Review: „Kong: Skull Island“ (2017)

Ein Abenteuer, das leider nicht mehr zu bieten hat, als großartige Computeranimationen. Ein seelenloses Machwerk ohne Wiedererkennungswert.

Im Jahre 1972 begibt sich ein Team aus Wissenschaftlern auf den Weg nach „Skull Island“, einer unerforschten Insel im pazifischen Ozean. Begleitet von einem Expertenteam unter der Leitung von James Conrad, einer Fotografin, die immer auf der Suche nach dem perfekten Foto ist und einer ganzen Ladung Soldaten, führt ihr Weg durch gefährliches Wetter und unsichere Gewässer. Doch was sie am Ziel vorfinden, übersteigt ihre Vorstellungskraft: Anstelle einer unbevölkerten Insel müssen sie sich schon bald gegen überdimensionale Kreaturen und wilde Eingeborene zur Wehr setzten. Doch das ist nichts im Vergleich zum König der Insel: einem haushohen Gorilla mit dem Namen Kong.

Ein Brief an Billy

„Lieber Billy,

ich schreibe Dir diesen Brief, um Dir folgende Geschichte zu erzählen.

Am 17.03 besuchte ich eine Vorstellung des Kinofilms „Kong – Skull Island“. Nachdem mir der erste Trailer zu diesem Blockbuster sehr zugesagt hat, stieg meine Aufregung bezüglich des bevorstehenden Films ins Unermessliche. Du musst wissen, dass King Kong seit meiner frühesten Kindheit zu meinen absoluten Favoriten in Punkto Kinomonster zählt; verbinde ich doch wundervolle Erinnerungen mit dem haushohen Riesenaffen. So begab es sich, dass ich natürlich auch eben jenes neue Abenteuer auf der Leinwand sehen musste.

Gesagt, getan.

Ich kaufte mir ein Ticket, setzte mich in den Kinosessel und wartete auf den Beginn des Films. Zu meiner Enttäuschung muss ich jedoch gestehen, dass ich nach der Vorstellung alles andere als begeistert war.

Du fragst dich jetzt vielleicht, warum. So lass‘ es mich Dir anhand einiger Beispiele erklären.

In meiner Erläuterung beginne ich vorab mit dem offensichtlichsten eines guten Filmes, nämlich der Geschichte, oder auch Skript genannt. Ein gutes Drehbuch lebt von einer interessanten Story, einfallsreichen Ideen, sowie einem plausiblen (wenn auch in diesem Fall nicht ganz logischen) Ausgangspunkt. Leider muss ich sagen, dass man diese Dinge hier vergebens sucht.

Gibt es einerseits einen schnellen Einstieg ins Geschehen, sowie das rasante erste Zusammentreffen mit dem König der Affen, so plätschern andererseits die darauf folgenden anderthalb Stunden nur so vor sich hin. Spannung oder logische Schlussfolgerungen sucht man vergebens. Stattdessen bekommt man immer wieder das Schema F vor den wortwörtlichen Latz geknallt, was auf Dauer sehr ermüdend ist.

Leider, oh mein lieber Billy, muss ich zur allgemeinen Ernüchterung gestehen, nicht am Ende meiner Ausführung zu sein.

Was mir am Film weitaus mehr missfiel, als das elendige Drehbuch, waren die Figuren in diesem Trauerspiel, welches sich Blockbuster schimpft. Jede von ihnen ist durch und durch ersetzbar und trägt so gut wie gar nichts zur Geschichte bei. Dabei kann sich der Cast durchaus sehen lassen: Von der Oscarpreisträgerin Brie Larson über den Marvel Lieblingsschurken Tom „Loki“ Hiddleston bis hin zu Hollywood-Urgestein John Goodman sind wirklich namhafte Schauspieler vertreten. Doch wirken sie allesamt fehl am Platz und durchweg desinteressiert. Lediglich Samuel L. Jackson und John C. Reiley schaffen es für Aufsehen zu sorgen und die Schar der lebenden Toten nicht vollends versinken zu lassen.Ihre Figuren sind lebendig und getrieben von einem unstillbaren Drang nach Freiheit und Rache. Ausgelöst durch die gottgleiche Gestalt namens Kong. Wobei hier gerade John C. Reilly mit gewieft witzigen Sprüchen für den ein oder anderen Lacher sorgt.

