Review: „Collateral“ (2004)

Zwei Männer, eine Taxifahrt und die beschissenste Nacht ihres Lebens. „Collateral“ von Michael Mann (Regisseur von „Heat“) zieht alle Register und begeistert mit einem Crimedrama, das man so schnell nicht  wieder vergisst.

Max ist Taxifahrer in Los Angeles, der Nacht für Nacht seine Runden durch die Stadt zieht. Unscheinbar, mit großen Träumen, aber leider ohne Erfolg. In einer schicksalhaften Nacht steigt Vincent in sein Taxi und macht Max ein unwiderstehliches Angebot. Wenn Max ihn durch L.A. kutschiert, verdient er locker 600 Dollar Cash auf die Hand… Fünf Stops, eine Nacht, leicht verdientes Geld. Was Max aber nicht weiß, ist, dass Vincent ein Auftragskiller ist. So beginnt eine Fahrt, die das Leben beider auf eine harte Probe stellt.

„Siebzehn Millionen Einwohner. Wenn das ein Land wäre, wäre es die fünftgrößte Wirtschaftsmacht der Welt. Aber niemand interessiert sich für den anderen. Ich hab über diesen Kerl gelesen, der in der U-Bahn gestorben ist. Der ist noch sechs Stunden rumgefahren, bevor es irgend jemandem aufgefallen ist. Seine Leiche reist durch L.A., die Menschen steigen ein und aus, sitzen neben ihm. Niemand registriert es.“

-VINCENT-

Warum „Collateral“ einer besten Filme unserer Zeit ist, lässt sich anhand vieler unterschiedlicher Gesichtspunkte erklären. 

1.Das Skript

Man könnte „Collateral“ vorwerfen, dass die Geschichte um einen Taxifahrer, der einen Auftragskiller durch die Gegend kutschiert, schlicht und einfach zu simpel ist. Dabei ist es genau eben jene Einfachheit, die die Story zu etwas besonderem macht. So schafft es Michael Mann im Laufe der Spielzeit, seinen Figuren Leben einzuhauchen. Sie sind nicht einfach nur Charaktere in einem Film, sondern fühlen sich real an. Während der ein oder andere womöglich auf die nächste Actionszene wartet (welche alles andere als schlecht sind), sind es gerade die stillen Momente, die den Film am Laufen halten. Es geht um zwei Männer die merken, dass sie gar nicht so unterschiedlich sind, wie man es am Anfang vermutet. Was sind ihre Motivationen, Tag für Tag aus dem Bett zu steigen und ihren Job zu machen? Sind sie glücklich mit dem, was sie machen? Da haben wir Max, der einen Traum hat, ihn aber nicht erfüllen kann, weil ihn sein Job einfach nicht lässt. Er ist gefangen in seiner Routine, tut immer das selbe, ohne zu merken, wie schnell die Zeit verfliegt. Und dann haben wir da Vincent. Einen Auftragskiller, der immer davon spricht, dass das, was er macht, lediglich ein Job ist. Er tötet Menschen, um selber zu überleben. Doch was macht er, wenn er mal nicht loszieht und andere tötet? Was hat er für ein Leben? Und genau das ist es, was „Collateral“ in Puncto Skript einfach vom Anfang bis zum Ende richtig macht: Er lässt zwei Welten aufeinander treffen, nur um diese zu verschmelzen. Denn jeder hat eine Vergangenheit, die es zu erzählen gibt.

2. Der Cast 

Tom Cruise und Jamie Foxx sind die Stars in diesem Film und spielen bis an die Grenze der Perfektion. Cruise mimt den unterkühlten Vincent, der immer wieder zu glauben scheint, die Kontrolle über das Ganze zu haben, ohne zu bemerken, wie ihm genau eben jene Kontrolle langsam, aber sicher aus den Händen rutscht. Die Art und Weise, wie er spricht, sich bewegt, seine Reaktion auf Situationen, ist einfach unglaublich. Er strahlt eine Aura aus, bei der man eine Gänsehaut bekommt und froh ist, nicht neben ihm im Taxi sitzen zu müssen. Jamie Foxx hingegen ist genau das Gegenteil. Als Max nimmt er die Rolle des „normalen“ Bürgers ein. Er wirkt charmant, verträumt und weiß nicht so recht, wie er mit der ganzen Situation umgehen soll. Er versucht immer wieder, aus der gefährlichen Lage herauszukommen und muss daher vorsichtig sein. Das macht ihn zu einem sehr interessanten Character, für den man Mitgefühl entwickeln kann. Mark Ruffalos Figur steht im Verhältnis zu Cruise/Foxx eher im Schatten beider und trägt nicht wirklich viel zur Story bei. Das ist aber angesichts zweier solcher Performances durchaus verschmerzbar.

