Review: „Wonder Woman“ (2017)

Die neuste Verfilmung aus dem Hause DC ist ein Erfolg auf der ganzen Linie und mehr als nur ein Superheldenfilm.

Als 2016 „Batman V Superman: Dawn of Justice“ in den Kinos anlief, gingen die Meinungen zwischen Kritikern und Fans sehr weit auseinander was die Qualität des Filmes betrifft, doch bei einer Sache waren sich  beide Parteien einig: der beste Part des gesamten Films war Gal Gadot alias „Wonder Woman“. Auch wenn sie lediglich im großen Showdown in voller Kampfmontur zu sehen war, so hat genau dieser Moment ausgereicht, um alle zu begeistern. Und so steht die ehemalige Soldatin und Schauspielerin erneut als Amazone vor der Kamera, nur dieses Mal in ihrem ganz eigenen, titelgebenden Spielfilm und begeistert wieder einmal Fans und Kritiker gleichermaßen.

Doch ist „Wonder Woman“ wirklich so gut wie alle sagen? Schafft sie es das Tief, in welchem DC mit seinem DCEU derzeit steckt, noch zu entkommen? Waren doch alle bisherigen Filme des geplanten „DC Extended Universe“ nicht gerade die erhofften Kassenknüller. Auf jeden Fall kann man sagen, dass „Wonder Woman“ derzeit alle Rekorde bricht.  Und das aus gutem Grund, denn DCs neuster Streich beweist, dass es doch möglich ist einen wirklich gelungenen Film ohne Batman, Superman und Co. zu drehen.

Und so bekommen wir gleich einmal, ganz im klassischen Stil des Superheldengenres, erst einmal einen Origin-Film spendiert. Man will ja schließlich wissen, wo die Frau mit den übermenschlichen Fähigkeiten herkommt. Wir erleben Teile von Dianas Kindheit, ihrer Kampfausbildung zur Kriegerin und der ersten, für sie komplett verwirrenden Konfrontation mit ihren neu gewonnen Kräften. Bis schließlich das Flugzeug des US-amerikanischen Spions Steve Trevor über dem Königreich der Amazonen, einer wunderschönen Insel irgendwo im Meer, abstürzt und Dianas Leben damit komplett aus dem Gleichgewicht gerät. Denn was sie nicht weiß, jenseits ihrer Heimat herrscht Krieg, genauer gesagt, der erste Weltkrieg. Und so folgt Diana Steve, nach langem hin und her mit ihrer Mutter, der Kriegerkönigin Hippolyta (gespielt Connie Nielson aus „Die Stunde des Jägers“), in eine für sie völlig fremde Welt und in die Wirren des Krieges, da sie glaubt, der Kriegsgott Ares sei zurückgekehrt und nur sie kann ihn stoppen.

Starke Frauen braucht die Welt

Bisher dominierten vor allem die männlichen Superhelden die große Leinwand und ließen ihre weiblichen Mitstreiter meist nur als Nebendarsteller in Erscheinung treten. Bisherige Versuche starke Frauen, wie beispielsweise „Catwoman“ oder „Elektra“, als Titelhelden zu präsentieren, blieben meist hinter den Erwartungen, weshalb man sich entschied auf eben solche zu verzichten. Doch mit „Wonder Woman“ sollte sich dies nun ändern. So ist der Film mehr als nur eine weitere Verfilmung bekannter Comicbuch-Helden. Er ist vielmehr ein Befreiungsschlag für die ganze Frauenwelt. Denn „Wonder Woman“ ist, gelinde ausgedrückt, die Verkörperung von Emanzipation und der lange Sieg für die Weiblichkeit. Sie ist schlagfertig, selbstbewusst und in der Lage sich in einer von Männern regierten Welt durchzusetzen.

Doch auch Heldinnen müssen, genau wie ihre männlichen Kollegen, erst einmal ihren eigenen Weg finden. Weswegen Diana nicht von Anfang an die Person ist, die sie später sein wird. Was den Film zugleich auch zu einer Art „Coming-Of-Age“-Geschichte macht. So lebt sie quasi isoliert von der eigentlichen Realität und dem Schrecken, der sich fernab ihrer nur von Frauen bevölkerten Insel befindet, weshalb die ungeplante Ankunft von Steve sich als Segen herausstellt. Durch ihn fällt Diana die Entscheidung, sich von dem gewohnten Umfeld zu entfernen, um auf eigenen Füßen zu stehen, zu lernen und auch Fehler zu machen.

