John Wick: Kapitel 2 - Titelbild

Review: „John Wick: Kapitel 2“ (2017)

Sie lernen es nicht… Wie schon im ersten Film, so ist auch in der Fortsetzung die fatale Fehleinschätzung eines Gangsters Auslöser einer epischen Gewaltorgie!

John Wick: Kapitel 2 setzt nahezu nahtlos dort an, wo der erste Teil aufhörte: Mit frisch geflickten Wunden und neuem Adoptiv-Hund will John eigentlich nur noch sein Auto zurückholen. Mit einem der wenigen noch verbleibenden russischen Gangsterbosse schließt er Frieden und möchte danach endgültig seine Profikiller-Vergangenheit hinter sich lassen. Wäre das so einfach, hätten wir allerdings keinen Film, und so sieht sich John kurz darauf mit einer Situation konfrontiert, die ihn zwingt, seinen Ruhestand noch ein wenig aufzuschieben.

John Wick: Kapitel 2 - John und Hund
Ein Mann und sein Hund. © Concorde Filmverleih GmbH

Einfache Story, spannend verpackt!

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger hat der zweite John Wick in Deutschland zu Recht eine Altersfreigabe ab 18 Jahren erhalten. Es mangelt nicht an schonungslosen Kampfszenen; das Blut spritzt, die Knochen splittern. Die Gewaltdarstellungen sind, wie das gesamte Konstrukt der Profikiller-Parallelgesellschaft, überzogen und comichaft – und genau deswegen funktionieren sie so gut! Gepaart mit der wundervollen Choreographie der Kämpfe haben diese Szenen einen sehr hohen ästhetischen Wert.

Wo andere Hollywood-Produktionen mit schnellen Schnitten und Nahaufnahmen versuchen, Dynamik in ihren Kampfszenen zu erzeugen, punkten die beiden Teile dieser Reihe mit ihrer größten Stärke: Keanu Reeves. Was dieser Mann mit seinen mittlerweile 52 Lenzen vor der Linse abliefert, lässt jedem Action-Fan das Herz höher schlagen! Wer selber kämpfen kann, braucht kein Stunt-Double – und wo kein Stunt-Double benötigt wird, kann der Regisseur unnachgiebig mit der Kamera draufhalten. Weitwinkel-Aufnahmen, die der Choreographie Raum geben und lange Einstellungen, die nicht hektisch hin und her schnellen, sondern den Zuschauer zum stoischen Zeugen dieses Gewalt-Balletts werden lassen, zeigen, dass der Regisseur genau weiß, worauf es bei einer guten Kampfszene ankommt. Wenig verwunderlich, wenn man erfährt, dass Chad Stahelski Reeves kennenlernte, als er in dessen Action-Durchbruch Matrix einen Teil seiner Stunts übernahm.

John Wick: Kapitel 2 - Kampfszene
Kein Double: Reeves zeigt vollen Einsatz. © Concorde Filmverleih GmbH

Gleichzeitig weiß John Wick: Kapitel 2 mit gut dosierten lustigen Passagen zu punkten, die aber niemals albern oder deplatziert wirken, sondern die Anspannung zwischen den Kämpfen für kurze Zeit gekonnt lockern. Zudem sieht der gesamte Film, um es einmal deutlich zu sagen, einfach verdammt stylisch aus! Bildaufbau, Kameraführung, Kostüme und Farbkonzept greifen perfekt ineinander und bereiten dem Zuschauer ein durchgehendes optisches Vergnügen.

John Wick: Kapitel 2 - Riccardo Scamarcio
Mafiaboss Santino hat noch eine Rechnung mit John offen. © Concorde Filmverleih GmbH

Wird die Fortsetzung dem Hype gerecht?

Fazit: John Wick war ein Überraschungserfolg, der im Kino eher schwach anlief und seine Fangemeinde größtenteils erst in der Ausstrahlung auf den diversen Streamingportalen kumulierte – dementsprechend hoch sind die Erwartungen an die Fortsetzung gewesen. Wird der zweite Teil dem Hype gerecht? Das kann er gar nicht – muss er aber auch nicht. Denn John Wick: Kapitel 2 ist ohne Zweifel ein fabelhafter Action-Film, der weiß, was er ist und zu keinem Zeitpunkt Anspruch auf Realismus, Tiefgründigkeit oder Oscar-würdige Darstellungen erhebt. Kleine Gastauftritte von dem stets auf schräge Rollen abonnierten Peter Stormare, John Leguizamo und ein Wiedersehen mit Morpheus himself sorgen für Stimmung.

Einzige Wermutstropfen: Ruby Rose – die nervt ein bisschen. Außerdem wird suggeriert, dass quasi die Hälfte der Weltbevölkerung aus Profikillern besteht; das ist selbst vor dem überzogenen Hintergrund etwas too much. Nichtsdestotrotz freue ich mich schon jetzt auf den dritten Teil, der unweigerlich folgen wird und kann den Film uneingeschränkt jedem empfehlen, der Lust auf zwei Stunden kontrolliertem Chaos abseits des Alltags hat!

Fakten und Bewertung

Originaltitel: John Wick: Chapter Two
Land: USA
Laufzeit: 123 Minuten
Regie: Chad Stahelski
Drehbuch: Derek Kolstad
Cast: Keanu Reeves, Ricardo Scamarcio, Ian McShane
IMDb: 8,2
FSK: ab 18 Jahren
Release: 16. Februar 2017
 Seht hier den Trailer:

 

Friederike

Friederike

Admin und Autor bei Film und Feder
Warum ich über Filme schreibe? Weil Freude wächst, wenn man sie teilt!
Als jemand, der Filme häufig alleine schaut, fehlte mir oft der Austausch nach dem Abspann - die Diskussion kontroverser oder unklarer Aspekte, die Hoffnung, dass mein Gegenüber meine Lieblingsszene genau so mochte wie ich und manchmal auch nur das schamlose Schwärmen über den Hauptdarsteller. Das Veröffentlichen meiner Gedanken zum Film ermöglicht mir diesen Austausch mit einer großen Anzahl an Menschen, die das Medium ebenso lieben, wie ich.
Friederike

Kommentar verfassen