Lammbock - Szenenbild mit Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz

Retro-Review: Lammbock (2001)

Die Coolness muss mehr so im Subtext mitschwingen… ein Ausflug in die Zeit, als deutsche Komödien noch Stil hatten.

Lammbock - Filmplakat Kai und Stefan sind beste Freunde. Obwohl Stefan sich eigentlich auf sein Jura-Examen konzentrieren sollte, betreibt er neben dem Studium gemeinsam mit Kai die Pizzeria „Lammbock“. Die allerdings dient primär dem geschickt getarnten Vertrieb diverser Cannabis-Produkte, und so haben die Beiden viel Zeit, um sich beim ein oder anderen Joint über die wichtigen Dinge des Lebens zu unterhalten: Stefans Gedanken über seine berufliche Zukunft, Erika Eleniaks Silikonbrüste und natürlich Mehmet Scholl. Eigentlich ein entspannter Alltag – wären da nicht die Blattläuse, die sich über die Marihuana-Plantage im Wald hermachen, ein Undercover-Polizist, der auf seinen Durchbruch hofft und die hübsche Jenny, die dem vergebenen Stefan den Kopf zu verdrehen droht.

 

„Sag mal, kommt Dir der Hochsitz nicht auch benutzt vor?“

Was den nachhaltigen Erfolg von Lammbock ausmacht, ist das intelligente Drehbuch, das nicht nur den Haupt- sondern auch den Nebencharakteren temporeiche Dialoge und Platz zum Spielen gibt. Und während dieser Film natürlich eine Komödie ist, so beschränkt sich Regisseur und Drehbuchautor Christian Zübert dankbarerweise auf einige wenige Slapstick-Elemente, die er mit Bedacht einstreut und lässt ansonsten der immer weiter eskalierenden Handlung ihren Lauf.

Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz haben merklich Spaß am berauschten Sinnieren über das physikalische Verhalten von Brustimplantaten auf Langstreckenflügen oder die Definition von „stilvoll“. Elmar Wepper glänzt in seiner Rolle als Stefans strenger Vater, dem als Richter besonders an der planmäßig ablaufenden Karriere seines Sohns gelegen ist. Eine kleine, aber feine Rolle spielt zudem Wotan Wilke Möhring, den man auf den ersten Blick kaum erkennt und dessen Charakter „Frank“ wir erfreulicherweise auch in der Fortsetzung wieder zu sehen bekommen.

Lammbock - Kai und Achim auf der Plantage
Kai und Achim auf der Plantage – kann der neue Freund bei der Lösung des Blattlaus-Problems behilflich sein?

„Alter, Du kannst doch nicht meiner kleinen Schwester vom Äugeln erzählen!“

Ohne „den deutschen Film“ schlechtreden zu wollen – aber echte Highlights, die sich nicht nur mit internationalen Produktionen messen können, sondern auch einen hohen Wiederholungswert haben, sind leider eher spärlich gesät. Besonders im Bereich der Komödien wurden in den vergangenen Jahren zwar zahlreiche Filme zu Kassenknüllern – wer aber Alternativen zur zehnten oder elften Schweiger-Schweighöfer-Beziehungs-Comedy sucht, wird meist enttäuscht.

Lammbock hingegen hat in all den Jahren seit seiner Veröffentlichung nichts von seinem Witz eingebüßt und bleibt damit auch beim zwanzigsten Anschauen originell, kurzweilig und vor allem enorm zitierfähig!

Lammbock - Jenny und Stefan
Jenny schmeißt eine Party – erliegt Jura-Student Stefan der Verführung durch seine Ex?

„Ihr Drecks-scheiß-Nazikommunisten-Schweine…Ihr!“

Wie schon der Kult-Hit Trainspotting, so hat auch Lammbock mit der Zeit seine eigene, treue Fangemeinde gewonnen. Und so verwundert es nicht, dass die Kiffer-Komödie in diesem Jahr immerhin 17 Jahre später endlich eine Fortsetzung erhält, die am 23. März in den deutschen Kinos startet. Aber, hey – Klassiker kicken eben mitunter sogar zeitverzögert.

Lammbock ist ein intelligenter Film und macht eine Menge Spaß – und zwar nicht nur nach dem Konsum bewusstseinserweiternder Botanik-Produkte! Und wer es schafft, ernsthaft witzige Situationskomik aus einem HIV-Test, einem Tourette-Anfall oder Gallmücken herauszuholen, der beweist zumindest eins: verdammt viel Stil.

Fakten und Bewertung

Originaltitel: Lammbock
Land: Deutschland
Laufzeit: 93 Minuten
Regie: Christian Zübert, Isabel Kleefeld
Drehbuch: Christian Zübert, Shalini Sonntag
Cast: Moritz Bleibtreu, Lucas Gregorowicz, Elmar Wepper, Alexandra Neldel
IMDb: 7,4
FSK: ab 16 Jahren
Release: Ab 23. August 2001 im Kino
Seht hier den Trailer:
Bildrechte: Lammbock © Senator Filmverleih GmbH
Friederike

Friederike

Admin und Autor bei Film und Feder
Warum ich über Filme schreibe? Weil Freude wächst, wenn man sie teilt!
Als jemand, der Filme häufig alleine schaut, fehlte mir oft der Austausch nach dem Abspann - die Diskussion kontroverser oder unklarer Aspekte, die Hoffnung, dass mein Gegenüber meine Lieblingsszene genau so mochte wie ich und manchmal auch nur das schamlose Schwärmen über den Hauptdarsteller. Das Veröffentlichen meiner Gedanken zum Film ermöglicht mir diesen Austausch mit einer großen Anzahl an Menschen, die das Medium ebenso lieben, wie ich.
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