rat seines Vaters, das Talent dafür zu nutzen, seinen Alltag aufmerksamer und unbeschwerter zu leben und kleinere Ärgernisse nicht mehr so ernst zu nehmen. Diese Szene ist ein wunderbares Lehrstück dafür, wie wir manchmal in unserer eigenen, negativen Interpretation der Dinge feststecken und uns dadurch die Freude über die kleinen und leisen Momente nehmen. Während die erste Version des Tages mit einem instrumentalen Stück unterlegt ist, singt Ron Sexsmith in der zweiten Fassung:
But if we’d only open our eyes
We’d see the blessings in disguise
That all the rain clouds are fountains
Though our troubles seem like mountains.

Schade, dass der Film damals so wenig Beachtung gefunden hat, denn er ist wirklich etwas Besonderes!

3) Only Lovers Left Alive – Funnel of Love (Wanda Jackson)

Jim Jarmuschs poetische Meditation über die Liebe, den Wert von Nostalgie und den Fluch oder auch Segen ewigen Lebens ist, wie alle von Jarmuschs Filmen, vor allem eins: unheimlich cool!

Adam (Tom Hiddleston) und Eve (die ewig fabelhafte Tilda Swinton) sind  Vampire. Außerdem sind sie miteinander verheiratet, leben jedoch auf unterschiedlichen Kontinenten. Während Eve in der marokkanischen Hafenstadt Tanger ihr Leben mit dem gemeinsamen guten Freund und ebenfalls Vampir Marlowe (John Hurt) genießt, lebt Adam als Musiker in Detroit und gibt sich hemmungslos der Melancholie und einem leidenschaftslosen Ennui hin. Einig sind sich die beiden darin, dass es zu gefährlich geworden ist, ihren Blutbedarf direkt „aus der Quelle“ zu decken, und so beschafft sich Adam seinen Nachschub in der lokalen Blutbank, während Eve und Marlowe von Spendern versorgt werden. Eve spürt die Niedergeschlagenheit ihres lebensmüde gewordenen Partners und beschließt, ihn in Detroit zu besuchen und aus seiner Depression wachzurütteln. Dass kurz danach auch ihre jüngere, impulsive Schwester dort aufschlägt, verkompliziert ihr Wiedersehen allerdings…

Dieser Film ist nicht schnell; er hat nicht einmal eine besonders umfangreiche Handlung. Allerdings weiß Jarmusch, eine Atmosphäre zu vermitteln, die einen in ihren Bann zieht und nicht mehr loslässt! Neben den Hauptrollen ergänzen Anton Yelchin, Mia Wasikowska und Jeffrey Wright den hervorragend besetzten Cast, und es sind gerade die langsamen Passagen, gepaart mit dem einzigartigen Soundtrack, die Only Lovers Left Alive einen so hohen Wieder-Anseh-Wert verleihen. Der Vorspann des Films ist nur ein kleines Beispiel für die wunderschöne Cinematographie: Der sich drehende Sternenhimmel wird zu einer Schallplatte, die daraufhin zuerst Eve und danach Adam in ihren jeweiligen Refugien zeigt, während sich das Bild stets, der Schallplatte gleich, weiterdreht. Eve, die ebenso elfenhafte wie raubtiergleiche Schönheit, scheint in unbekannten Sphären versunken, während Adam den Anschein erweckt, als würde er die Augen nur schließen, um die von ihm verabscheute Welt nicht sehen zu müssen. Begleitet von den hypnotischen Klängen des verlangsamt abgespielten Stücks von Wanda Jackson versetzt diese Eingangsszene in die richtige Stimmung für die nächsten zwei Stunden!

2) American Psycho – Hip to Be Square (Huey Lewis and the News)

Dieser Eintrag ist eindeutig einer derjenigen, die auf keiner Liste über musikalische Filmszenen fehlen dürfen – dem kann selbst ich mich nicht versperren! Mary Harrons Verfilmung setzt Bret Easton Ellis‘ kontroversen Kultroman über den psychopatischen Wall Street-Yuppie Patrick Bateman (Christian Bale) perfekt um und lässt den Zuschauer am Ende genauso befremdet und unsicher zurück, wie es bereits das Buch getan hat.

Patrick ist jung, attraktiv und hat einen hoch bezahlten Job – doch ist er nicht zufrieden. Sein unbedingter Wunsch, „dazuzugehören“ und die innere Leere mit Statussymbolen zu füllen, bestimmt sein Leben: die teuersten Anzüge, das beste Apartment, ein Tisch im angesagtesten Restaurant der Stadt. Seine Vorzeige-Freundin (Reese Witherspoon) betrügt er mit zahlreichen Frauen, ob Bekannten oder Prostituierten, denen er stets mit teuren Geschenken und wie aus dem Katalog gelernten Analysen zeitgenössischer Popmusik imponieren möchte. An ihnen lebt er zudem seine sadistischen Fantasien aus, die nach und nach immer exzessiver werden und anfangen, seinen Alltag zu bestimmen. Gewürzt mit zynischer Gesellschaftssatire und Konsumkritik stellen Roman und Film uns irgendwann vor die Frage, welche von Patricks Erlebnissen real sind und welche vielleicht ausschließlich in seinem Kopf stattfinden – sind doch die Charaktere in dieser Geschichte größtenteils untereinander austauschbar…