Der Ton macht die Musik

Diese Charakterentwicklung macht sich, doch recht ungewohnt für einen DC Film, nicht nur im Tonfall des Filmes bemerkbar, sondern auch in der Farbentwicklung. So ist „Wonder Woman“ vor allem im ersten Akt, ein farbenfrohes Vergnügen, fernab des handelsüblichen Blaustichs, welcher normalerweise die Filme beherrscht. Das gibt dem Ganzen einen etwas weniger düsteren Grundton. Erst später, als auch die Stimmung durch den Schrecken des ersten Weltkrieges kippt, mischen sich mehr Grautöne hinzu und bestimmen die Richtung des Films. Und das obwohl „Wonder Woman“, trotz des ernsten Themas wie Krieg und Verlust, ein sehr leichtgewichtiger Streifen ist, der auch nicht mit gut platzierten Witzen geizt. Was zu großen Teilen auch an der perfekten Chemie zwischen den Hauptdarstellern Gal Gadot und Chris Pine liegt. Ihre Interaktion miteinander passt wortwörtlich wie „die Faust aufs Auge“ und schafft es eine wirkliche Verbindung zu ihnen aufzubauen. Blieben die Superhelden, ob nun im MCU oder DCEU, bislang zu großen Teilen eher etwas gefühlskalt, schaffen die beiden es hier ihren Gefühlen, von Neugier bis Liebe, wirklich Ausdruck zu verleihen. So sind es neben den handelsüblichen und fulminant in Szene gesetzten Actionsequenzen vor allem die „stillen“ Momente, die den Film zu etwas besonderem machen.

Auch wenn der eine oder andere die Action dann doch eher bevorzugt, was man durchaus verstehen kann. Denn wenn Diana ihr Schwert schwingt, kracht es gewaltig. Sei es auf dem Schlachtfeld, auf der Insel der Amazonen oder der Gänsehaut erzeugenden Szene an der Kriegsfront, welche auch schon im Trailer Erwähnung findet. Im dritten Akt und dem groß angelegten Finale nimmt dann das CGI vielleicht ein klein wenig überhand und erinnert oftmals an ein Zwischenvideo aus einem Computerspiel, was sich vor allem bei dem „Endgegner“ bemerkbar macht, aber das ist letzten Endes auch nur Jammern auf hohem Niveau, selbst wenn weniger sicher mehr gewesen wäre. Denn schließlich ist es immer noch ein Superhelden-Film.

Was am Ende übrig bleibt ist ein fabelhafter Film, voller Witz, Spannung, einer wirklich herausragenden Titelheldin, sowie einer gehörigen Portion Action, welche definitiv die Lust auf die demnächst anlaufende Justice League Verfilmung steigert.

Fakten und Bewertung

Originaltitel: Wonder Woman
Land: USA
Laufzeit: 140 Minuten
Regie: Patty Jenkins
Drehbuch: Alan Heinberg, Zack Snyder, William M. Marston, Jason Fuchs
Cast: Gal Gadot, Chris Pine, Connie Nielsen, David Thewlis, Robin Wright, Elena Anaya, Danny Houston u.a
IMDb: 8,1 / 10 
FSK: ab 12 Jahren
Release:  15. Juni .2017

 

Trailer:

Bildrechte: „Wonder Woman“ © Warner Bros. Entertainment

Jörg

Jörg

Autor bei Film und Feder
Hier soll etwas über mich drin stehen. Wo fange ich an? Hi ich bin...ach wisst ihr was? Ich mache es euch ganz einfach.

Filme sind meine Religion, das Kino meine Kirche, Quentin Tarantino mein Messias und die Hollywood Studios mein Mekka. Ohne all dieses bin ich ein Nichts. Ich bin verloren in der Magie des Films. Alles ist real, außer ich lasse es nicht zu.

Wie schon einst Stanley Kubrick sagte:
“A film is – or should be – more like music than like fiction. It should be a progression of moods and feelings. The theme, what’s behind the emotion, the meaning, all that comes later.”
Jörg

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