Womit ich nun zu meinem letzten Punkt komme, der wohlgleich der wichtigste in meiner gesamten Schilderung zu sein vermag.

So muss ich nun über Kong berichten, auch wenn mir deswegen das Herz schwer in der Brust liegt.

Kong. Der König der Affen.

Ein liebevolles Monster, welches zum ersten Mal im Jahre 1933 die Zuschauer verschiedener Kinos in Angst und Schrecken versetzte.

Die Neuinterpretation eben jenes Tieres sieht zwar ohne Frage tadellos animiert aus, wie auch die anderen Bewohner Skull Islands; es mangelt jedoch an einer realistischen Darstellung.

Vielleicht wirst du gerade die Stirn runzeln, im Anbetracht der Worte „realistische Darstellung“, wo Kong doch so groß wie ein Haus ist.

Davon, mein lieber Billy, rede ich auch nicht.

Was ich meine, sind die Haltung, die Bewegung oder auch die Mimik dieses Tieres. So handelt oder bewegt sich Kong in diesem Film wie ein Mensch, nicht wie ein Gorilla.

Vergleicht man dieses mit dem  Remake des neuseeländischen Regisseurs Peter Jackson oder dem Reboot von „Planet der Affen“, so wirkt dieser Kong doch etwas rückständig. Ob dies eine Hommage an den 1933er Klassiker sein soll (in dem Kong noch von einem Darsteller in einem Affenkostüm gespielt wurde), kann ich Dir nicht leider nicht beantworten.

So bleibt einfach nur die totale Ernüchterung übrig. Und das ärgert mich nicht nur als Fan, sondern auch im Allgemeinen. Ein wenig Recherche wäre wünschenswert gewesen.

Mit diesen Worten komme ich auch nun schon zum Schluss meiner Ausführungen. Ich hoffe, Du verstehst mein Empfinden bezüglich des Films und bist mir nicht allzu böse über meine Worte, da ich mich doch auf einen tollen Film gefreut habe, der mehr ist als ein seelenloses Machwerk ohne Wiedererkennungswert.

Bis bald,

Dein ergebener „King Kong“ Fan Jörg“

Anmerkung des Autors: Billy ist eine wiederkehrende, nicht zu sehende Person aus dem Film. Dabei handelt es sich um den Sohn eines der Soldaten, welche die Wissenschaftler nach „Skull Island“ begleiten. Jener Soldat versucht vergebens, einen Brief an Billy zu schreiben und wird aufgrund der Ereignisse auf der Insel dabei gestört. Daher empfand ich es als witzige Anekdote, selber einen Brief an Billy zu schreiben und ihm mein Urteil über den Film mitzuteilen. (p.s.: Das war kein Spoiler.)

Fakten und Bewertung

Originaltitel: Kong: Skull Island
Land: USA
Laufzeit: 119 Minuten
Regie: Jordan Vogt-Roberts
Cast: Tom Hiddleston, Brie Larson, Samuel L Jackson, John Goodman, John C. Reilly
IMDb: 7,1
FSK: ab 12 Jahren
Release: Ab 09. März 2017 im Kino

Trailer:

Bildrechte: © Warner Bros. Entertainment

Jörg

Jörg

Autor bei Film und Feder
Hier soll etwas über mich drin stehen. Wo fange ich an? Hi ich bin...ach wisst ihr was? Ich mache es euch ganz einfach.

Filme sind meine Religion, das Kino meine Kirche, Quentin Tarantino mein Messias und die Hollywood Studios mein Mekka. Ohne all dieses bin ich ein Nichts. Ich bin verloren in der Magie des Films. Alles ist real, außer ich lasse es nicht zu.

Wie schon einst Stanley Kubrick sagte:
“A film is – or should be – more like music than like fiction. It should be a progression of moods and feelings. The theme, what’s behind the emotion, the meaning, all that comes later.”
Jörg

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