Titelbild Soundtracks

Filmmusik – eine Liebeserklärung

 

“As important as color is to a painting, or wings to a bird. Music injects vibrancy to film and makes it soar!” – Gerard de Marigny

Der Soundtrack eines Films ist das Salz in der Suppe. In Zeiten des Stummfilms fand eine musikalische Begleitung von Filmen, größtenteils live gespielt, anfangs nur als Notwendigkeit statt, um die Zuschauer nicht in vollkommener Stille im Saal sitzen zu lassen. Schnell entwickelte sich die Musik allerdings zu einem der wichtigsten Elemente dieses Mediums. Natürlich sind es die visuellen Komponenten, wie die Leistung der Schauspieler und die Kameraarbeit, die einem als erstes buchstäblich ins Auge fallen. Jedoch vervollständigt erst die Musik – die emotionale Sprache des Films – das Erlebnis. Sie untermalt und begleitet, sie betont und sie erklärt, was wir auf der Leinwand sehen.

Filmmusik als Charaktermerkmal

So kann sie beispielsweise als typisches Erkennungsmerkmal eines bestimmten Charakters wirken, auch „Thema“ oder „Leitmotiv“ genannt. Einige der bekanntesten musikalischen Themen der Filmgeschichte hat John Williams geschrieben: Sein „Imperial March“ lässt keinen Zweifel daran, dass Darth Vader ein mächtiger Schurke ist, mit dem man sich besser nicht anlegen sollte:

 

Das Thema von „Indiana Jones“ hingegen betont den abenteuerlichen und heroischen Charakter des beliebten Helden mit dem Schlapphut und der Peitsche:

 


Filmmusik als Manipulator

Gleichzeitig lässt sich mit Musik auch hervorragend die Empfindung manipulieren, die Zuschauer beim Betrachten einer bestimmten Szene haben. Dies beherrscht beispielsweise David Lynch besonders gut, der bei den meisten seiner Filme selber Hand an den Soundtrack und das Sound Design angelegt hat. Lynchs Spezialität sind surreale, (alp)traumähnliche Darstellungen, die durch subtiles, aber sehr wirkungsvolles Sounddesign unterstrichen werden. Die musikalische Untermalung mit dissonanten oder verzerrten Klängen weckt Unbehagen beim Zuschauer und lässt optisch harmlose Szenen zu einem gruseligen und angespannten Erlebnis werden.

In der folgenden Szene aus dem Mystery-Thriller Mulholland Drive wendet Lynch genau diese Technik an:

Filmmusik als „Mixtape“

Aber auch Musik, die nicht speziell für einen Film komponiert wurde, kann die Stimmung einfangen, Gefühle vermitteln und Songs somit auf ewig in den Köpfen der Zuschauer und -hörer mit einer bestimmten Szene verknüpfen. Quentin Tarantinos Name zum Beispiel fällt jedes Mal im Zusammenhang mit Soundtracks, die aus bestehenden Songs zusammengestellt wurden. In einem BBC-Interview äußerte sich der Kultregisseur zu diesem Thema: „Ich glaube, meine Soundtracks kommen deswegen so gut an, weil sie quasi das professionelle Equivalent zu einem Mix Tape sind, dass ich zuhause für Euch zusammenstellen würde.“
Eindeutig ein Erfolgsrezept – welcher Teenager in den 90ern hatte nicht den „Pulp Fiction“-Soundtrack im CD-Regal stehen?

Filmmusik als Kreativitätsimpuls

Mich persönlich hat Filmmusik schon von klein auf begeistert. Zuerst unterschwellig, dann begann ich, die Musik als eigenständiges Element eines Films zu erleben und zu lieben. Der erste Soundtrack, den ich besaß, war John Williams‘ wunderbarer Score zu Jurassic Park. Dieser wurde dann auch direkt weiter “verwurstet“ – und zwar in daheim mit meiner Freundin und später auch meiner Schwester selbst aufgenommenen Hörspielen. Da ich eine ganze Weile lang nur die eine CD zur Verfügung hatte, wir aber sehr produktiv an der Hörspiel-Front unterwegs waren, klangen die ersten Geschichten zumindest musikalisch entsprechend auch alle sehr ähnlich. Schon damals, im zarten Alter von elf Jahren, begriff ich schnell, wie sich anhand der Musik eine Szene untermalen und eine Stimmung aufbauen lässt. Rückblickend war „Todesschreie aus dem Leuchtturm“ vermutlich auch kein klassischer Titel für ein von Kindern produziertes Hörspiel – gut möglich, dass die spannungsgeladenen Passagen des Soundtracks den Verlauf der Story maßgeblich geprägt haben!

Filmmusik als Kinomagnet

Im Laufe der Jahre blieb die Liebe zur Filmmusik nicht nur ungebrochen, sondern ist mittlerweile sogar oftmals selbständiger Anreiz für mich, ins Kino zu gehen. Dass Christopher Nolan für sein neues Werk „Dunkirk“ erneut mit Hans Zimmer zusammenarbeitet, lässt mich den Film noch gespannter erwarten, als es mit einem anderen Komponisten der Fall gewesen wäre. Beide sind mittlerweile ein perfekt eingespieltes Team – spätestens seit „Interstellar“ kann ich mir eigentlich keine bessere Kombination vorstellen als diese beiden visionären Künstler!

Dieser Artikel ist der erste Teil einer Reihe, die ich hier auf „Film und Feder“ veröffentlichen werde. Freut Euch auf meine persönlichen Top-Listen und Beiträge zum Thema Soundtracks – demnächst in diesem Theater!

 

Titelbild: Pixabay

Friederike

Friederike

Admin und Autor bei Film und Feder
Warum ich über Filme schreibe? Weil Freude wächst, wenn man sie teilt!
Als jemand, der Filme häufig alleine schaut, fehlte mir oft der Austausch nach dem Abspann - die Diskussion kontroverser oder unklarer Aspekte, die Hoffnung, dass mein Gegenüber meine Lieblingsszene genau so mochte wie ich und manchmal auch nur das schamlose Schwärmen über den Hauptdarsteller. Das Veröffentlichen meiner Gedanken zum Film ermöglicht mir diesen Austausch mit einer großen Anzahl an Menschen, die das Medium ebenso lieben, wie ich.
Friederike

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