Review: „T2 – Trainspotting 2“ (2017)

„T2 – Trainspotting“ ist die langerwartete Fortsetzung zum gleichnamigen Kultfilm und steht dem Original in keiner Weise nach. 

Choose life. Choose Facebook, Twitter, Instagram and hope that someone, somewhere cares. Choose looking up old flames, wishing you’d done it all differently. And choose watching history repeat itself. Choose your future. Choose reality TV, slut shaming, revenge porn. Choose a zero hour contract, a two hour journey to work. And choose the same for your kids, only worse, and smother the pain with an unknown dose of an unknown drug made in somebody’s kitchen. And then… take a deep breath. You’re an addict, so be addicted. Just be addicted to something else. Choose the ones you love. Choose your future. Choose life.

20 Jahre sind vergangen. 20 Jahre seit den Drogen, den kriminellen Deals und dem Verrat von Renton an seinen Freunden. Abgehauen mit 16.000 Pfund, ohne einen Blick zurück. Seitdem ist viel passiert und doch auch wieder nichts. Gefangen im alten Trott, sich immer auf der Stelle bewegend, lebt jeder weiter wie gehabt, wenn auch nicht ganz so heftig. Bis an dem Tag, an dem Renton nach Edinburgh zurückkehrt, um sich seinen alten Dämonen zu stellen. So auch seinen Freunden Spud, Sick Boy und Begbie.

Der 1996 erschienene Kinofilm „Trainspotting“ genießt bis heute Kultstatus. Der schnelle Rausch um fünf Freunde, die in einem Strudel aus Drogen, Gewalt und innerer Leere gefangen sind, hat ganze Generationen von Zuschauern und Filmemachern zugleich beeinflusst. Er hat Stars wie Ewan McGregor oder Robert Carlyle den Weg nach Hollywood geebnet und Danny Boyle zu einem der erfolgreichsten Regisseure Großbritanniens unserer Zeit gemacht. So war es nur eine Frage der Zeit, bis eine Fortsetzung in Planung war. Und diese dauerte genau 20 Jahre.

Nicht jedes Wiedersehen erzeugt Freude

Nun die wichtigste aller Fragen: „Ist das Sequel genauso gut wie das Original?“ Diese Frage kann man mit einem Jein beantworten. Auf der einen Seite erreicht der Film nicht einmal annähernd die Klasse des ersten Teils, während er auf der anderen Seite gar nicht erst versucht, so zu sein, wie das Original. „T2 –Trainspotting“ ist eher ein emotionaler Zusatz zu den Ereignissen am Ende von „Trainspotting“ und verlagert den Punkt der Storyline auf einen bodenständigen Aspekt. So geht es in „T2 – Trainspotting“ mehr um das Erwachsensein und damit einhergehende Probleme. Während es in Teil eins darum geht, sein Leben zu leben („Choose Life….), immer auf der Suche nach dem nächsten Kick, macht man sich im Sequel mehr Gedanken um Probleme wie Familie, Beziehungen, Freundschaften, der eigenen Vergangenheit und Geld. Die Clique ist erwachsen geworden und so bricht der Film mit der eigenen, einst erschaffenen, Systematik. So wird jeder, der einen Film wie „Trainspotting“ erwartet hat, mehr als enttäuscht sein, obgleich das Sequel durchaus sehr ansprechend, teilweise verträumt und sogar wirklich witzig ist. Man schafft es mehr und mehr, ein Verständnis für die Figuren zu entwickeln, wenn diese sich immer weiter mit ihrer Vergangenheit auseinander setzen und dabei versuchen, Fehler und Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Dass Regisseur Danny Boyle immer wieder Verweise auf „Trainspotting“ mittels Rückblenden, diversen kurzen und witzigen Anspielungen oder Erzählungen in Form von Gesprächsfetzten zieht, zeigt aber auch wie sorgfältig und behutsam er an die ganze Sache herangegangen ist und wie sehr ihm die Figuren am Herzen liegen. Man verspürt mit jeder verstreichenden Minute ein wohliges Gefühl der Vertrautheit – und das wiederum beweist einmal mehr, was für einen Status der erste Film erreicht hat. Denn egal, wann man „Trainspotting“ das letzte Mal gesehen hat; so bleibt einem, die eine oder andere Szene stets in Erinnerung und man ertappt sich dabei, wie man immer wieder ein leises „Ahh“ von sich gibt.

Jedoch muss sich Danny Boyle auch eingestehen, dass Fehler nicht ganz unumgänglich sind. So braucht es eine gewisse Zeit, bis sich der Film vollends fangen kann. Der erste Akt plätschert ein wenig vor sich hin, auch wenn er nicht weniger interessant ist. Vergleicht man ihn mit dem ersten Teil, so steht „T2-Trainspotting“ anfangs gar fast still, während „Trainspotting“ immer und immer wieder mit neuen Ideen und einem rasanten Storytelling aufwartet. Ebenso schleichen sich gelegentliche Ungereimtheiten im Skript ein, die vielleicht mit einigen wenigen Schritten hätten beseitigt werden können, da diese zwar nur minimal vorhanden sind,  sich aber durchaus bemerkbar machen. Doch das ist irgendwie alles Jammern auf hohem Niveau und ohne Bedenken zu verkraften. So bleibt trotzdem ein sorgenfreies Sehvergnügen, das die Lachmuskeln und vor allem die Tränendrüsen strapaziert.

Fazit: „T2 – Trainspotting“ ist Danny Boyles melancholische Fortsetzung und lässt den Zuschauer nostalgisch in die Vergangenheit blicken. So wird dieser Film zwar niemals den Status des Vorgängers erreichen, aber er ist durchaus mehrere Blicke wert. (Kleiner Tipp: Am besten als Double-Feature schauen.)

Fakten und Bewertung

Originaltitel: T2 TRAINSPOTTING
Land: GB
Laufzeit: 117 Minuten
Regie: Danny Boyle
Drehbuch: Irvine Welsh (Novel), John Hodge (Adaption)
Cast: Ewan McGregor, Robert Carlyle, Jonny Lee Miller, Ewen Bremner, Anjela Nedyalkova u.a 
IMDb: 7,9/10 
FSK: ab 16 Jahren
Release: 27. Januar 2017 (GB) 10. Februar 2017 (D)

Seht hier den Trailer:

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Jörg

Jörg

Autor bei Film und Feder
Hier soll etwas über mich drin stehen. Wo fange ich an? Hi ich bin...ach wisst ihr was? Ich mache es euch ganz einfach.

Filme sind meine Religion, das Kino meine Kirche, Quentin Tarantino mein Messias und die Hollywood Studios mein Mekka. Ohne all dieses bin ich ein Nichts. Ich bin verloren in der Magie des Films. Alles ist real, außer ich lasse es nicht zu.

Wie schon einst Stanley Kubrick sagte:
“A film is – or should be – more like music than like fiction. It should be a progression of moods and feelings. The theme, what’s behind the emotion, the meaning, all that comes later.”
Jörg

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