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Das Filmjahr 2016 – Ein Rückblick

2016 war ein mieses Jahr für Filme? Ganz im Gegenteil! Meine Highlights des vergangenen Kinojahres stelle ich Euch hier vor.

Was wurde nicht gemeckert über das vergangene Filmjahr: zu unkreativ, zu platt, zu sehr auf Nummer Sicher gespielt. Zu viele Remakes, Re-Imaginings und Reboots, zu viele Sequels, Prequels und Spin-Offs. Diese Kritik komplett vom Tisch zu fegen, ist natürlich falsch – 2016 war eindeutig ein Jahr, in dem sich viele Studios auf ihre bewährten Erfolgsrezepte verließen und bereits etablierte Reihen fortsetzten, neu auflegten oder sich filmisch zumindest in ihrer Umgebung bewegten. Dennoch: Ich habe selten so viel Spaß im Kino gehabt, wie im vergangenen Jahr!

Zugegeben: Die meisten Blockbuster, auf die ich mich im Vorfeld so gefreut hatte, ließen mich letztendlich kalt. Ob Suicide Squad, Batman vs. Superman oder der nicht nur überflüssige, sondern wirklich unerträgliche Independence Day: Resurgence – insgesamt hatte ich oftmals das Gefühl, dass hier eigentlich mehr hätte passieren sollen, als den Kinosaal letztendlich erreicht hat. Aber es gab eben auch die packenden, die emotionalen, intelligenten und originellen Filme. Meine Favoriten des Jahres 2016 möchte ich Euch hier vorstellen.

Spannend

2016 war ein fabelhaftes Jahr für all diejenigen, die den gewissen Thrill beim Filmabend suchen! Ob Hollywood-Produktionen wie Don’t Breathe und 10 Cloverfield Lane,  Filme abseits des Mainstreams wie I am not a Serial Killer und der großartige The Girl with all the Gifts oder internationale Gänsehaut-Garanten wie The Wailing (Südkorea) oder Under the Shadow (Iran/UK) – im letzten Jahr sind Freunde des inszenierten Grauens voll auf ihre Kosten gekommen. Wer mehr über das Horror-Jahr 2016 erfahren möchte, ist bei unserem Grusel-Guru Flo bestens aufgehoben, daher werde ich an dieser Stelle gar nicht weiter ins Detail gehen!

Filmjahr 2016 - The Wailing
The Wailing – Geister-Horror aus Südkorea. © 20th Century Fox

 

Spaßig

Kino soll unterhalten. Oft will man einfach lachen, mitfiebern und eine unanständig große Portion Popcorn vertilgen, während sich auf der Leinwand spektakuläre Explosionen, rasante Verfolgungsjagden und schlagfertige Dialoge abwechseln. Blockbuster können vieles richtig, aber eben auch vieles falsch machen. Das „falsch“ ist die Annahme, dass man eine Film nur für den schnellen Taler in der Kinokasse produziert, ohne Substanz, also quasi Zuckerwatte zum Schauen: im ersten Moment optisch überwältigend, fluffig und bunt – aber weder nachhaltig sättigend, noch nahrhaft. Das „gut“ sind tolle Drehbücher, ein gut zusammenspielendes Ensemble und Respekt vor dem Publikum. Alle diese Faktoren vereinten sich in 2016 sowohl in Star Trek Beyond als auch in Deadpool. Der gelungene Mix aus Nostalgie, Action und Liebe zum Detail im neuesten Abenteuer von Captain Kirk & Co. ließ leichte Schwächen in der Story verzeihen und begeisterte nicht nur eingefleischte „Trekkies“. Marvels wohl ungehobelster Superheld Deadpool, der mit absurd-überzogenen Gewaltszenen, einer gehörigen Portion Selbstironie und einem fabelhaften Soundtrack aufwarten konnte, wurde auch dank des genialen Marketings verdienterweise zum Kassenknüller – und das im normalerweise sehr mauen Kinomonat Februar.

Filmjahr 2016 - Deadpool
Deadpool fluchte und ballerte sich ins Herz der Zuschauer. © Twentieth Century Fox of Germany GmbH

 

Abgefahren

Mich faszinieren Filme, die neue Wege gehen, kuriose Geschichten erzählen, zum Nachdenken anregen und einfach anders sind. Filme, über die man noch lange nach dem Verlassen des Kinosaals grübelt und über die man am liebsten sofort mit anderen Besuchern diskutieren möchte. Gleichzeitig wünsche ich mir so sehr, dass mehr Menschen diese cineastischen Juwelen sehen und zu schätzen lernen, denn nur, indem man den Mut der Filmemacher zur Originalität an der Kinokasse belohnt, fördert man die Produktion derartiger Projekte, die für die gewisse Würze im Hollywood-Einheitsbrei sorgen. Meine  Preise für die abgefahrensten Filme 2016 gehen an Swiss Army Man, The Lobster und The Neon Demon.

Filmjahr 2016 - Swiss Army Man
Rührende Wildnis-Bromance: Swiss Army Man. © Capelight/Koch Films/Central

Swiss Army Man, der vor allem unter der Beschreibung „Harry Potter als furzende Leiche“ eher berüchtigt als bekannt wurde, hat mich zum Lachen, Weinen und Staunen gebracht. „Eine tragikomische Wildnis-Bromance voller Körperfunktions-Humor und gleichzeitig vieler liebevoller Momente“ – so habe ich den Film an anderer Stelle einmal beschrieben. Daniel Radcliffe und Paul Dano spielen mit Hingabe jede noch so verrückte Szene und machen diesen Film dadurch zu einem Riesenspaß für Filmfans.

