Psycho

Retro-Review: „Psycho“ (1960)

Die junge Marion Crane unterschlägt in ihrer Firma Geld, um mit ihrem Geliebten ein neues Leben beginnen zu können.

Auf der Flucht hält sie zum Übernachten im abgelegenen Bate’s Motel. Der Motelinhaber scheint ein merkwürdiger Mensch zu sein.

Ein Meilenstein des Genres

Janet LeighPsycho: Die Mutter aller Slasherfilme und eines der Meisterwerke von Sir Alfred Hitchcock. Nach dem eleganten Agententhriller „Der unsichtbare Dritte“ schockte der Altmeister der Suspense das Publikum mit diesem – für die damalige Zeit heftigen – Horrorfilm. Durch eine raffinierte Werbekampagne – der Kinosaal durfte nach Filmbeginn nicht mehr betreten werden – erreichte Hitchcock, dass die Leute Schlange standen. Unzählige Filme zitieren seitdem auf die eine oder andere Weise die ikonische Duschszene; Filmstudenten sezierenden Klassiker regelmäßig in ihren Seminaren.

Manipulation!

Anthony PerkinsDer in schwarz-weiß gedrehte Film basiert auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Robert Bloch, die wiederum durch die Taten des Serienkillers Ed Gein inspiriert wurde. Der Zuschauer wird ständig auf falsche Fährten gelockt – ein typisches Stilmittel Hitchcocks, der gerne wie ein Marionettenspieler an den Fäden des Publikums zog. Psycho spielt meisterhaft mit Licht, Schatten und Spiegelungen. Man achte auch auf den Bezug zu Vögeln – Marion heißt Crane, also Kranich mit Nachnamen, sie wohnt in Phoenix, Norman Bates stopft Vögel aus.

Die Schauspielerriege um Anthony Perkins (die Rolle seines Lebens), Janet Leigh, Martin Balsam und Vera Miles macht ihre Sache fabelhaft, während die atemberaubende Filmmusik – ebenfalls ikonisch, die schrille Terror-Geigenmelodie – ein weiteres Mal von Hitch’s Haus- und Hof-Filmmusiker Bernhard Herrmann komponiert wurde. Unter anderem die Macher von „Re-Animator“ haben sich mehr als nur inspirieren lassen von der Musik; die Titelmelodie des Splatter-Klassikers ist extrem ähnlich.

Je albtraumhafter die Handlung wird, um so mehr verschwimmen die Zeitangaben – diese sind am Anfang des Films noch präzise, werden aber immer schwammiger.

Psycho zog drei direkte Sequels nach sich, die leider auch nur absteigend sehenswert sind.

Begleitende Medien zum Film

Empfehlenswert als Begleitmedien zu diesem Film sind die Bücher „Psycho“ über die Dreharbeiten von Janet Leigh, und „Alfred Hitchcock and the making of Psycho“ von Stephen Rebello sowie der Film zum Buch „Hitchcock“ (2012), in dem Sir Anthony Hopkins in die Rolle des Filmemachers schlüpft. Sehenswert ist auch der Trailer von „Psycho“, in dem Hitch durch das Filmset führt. Auf keinen Fall zu empfehlen ist der Neuaufguss des Films aus dem Jahr 1998 von Gus Van Zant (Kids), der Szene für Szene exakt nachgedreht wurde, allerdings diesmal in Farbe und mit anderen Darstellern. Was als Verneigung vor dem Klassiker gemeint war, verkam leider zu einer seelenlosen Kopie ohne schauspielerische Tiefe oder die fesselnde Atmosphäre des Originals.

Abschließend noch ein Fun Fact: „Psycho“ war der erste Film aus Hollywood, in dem das Spülen einer Toilette gezeigt wurde.

Fakten und Bewertung

Originaltitel: Psycho
Land: USA
Laufzeit: 108 Minuten
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Joseph Stefano, Robert Bloch
Cast: Anthony Perkins, Janet Leigh, Vera Miles, John Gavin
IMDb: 8,5
FSK: ab 12 Jahren
Release: Oktober 1960
 Seht hier den Trailer:
Bildrechte: Psycho © Paramount Pictures
Andreas

Andreas

Autor bei Film und Feder
Mein Name ist Andreas Lehmler und Filme beschäftigen mich schon fast mein ganzes Leben. Mit all den Filmverrückten hier denke ich, dass wir euch das Medium Film auch mal von ungewohnten Seiten näherbringen können.
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