Contra: „La La Land“ (2016)

Philipp
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„La La Land“ ist DER Oscar-Favorit? Warum ich den grottenschlecht finde.  

Ich mag Emma Stone. Ich mag Ryan Gosling noch mehr. Ich liebte „Whiplash“ – ein Geniestreich! – und konnte den nächsten Film von Damien Chazelle kaum erwarten.
Und dann kam „La La Land“ – ein Musical also.

Wenn man sich die sensationell gemachte Verstrickung von Musik und großartiger Story bei „Whiplash“ in Erinnerung ruft, als man jede Sekunde die Liebe von Chazelle zu Musik beziehungsweise Jazz spüren konnte, konnte einem nur der Gedanke kommen: „Ja das passt.“

Und wieder schrieb Chazelle das Drehbuch – umso besser. Er hat auch bei „10 Cloverfield Lane“ bewiesen, schreiben kann er!

Zurück zu Emma und Ryan, ein weiterer Baustein für einen guten Film, auf den man sich freuen kann – die Chemie zwischen den Darstellern. Dass das kein Problem ist, hat man in „Crazy Stupid Love“ und „Gangster Squad“ eindrucksvoll sehen können.
Darüber hinaus sind beide Darsteller etwas fürs Auge.

Ich mag Musicals. Sie haben ihre eigenen Gesetze, sie geben einem ein gutes Gefühl, sie heben die meistens extrem unterschätzte Wichtigkeit von Musik und Sound für die Atmosphäre von Filmen und Szenen auf ein gleichwertiges Level zu den bewegten Bildern. Insofern halte ich Musicals besonders Jahrzehnte nach der Goldenen Ära der Musicals im Kino für immens wichtig.
Und auch der von mir geliebte Jazz spielt eine wichtige Rolle in diesem Film.

Nicht zu vergessen eine Underdog-Story – Nobodies schaffen es letztendlich gegen alle Widrigkeiten ihren Traum zu erfüllen – als Hintergrund. Ein Thema, das sich irgendwie nie ablutscht bei uns Normalsterblichen und emotional packt, aber auch oft genug in Grund und Boden inszeniert wird. Als Sahnehäubchen wird der Film mit Lobeshymnen überschüttet, räumt bei den Golden Globes ab und ist mit 14 Nominierungen absoluter Top-Favorit bei den Oscars. Last but not least schließt sich unser Jörg in seiner Review den Lobeshymnen an.

Damien Chazelle – Musical – Emma und Ryan – Underdog-Story – Kann ja nix schiefgehen, oder?

Es kann also nichts mehr schiefgehen. Das muss ein Knaller sein, ich freue mich auf den Abend mit „La La Land“.

Bereits nach wenigen Minuten taucht das erste Fragezeichen vor meinem geistigen Auge auf. Nach 30 Minuten machen sich Stirnrunzeln und Langeweile breit.
Als die erste Stunde um ist, fällt mir ein, der Film ist für 14 Oscars nominiert.

„What the fuck…?“, ist mein Gedanke.

Musicals sind Geschichten, ergänzt durch geschickt eingesetzte Musik/Gesangs/Tanz-Einlagen. „La La Land“ ist eine Aneinanderreihung von schlechten, uninteressanten  Musik/Gesangs/Tanz-Einlagen und Hommagen, gefüllt mit einer verdammt dünnen, in allen Facetten vorhersehbaren Story. Nichts gegen Hommagen, diese sind aber nur dann gut, wenn sie interpretiert werden, oder ganz kurz als „Aha“-Moment und sind keine Grundlage für einen 2 Stunden High-End-Film. Quentin Tarantino und Martin Scorsese haben das zu einer eigenen Kunstform entwickelt und sind Meister darin.

„Was soll das? Wozu schaue ich mir das an?“ frage ich mich alle paar Minuten.
Die zugegeben gute Jazz-Musik zwischendurch und die Chemie zwischen Emma Stone und Ryan Gosling retten mich irgendwie durch die letzte Stunde.
Ich zitiere Jörg: “Ist das kitschig? Na Klar! Extremst vorhersehbar? Aber so was von! Und doch wunderschön und liebevoll erzählt.”
Genau da sehe ich das Problem. Der Kitsch und die Vorhersehbarkeit zeigt die extrem dünne Substanz hinter diesem Film und das ist fast nicht zu ertragen.

Nur wegen schönen Bildern und sympathischen Protagonisten soll man drüber wegsehen?
Nein! Sicher nicht!

Der Versuch, positive Aspekte zu finden

Gut, wenigstens mit dem Ausgang der Geschichte zwischen den beiden Haupt-Protagonisten überrascht Chazelle ein wenig, aber die unsäglich peinliche „Was wäre wenn-Dream“-Passage hätte er sich wieder sparen können. Die passt da nicht rein, die bringt auch keinerlei Emotionen rüber, die man sich eventuell kümmerlich hätte aufbauen können die zwei Stunden davor.
Ich hätte nie gedacht, einmal einen Film so zu zerreissen. Ich finde in fast jedem Film etwas Positives. Und sei es nur das unfreiwillig Komische am Trash.
Aber hier tue ich mir sehr sehr schwer. Die kurz aufflackernden bemühten Humorversuche sind dermaßen schwach, ich habe zwischendurch überlegt, youtube zu öffnen und „funny dogs“ einzugeben, damit mir ein Schmunzeln entkommt.

Fazit:
Ich bin mal nicht so böse – je ein halber Punkt für die Chemie zwischen Emma und Ryan und für die Jazz-Musik.
Ich will aber noch einen Aspekt nicht vergessen:
J.K.Simmons hat einen Cameo-Auftritt. Aber selbst der ist vollkommen vermasselt. Da hätte man eine einprägsamere Rolle oder Auslegung finden können, z.B. als Schlagzeuger oder Dirigent, wenn man schon so viel Hommage zelebriert. Alleine schon wegen der gemeinsamen erfolgreichen Vorgeschichte.
Da wird mir Schwarzeneggers 1 Sekunden Cameo in „Welcome to the jungle“ mehr in Erinnerung bleiben. Das ist bei einem Kaliber wie Simmons ein Skandal! – Minus ein halber Punkt.
Und so ein Machwerk wird in der heutigen Oscar-Nacht wahrscheinlich gewaltig abräumen. Da verstehe ich die Filmwelt nicht mehr.

„La la Land“ – ein Desaster mit 0,5 von 5 Punkten.

Fakten und Bewertung

Originaltitel: La La Land
Land: USA / Hong Kong
Laufzeit: 128 Minuten
Regie: Damien Chazelle
Drehbuch: Damien Chazelle
Cast: Ryan Gosling, Emma Stone, Rosemarie DeWitt, J.K. Simmons
IMDb: 8,5
FSK: ab 0 Jahren
Release: Ab 12. Januar 2017 im Kino
 Seht hier den Trailer:

Bildrechte: La La Land © Studiocanal GmbH Filmverleih

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