Review: „31“ (2016)

Mit 31 präsentiert uns Rob Zombie sein neuestes Schaffenswerk. Der Mann, der unter anderem mit House of 1000 Corpses, The Devil’s Rejects und dem Halloween-Remake eine beachtliche Fangemeinde für sich gewann, will es erneut wissen und schickt uns mit mit seinem nunmehr achten Film auf Menschenjagd im Gruselkabinett.

31 dreht sich um fünf Jahrmarkt-Schausteller, die auf dem Weg zu ihrem nächsten Veranstaltungsort mitten im US-amerikanischen Hinterland von einer Straßensperre aus Vogelscheuchen gestoppt wird. Von einer Gruppe maskierter Zeitgenossen überwältigt, finden sich die Freunde in einer Industrieanlage wieder, in der ihnen von einigen Aristokraten mitgeteilt wird, dass sie sich in einem Spiel auf Leben und Tod befinden. Das Ziel lautet: Überlebt die nächsten zwölf Stunden!

31 - offizielles Filmposter


Ein typischer Rob Zombie?
Als großer Fan von Rob Zombies Filmen und nach dem abolut fantastischen Lords of Salem war ich überaus gespannt auf sein neuestes Werk. Was wird mich erwarten? Eine Art 70er-Jahre-Terror-Kino wie House of 1000 Corpses oder seinem fast noch besseren Nachfolger The Devil’s Rejects? Oder gar ein experimentelles, visuelles Meisterwerk wie Lords of Salem? Am Ende kam nichts von beidem heraus. Ohne zu sagen, dass 31 ein schlechter Film ist, was er beim besten Willen auch nicht ist, wirkte der Streifen allgemein trotzdem sehr belanglos auf mich. Mein größtes Problem war, dass die typischen „Zombie’schen“ Merkmale, die ich so schätze und auf die ich mich so unglaublich gefreut hatte, völlig fehlten. Der Film wirkte, als hätte ihn jeder x-beliebige Regisseur abliefern können.

31 - Szenenbild


Ein totaler Flopp? Nein, sicher nicht!
Ich will mich zuerst einmal auf die positiven Dinge in 31 stürzen, denn auch, wenn ich den Film relativ weit unten in einer persönlichen Liste meiner Zombie-Favoriten einreihen würde, hat man hier, rein objektiv betrachtet, einen durchaus gelungenen Genrevertreter. Positiv hervorzuheben ist das Setting: Die Atmosphäre weiß durchaus, die Zuschauer in ein Gefühl des Unwohlseins zu versetzen. Die optische Darstellung der Charaktere ist fantastisch. Killer-Clowns mit Kettensägen, herrschende Aristokraten oder auch der hervorragend agierende Richard Brake als „Endgegner“. Zombie liefert zumindest hier voll ab, denn optisch wirkt das ganze durchaus fantasievoll und dreckig. Die Anfangsszene, die uns in den Film einleitet, ist absolut großartig! Nach den ersten Minuten dachte ich noch: „Ja, hier bist du richtig!“

Die Freude vergeht allerdings recht schnell. Schon zu dem Zeitpunkt, an dem einem die Protagonisten näher gebracht werden, merkt man, wie unglaublich stumpfsinnig und unsympathisch sie doch sind. Mir war es zu keinem Zeitpunkt möglich, auch nur den Hauch von Empathie für die Truppe aufzubauen. Von dort an war es mir schon ziemlich egal, was mit jedem Einzelnen passiert. Die äußerst stumpfen und „fuck“-lastigen Dialoge sind zwar stellenweise unterhaltsam, aber zu keinem Zeitpunkt anspruchsvoll. Kommen wir nun zum größten Kritikpunkt – die Kameraarbeit. Diese ist so gewöhnungsbedürftig, dass man zwischendurch das Gefühl hat, man müsse den Film pausieren und seinen Augen einen Moment Ruhe gönnen. Der Mensch hinter der Kamera wirkt gerade bei schnellen Szenen mit seinem Job absolut überfordert. Diese ruckelnden, hektischen Bilder in Kombination mit einer stellenweise schwerwiegenden Schnitttechnik erschweren das Zusehen ungemein und sind ab und an nahezu unerträglich.

31 - Szenenbild

Oh, Herr Zombie. Ich hatte mir von 31 wirklich viel versprochen. Was ich letztlich bekam, war ein 08/15-Terrorfilm, der so wirkte, als hätte er auch von jemand Anderem sein können. Die experimentellen Zombie-Elemente, auf die ich mich als riesengroßer Fan seiner Arbeiten so gefreut hatte, suchte ich vergeblich. 31 ist ein Film, den man unbedingt mögen möchte, an dem es aber trotzdem viel zu viel auszusetzen gibt. Dennoch möchte ich nochmal betonen, dass es sich hier um keinen schlechten Film handelt. Denn auch, wenn er nicht das geworden ist, was ich mir erhofft hatte, liefert Rob Zombie hier einen durchaus anständigen Genrefilm ab. Wer bereit ist, einige Abstriche, gerade im technischen Bereich, hinzunehmen, der wird hier durchaus seine Freude haben. Wer sich allerdings auf ein typisch „Zombie’sches“ Abenteuer gefreut hat, der wird mit der ein oder anderen Enttäuschung leben müssen.

Bildrechte: 31 © Tiberius Film

Seht hier den Trailer:

 

Fakten und Bewertung

Originaltitel: 31
Land: USA
Laufzeit: 102 Minuten
Regie: Rob Zombie
Drehbuch: Rob Zombie
Cast: Malcolm McDowell, Richard Brake, Jeff Daniel Phillips, Sheri Moon Zombie
IMDb: 5,1
FSK: ab 18 Jahren
Release: 27. Oktober 2016
Jan

Jan

Autor bei Film und Feder
Mein Name ist Jan und ich möchte euch zukünftig, zusammen mit meinen fabelhaften Mitstreitern, mit persönlichen Eindrücken und Meinungen zur vielfältigen Filmkunst versorgen. Als großer Fan des Horrorkinos, besonders der alten Schule, diskutiere ich immer gerne mit meinen Mitmenschen über das, was mir ein gesehenes Werk mitgibt. Schon seit vielen Jahren bin ich Fan von allem, was mir einen Schauer über den Rücken jagt. Das soll natürlich nicht heißen, dass ich mich vor anderen Genres verschließe, denn was gibt es schöneres als die bunte Vielfalt der filmischen Kunst. 🙂
Jan

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