Review – „So finster die Nacht“ (2008)

Der zwölfjährige Oskar beobachtet eines Nachts, wie neue Nachbarn in die Wohnung nebenan einziehen.

Zum einen ist das Hakan, ein älterer Mann und Eli, ein Kind im gleichen Alter. Die beiden scheinen ein inniges Verhältnis zueinander zu haben, dessen Charakter anfangs rätselhaft ist. Auch ist Eli etwas seltsam und nur nachts zu sehen, aber der Junge freundet sich trotzdem mit dem Kind an.

Ein Drama mit Horror-Versatzstücken

Das schwedische Horror-Drama basiert auf dem Roman „Låt den rätte komma in“ von John Ajvide Lindqvist. Den Film kann man aufgrund seiner Erzählweise fast als altmodisch bezeichnen, wenn man ihn mit anderen modernen Filmen vergleicht – die Handlung entwickelt sich langsam, es wird Wert auf eine solide Charakterentwicklung gelegt, die Gewalt oft nur angedeutet. So wurden auch auf die (leider) im Horrorgenre sehr beliebten Jumpscares verzichtet. Doch ist eben diese Charakterentwicklung großartig gelungen und hebt den Film wohltuend von der breiten Masse der Veröffentlichungen ab.

So finster die Nacht - Oskar und Eli
Oskar und Eli

Oskar, der verlorene Junge

Der Film ist sehr unterkühlt inszeniert, die winterliche Kulisse tut ihr Übriges dazu. Oskar kann einem leid tun: Seine Eltern leben voneinander getrennt und sind mit sich selbst beschäftigt, in der Schule wird er von ein paar Klassenkameraden heftig drangsaliert – offensichtlich sind die Lehrer diesbezüglich auch blind. Deswegen flüchtet er sich in ziemlich besorgniserregende Gewalt- und Rachephantasien an seinen Mitschülern. Die Erwachsenen in dem Film haben keine Augen und Ohren für die Probleme eines kleinen Jungen; so kommt Oskar die Freundschaft zu Eli wie gerufen, um endlich Selbstvertrauen zu entwickeln und Unterstützung und Hilfe zu erfahren. Die Szenen mit den beiden sind auch fast die einzigen, bei denen im Film ein Gefühl von Wärme entsteht.

So finster die Nacht - Oskar
Oskar

Oskars Weg zum Erwachsenwerden

Liest man zwischen den Zeilen, dann kann man in „So finster die Nacht“ einen Coming-Of-Age-Film erkennen. Oskar, am Anfang schwach und kindlich, lernt mithilfe von Eli, sich gegen seine Mitschüler zu wehren und entdeckt die Liebe, eine andere Liebe als zu den Eltern. Der Film spielt im Winter, die Natur schläft – und noch schläft auch Oskar. Am Ende fährt er Richtung Sonnenschein, Richtung Aufblühen, Richtung Erwachsenwerden.

So finster die Nacht - Feuer
Das an sich ganz gute Remake „Let me in“ von 2011 mit Chloë Grace Moretz in der Hauptrolle kann die großartige Atmosphäre des Originalfilms nicht ganz halten. Die Gewalt ist expliziter dargestellt und manche Szenen, deren Sinn eigentlich klar sein sollte, werden durch einen Nebensatz noch erklärt – typisch glattgebügelt für das amerikanische Mainstream-Publikum. Das Original ist hier auf jeden Fall vorzuziehen!

Fakten und Bewertung

Originaltitel: So finster die Nacht
Land: Schweden
Laufzeit: 115 Minuten
Regie: Tomas Alfredson
Drehbuch: John Ajvide Lindqvist, John Ajvide Lindqvist
Cast: Kåre Hedebrant, Lina Leandersson, Per Ragnar, Henrik Dahl
IMDb: 8,0
FSK: ab 16 Jahren
Release: Verfügbar als DVD/Bluray/VOD 
 Seht hier den Trailer:
Bildrechte: So finster die Nacht © MFA+
Andreas

Andreas

Autor bei Film und Feder
Mein Name ist Andreas Lehmler und Filme beschäftigen mich schon fast mein ganzes Leben. Mit all den Filmverrückten hier denke ich, dass wir euch das Medium Film auch mal von ungewohnten Seiten näherbringen können.
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