Alleinsein verboten: Singles werden in Hotels gesperrt, wo sie 45 Tage Zeit für die Suche nach einem Lebenspartner bekommen, um nicht zur Strafe in ein Tier verwandelt zu werden. Die Prämisse von The Lobster klingt so seltsam, dass ich nicht einmal einen Trailer benötigt habe, um diesen Film unbedingt sehen zu wollen. Colin Farrell und Rachel Weisz glänzen in dieser bitterbösen und tiefschwarz-humoristischen Dystopie über Liebe und gesellschaftliche Erwartungen.

The Neon Demon ist das neueste Werk des dänischen Regisseurs Nicolas Winding Refn, der sich durch seine kontroverse Erzählweise und überstilisierte Darstellung einen Namen gemacht hat. Wie ein knapp zweistündiger, goldüberzogener Fiebertraum überwältigt der Film mit seiner Bildsprache und der surreal-bedrohlichen Atmosphäre und hat mich gleichermaßen fasziniert und angeekelt. Protagonistin Elle Fanning vereint Unschuld und Sünde in ihrer Darstellung des minderjährigen Models Jesse, das in der abgründigen Glamourwelt L.A.s zum neuen Star avanciert.

Herzerwärmend

Ein verliebter Junge im Dublin der 80er Jahre, der eine Band gründet, um das Mädchen seiner Träume zu beeindrucken. Ein junges Künstlerpaar in Los Angeles, dessen frische Beziehung durch unterschiedliche Lebenswege auf die Probe gestellt wird. Ein Vater, der seine Kinder fernab der von ihm abgelehnte Gesellschaft in der Wildnis aufzieht und durch eine Tragödie dazu gezwungen wird, dieser den Rücken zu kehren. Die Rede ist von Sing Street, La La Land und Captain Fantastic.

Liebe, Zusammenhalt und viel Musik prägen diese drei Filme, die vom diesjährigen rekordverdächtig Oscar-nominierten Musical bis zum leider kaum beachteten Indie-Drama reichen. Außenseitern, Träumern und Idealisten werden filmische Denkmale geschaffen, die den Zuschauer seinen Alltag vergessen und ihn zumindest zeitweise in eine bunte und fantasievolle Alternativwelt entführen. Manchmal sind Familienmitglieder die einzigen Freunde, die man hat, manchmal Freunde die einzige Familie, die man braucht. Eines haben diese drei Filme gemeinsam: eine große Portion Herz!

Filmjahr 2016 - Captain Fantastic
Captain Fantastic – originelle Idee mit Herz. ©  Universum Film GmbH

Herausragend

Wie beschreibt man einen Film, den man kaum in Worte fassen kann? Den man jedem empfehlen, aber gleichzeitig niemandem verraten will? Mein Top-Film des Jahres 2016 ist intelligent, optisch umwerfend, emotional und besticht durch großartige Charaktere und eine fesselnde Geschichte.

Die Rede ist von Arrival – dem neuesten Meisterwerk von Regisseur Denis Villeneuve, der in den vergangenen Jahren schon mehrfach sein Fingerspitzengefühl für anspruchsvolle Storys bewiesen hat (Enemy, Prisoners, Sicario). Basierend auf Ted Chiangs Kurzgeschichte „Story of Your Life“ ist Arrival ein Science-Fiction-Film, der trotz Aliens und Raumschiffen erstaunlich geerdet ist. Wissenschaftlich, ohne trocken zu sein; spannend, ohne in billige Effekthascherei zu verfallen; philosophisch, ohne belehren zu wollen und rührend, ohne mit Pathos zu überfrachten.

Amy Adams spielt die Linguistin Dr. Louise Banks, die vom Militär damit beauftragt wird, den plötzlich auf der Erde gelandeten Außerirdischen den Grund ihrer Ankunft zu entlocken. Adams porträtiert ihren Charakter dabei verletzlich und gleichzeitig selbstbewusst, voller Ehrfurcht vor der  Aufgabe und den fremden Lebewesen und doch kompetent und vernünftig. Dass ihre Leistung nicht mit einer Oscarnominierung belohnt wurde, hat mich bitter enttäuscht.

Wer ein schnelllebiges Effektfeuerwerk erwartet, wird hier nicht auf seine Kosten kommen. Laserkanonen und Weltraumrennen sucht man vergeblich. Wer sich aber auf einen „leisen“ Science-Fiction-Film einlässt und das Vertrauen aufbringt, Szenen, die er nicht auf Anhieb zu versteht, erst einmal auf sich wirken zu lassen, der wird belohnt: Arrival überwältigt und bleibt beim Zuschauer – lange, nachdem er das Kino verlassen hat.

Filmjahr 2016 - Arrival
Mein Höhepunkt im Filmjahr 2016: Arrival. © Sony Pictures Releasing GmbH

 

Titelbild: The Lobster, © Sony Pictures Home Entertainment

Friederike

Friederike

Admin und Autor bei Film und Feder
Warum ich über Filme schreibe? Weil Freude wächst, wenn man sie teilt!
Als jemand, der Filme häufig alleine schaut, fehlte mir oft der Austausch nach dem Abspann - die Diskussion kontroverser oder unklarer Aspekte, die Hoffnung, dass mein Gegenüber meine Lieblingsszene genau so mochte wie ich und manchmal auch nur das schamlose Schwärmen über den Hauptdarsteller. Das Veröffentlichen meiner Gedanken zum Film ermöglicht mir diesen Austausch mit einer großen Anzahl an Menschen, die das Medium ebenso lieben, wie ich.
Friederike

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