Paul Allen (Jared Leto) ist Patricks ganz besonderes Feindbild. Er ist ihm scheinbar in jeder Hinsicht stets einen Schritt voraus; ein bisschen atraktiver, ein bisschen erfolgreicher, eine etwas schönere Wohnung. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, ist bezeichnend in seiner Banalität: Pauls Visitenkarte stellt seine eigene in den Schatten. Patrick sieht nur eine Lösung für das lästige Problem: Paul Allen muss aus dem Weg geschafft werden. „VERSUCH JETZT MAL, EINE RESERVIERUNG IM DORSIA ZU BEKOMMEN, DU VERDAMMTER BASTARD!“

1) Love Actually – Both Sides Now (Joni Mitchell)

Tatsächlich… Liebe – der Filmtitel, der seit seiner Veröffentlichung im Jahr 2003 fest zum alljährlichen Weihnachtsprogramm dazugehört und der bei vielen Männern instinktiv Fluchtreflexe auslöst; besonders, wenn er im Zusammenhang mit „Schatz, wollen wir nicht mal wieder… schauen?“ genannt wird. Dabei ist Richard Curtis‘ Ensemblefilm, der so ziemlich das gesamte Who-is-Who der damaligen englischen Schauspielriege beinhaltet, nicht nur zuckersüß und kitschig (und das ist er zweifelsohne!), sondern ebenso lustig, tragisch, ironisch und motivierend. Und so ist es sicher nicht verwunderlich, dass meine Wahl auf eine Szene gefallen ist, in der eben nicht geflirtet, gelacht oder mit sehnsuchtsvollen Blicken geschmachtet wird, sondern die von einem Vertrauensbruch und den Folgen davon handelt.

Karen (Emma Thompson) findet kurz vor Weihnachten in der Jackentasche ihres Mannes Harry (Alan Rickman) eine Geschenkschachtel, die eine goldene Halskette samt Herzanhänger enthält. Überrascht ob der plötzlichen Kreativität ihres Ehemanns und bewegt durch die unerwartet großzügige Geste freut sie sich umso mehr auf das Fest. Als sie bei der Bescherung erwartungsvoll das Päckchen öffnet, verbirgt sich darin jedoch nicht die Kette, sondern ein Album von Joni Mitchell. Harry freut sich über die scheinbar gelungene Überraschung – hat Karen die Folksängerin doch erst vor einiger Zeit als ihre Lieblingsmusikerin und scherzend als Quelle der „emotionalen Weiterbildung dieser kalten, englischen Ehefrau“ bezeichnet.
Karen jedoch realisiert schlagartig, was dieses Geschenk bedeutet: Das goldene Herz war nicht für sie bestimmt, sondern für eine andere Frau. Überwältigt von dieser Erkenntnis flüchtet sie mit einer Ausrede ins Schlafzimmer. Begleitet von Mitchells erkenntnisreichem Lied über den bittersüßen Verlust von Unschuld und Naivität beim Älterwerden wird die sonst so resolute und optimistische Karen von ihren Gefühlen der Verletzung und der Trauer übermannt. Was folgt, ist meiner Meinung nach die Quintessenz von emotionaler Stärke, reduziert auf winzige Gesten: Wohl wissend, dass der ahnungslose, des Betrugs überführte Ehemann unten mit den Kindern wartet, um gemeinsam zum Weihnachtskonzert zu fahren, kämpft Karen zuerst ihre Tränen zurück, richtet dann, mehr aus Gewohnheit, das ohnehin schon makellose Ehebett und zwingt sich ein Lächeln auf das Gesicht, um sich vor ihren Kindern nichts anmerken zu lassen.

Emma Thompson ist eine meiner absoluten Lieblingsschauspielerinnen – nicht nur, weil sie sich völlig selbstverständlich vom grassierenden Schönheits-OP-Wahn distanziert, sondern weil es eben diese Momente sind, die sie so perfekt beherrscht: große Emotionen auf kleine Details zu reduzieren und sie damit umso bedeutungsvoller zu machen.


Eure Lieblingsszene ist nicht dabei? Welcher musikalische Filmmoment ist Euer Favorit? Ich freue mich auf Euer Feedback!
Freut Euch außerdem schon heute auf den nächsten Teil unserer Filmmusik-Reihe – in Teil drei geht es um die besten Gesangsszenen aus Musical- und Musikfilmen!

Titelbild: Pixabay

Friederike

Friederike

Admin und Autor bei Film und Feder
Warum ich über Filme schreibe? Weil Freude wächst, wenn man sie teilt!
Als jemand, der Filme häufig alleine schaut, fehlte mir oft der Austausch nach dem Abspann - die Diskussion kontroverser oder unklarer Aspekte, die Hoffnung, dass mein Gegenüber meine Lieblingsszene genau so mochte wie ich und manchmal auch nur das schamlose Schwärmen über den Hauptdarsteller. Das Veröffentlichen meiner Gedanken zum Film ermöglicht mir diesen Austausch mit einer großen Anzahl an Menschen, die das Medium ebenso lieben, wie ich.
Friederike

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