Victoria

Review: „Victoria“ (2015)

Die junge Spanierin Victoria trifft nach einem durchtanzten Partyabend die vier jungen Männer Sonne, Boxer, Blinker und Fuß.

Wie im Rausch geht es für die fünf durch die restliche Berliner Nacht.

Ein Film wie ein Rausch

VictoriaDer Film ist mit Sicherheit ein logistisches Meisterwerk des gesamten Filmteams. Er wurde an einem Stück gedreht, also folgt eine Kamera 140 Minuten lang ohne einen einzigen Schnitt den Protagonisten durch Berlin. Da geht es durch verschiedene Straßen, in Gebäude rein und wieder raus, Treppen hoch und runter, in Aufzüge etc.

Dass das auch alles funktioniert, ist einem hochengagierten Filmteam zuzusprechen. Wie sagte mein Kollege Jörg dazu? Einen Film im One Take Shot zu drehen ist das Einhorn des Filmemachens. Da die Intention des Films war, den Rausch einer Berliner Nacht darzustellen, ist dies sicherlich ein geeignetes Stilmittel hierfür.

Nicht gerade neu

RopeDer Film wurde wegen eben dieser Stilart des One Shots sehr gelobt, aber das Rad wurde hiermit nicht neu erfunden. Die Idee des One Shot Films ist nicht neu. Filme wie beispielsweise „Russian Ark“ von Alexander Sokurov oder Hitchcock’s „Cocktail für eine Leiche“ (auch wenn es hier tatsächlich Schnitte gibt – allerdings sind diese gut getarnt) haben bereits Versuche in diese Richtung gewagt.

Plotlöcher so groß wie Berlin

VictoriaDer Plot ist einfach totaler Käse. Ernsthaft! Ein offensichtlich intelligentes Mädel lässt sich mit diesen – gelinde gesagt – halbseidenen Typen ein und folgt ihnen durch Berlin, wohin auch immer sie gehen? Ihr kamen nicht ein einziges Mal Bedenken, dass die Jungs wer-weiß-was mit ihr anstellen könnten? Der Gangsterboss heuert für seinen großen Coup – den Banküberfall – diese Typen an, die vor Unsicherheit und Unerfahrenheit nur so strotzen?

Er wird nicht stutzig, als Victoria das Steuer des Fluchtfahrzeugs übernehmen soll? Ich weiß nicht, wie es euch geht – sie sieht nicht gerade wie eine Gelegenheitsverbrecherin aus! Ich vermute, vor lauter logistischen Planungen hat man doch glatt vergessen, ein anständiges Drehbuch zu schreiben. Der Film wirkt wie ein mit viel Technik angereichertes, schlechtes „Kleines Fernsehspiel“.

Fazit

Nimm Victoria den sicherlich eindrucksvollen One Shot und es bleibt nichts übrig. Ein aufgeblasenes Nichts, pure Technik, wenig dahinter.

 

Fakten und Bewertung

Originaltitel: Victoria
Land: Deutschland
Laufzeit: 138 Minuten
Regie: Sebastian Schipper
Drehbuch: Sebastian Schipper, Olivia Neergaard-Holm
Cast: Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski, Burak Yigit
IMDb: 7,7
FSK: ab 12 Jahren
Release: Ab 11. Juni 2015 im Kino
 Bildrechte: Victoria © Senator/Central, Rope @ UIP
Andreas

Andreas

Autor bei Film und Feder
Mein Name ist Andreas Lehmler und Filme beschäftigen mich schon fast mein ganzes Leben. Mit all den Filmverrückten hier denke ich, dass wir euch das Medium Film auch mal von ungewohnten Seiten näherbringen können.
Andreas

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