3. Die Optik

Michael Mann ist dafür bekannt, ein sehr experimentierfreudiger und leicht besessener Regisseur zu sein. Bei Dreharbeiten nimmt er auch schon mal selber die Kamera in die Hand, um seine Visionen in Szene zu setzen. So hat Mann beispielsweise bei „Collateral“ mit verschieden Kamerasystemen gleichzeitig gearbeitet und was dabei heraus gekommen ist, ist einfach der pure Wahnsinn. Durch den Einsatz von herkömmlichen Digitalkameras, kombiniert mit Panavision-Kameras, wirkt das Bild ungewohnt natürlich, ja fast schon biologisch. Man hat das Gefühl, Teil des Geschehens zu sein, was ebenso daran liegt, dass das Bild durch den Einsatz sogenannter Steady-Cams selten ruhig steht, ohne zu übertreiben. So wirken die Actionszenen in „Collateral“ dynamisch vibrierend und trotzdem alles anders als hektisch, während die ruhigen Aufnahmen im Taxi fast schon spielerisch dahingleiten und immer wieder in fließenden Bewegungen hin und her schwingen. Was dem Ganzen aber die Krone aufsetzt, sind die wunderschönen, fast schon atemberaubenden Aufnahmen von L.A. bei Nacht. Das muss man gesehen haben, um es glauben.

4. Der Soundtrack

Was wäre ein guter Film ohne einen guten Soundtrack? Ok… immer noch ein guter Film. Doch die richtige Musik kann eine Szene noch stärker machen. Und genau das schafft der Soundtrack von „Collateral“ mit Bravour. Die Spannbreite der Tracks reichen von coolen Südstaaten-Bluesriffs  (Tom Rothrock – ‚Rollin‘ Crumblin) über  vibrierende Elektro-Beats (Oakenfold- Ready, Steady, Go), bis hin zu klassischen Score-Stücken von James Newton Howard. Wie wunderbar die Kombination aus Bild und Ton funktioniert, kann man HIER sehen. (Link im Wort HIER.)

 

Fazit: „Collateral“ ist mit bestem gewissen Michael Manns beste Regiearbeit seit „Heat“ und man kann getrost sagen, dass er es fast geschafft hat, sein eigenes Meisterwerk noch einmal zu übertrumpfen.  Zuschauern, die mehr wollen, als stupide Action, sei dieser Film ans Herz gelegt. Ihr werdet ihn lieben. Euer Autor tut es zumindest.

 

Fakten und Bewertung

Originaltitel: Collateral
Land: USA
Laufzeit: 120 Minuten
Regie: Michael Mann
Drehbuch: Stuart Beattie
Cast: Jamie Foxx, Tom Cruise, Mark Ruffalo, Jada Pinkett Smith, Javier Bardem, Jason Statham u.a
IMDb: 7,6/10 
FSK: ab 16 Jahren
Release: 6. August 2004

Bildrechte: © 2003 Dreamworks Productions, LLC. All Rights Reserved.

Den Trailer zum Film gibt es hier:

Jörg

Jörg

Autor bei Film und Feder
Hier soll etwas über mich drin stehen. Wo fange ich an? Hi ich bin...ach wisst ihr was? Ich mache es euch ganz einfach.

Filme sind meine Religion, das Kino meine Kirche, Quentin Tarantino mein Messias und die Hollywood Studios mein Mekka. Ohne all dieses bin ich ein Nichts. Ich bin verloren in der Magie des Films. Alles ist real, außer ich lasse es nicht zu.

Wie schon einst Stanley Kubrick sagte:
“A film is – or should be – more like music than like fiction. It should be a progression of moods and feelings. The theme, what’s behind the emotion, the meaning, all that comes later.”
Jörg

Kommentar verfassen