2016- Ein persönlicher Jahresrückblick

2016. Ein Filmjahr wie jedes andere? Vielleicht. Und doch gab es auch in diesem Jahr wieder einmal Filme auf die man gewartet hat, die vielleicht erst beim zweiten Anlauf funktionierten oder die man gar nicht auf den Zettel hatte. Ich präsentiere euch meinen ganz persönlichen Jahresrückblick. Kurz, schmerzfrei und ohne Verluste. 

Egal ob Komödie, Actionfilm, Sci-Fi, Drama, Western oder Animation. 2016 hatte mal wieder alles im parat was das Herz begehrt. 

Ich könnte meine Lieblinge des letzten Jahres standesgemäß als Top 10 Liste heruntertippen und mich freuen, das es jemand liest. Super! Toll! Weitermachen! Mal ganz unter uns. Würdet ihr das lesen wollen? Mal reinschnuppern vielleicht, aber sonst? Nee, ich glaube eher weniger. Also dachte ich mir, wir setzten uns (oder besser IHR setzt euch) hin und schauen uns so an was los war im letzten Jahr. Keine Nummern, keinen Countdown. Na dann. Kaffee geschnappt und ab geht die wilde Fahrt.

„Schluck Staub, Gringo“ Western der alten Schule im neuen Gewand. Anders, aber gut.

„Die Glorreichen Sieben“

Ach ja, Western. Filme für ganze Kerle. Blei soweit das Auge reicht, markante Sprüche und raue Sitten. Auch 2016 durfte wieder geritten, geschossen, betrogen und geflucht werden. Ob in „The Hateful Eight“, „Bone Tomahawk“, “ Das Duell“ oder in „Jane Got A Gun“. Alles Gute bis sehr gute Filme (Allen voran der letzte Streich Quentin Tarantinos, den ich wie die Jury der  6. Oscarverleihung ohne zu gucken in die Top 10 Liste gewählt hätte). Doch all dies schmälert nichts daran, das der beste Western des letzten Jahres schlichtweg „Die Glorreichen Sieben“ ist.  Trotz des Aspektes das es sich um ein Remakes handelt, funktioniert  dieser Film einfach wundert.  Witzig, temporeich und schlagfertig. Mehr brauche ich bei einem guten Western nicht. Solange die Jungs sich gegenseitig erschießen und kurz zuvor noch lässig irgendwelche markanten Sprüche raus lassen, ist das mehr als genial. Ich jedenfalls hatte einen riesen Spaß und noch Tage danach die Titelmelodie im Kopf.

 Darf es etwas zum Lachen oder gruseln sein? Komödie vs. Horrorfilm.

„Captain Fantastic“

Manchmal fällt mir die Wahl des Genres sehr schwer. An solche Tagen, kann ich mich einfach nicht entscheiden ob ich was zum Lachen oder was zum gruseln gucken möchte. Auch dieses Jahr viel es mir wieder einmal sehr schwer an der Kinokasse auszuwählen, in welchen Film ich (zuerst) gehe. Und das bei Komödien wie: „Deadpool“ (Obwohl. Bei dem brauchte ich keine Bedenkzeit), „The Nice Guys“ (Ryan Gosling und Russell Crowe sind einfach ein Dreamteam) oder den wirklich charmanten „Captain Fantastic“ (Der Vollbart brachte Viggo Mortensen immerhin eine Oscarnominierung). Doch auch der ein oder andere Horrorfilm zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Ob das okkulte Psychodrama „The VVITCH“ (ein Hoch auf das alljährliche Fantasy Film Fest), den rasanten „Lights Out“ (der mich hin wieder einmal mit Licht schlafen lassen hat) oder den ultra spannenden Horrorthriller „Don’t Breathe“ (wieder der Beweis, das Horrorfilme bei den großen Awards keinen Anklang finden, was wirklich schade ist). bei solch einer Auswahl, kann man schon mal in Schwitzen geraten. Am Ende war es dann der Thriller „Money Monster“ mit Schmierbacke George Clooney.

Von Außenseitern, oder „Filme die nur Kritiker mögen“. 

Bei dem Wort „Indie-Film“ stöhnt der allgemeine Mainstream Liebhaber oftmals vor lauter Entrüstung und vorahnender Langeweile meist lauthals auf. Ich reibe mir Hände, schlucke einmal kräftig, damit mir der Sabber nicht aus dem Mund läuft und bekomme ein Glitzern in den Augen. Ebenso wie in diesem Jahr. So standen auf dem Spielplan kleine aber feine Perlen wie der neuste Streich von Jim Jarmusch „Paterson“ (eine Ode an den Alltag und das Leben), der unkonventionelle Liebesfilm „The Lobster“ (Hummer sind auch nur Menschen), das stylische Horrordrama „The Neon Demon“ von „Drive“-Regisseur Nicholas Winding Refn, sowie die extrem duchgeknallte Komödie „The Greasy Strangler“ (Fett ist mehr als ein Schmiermittel). Doch den Höhepunkt in der Indie-Film Szene war eindeutig dar fantastische Abenteuerfilm „Swiss Army Man“.  Dieser Film war so liebevoll, witzig, traurig und charmant zugleich inszeniert, bei einem nicht nur das Herz zu hüpfen beginnt, sonder auch die Gehirnmasse anfängt zu brodeln. Und seien wir man ganz ehrlich: Habt ihr schon einmal einen Film gesehen in dem eine furzende Leiche die Hauptrolle spielt?

Der krönende Abschluss eines erfolgreichen Jahres.

Ihr habt es fast geschafft. Ganze drei Filme müsst ihr noch erdulden, bevor ich euch wieder entlasse. Also passt gut auf. Nur einmal noch.

Zwischen Rebellen und Tierwesen.

„Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“

Was haben „Star Wars“ und „Harry Potter gemeinsam? Nichts? Nicht so ganz. Denn beide Franchise haben jeweils ein Spin-Off, die mir im letzten Jahr die Ohren haben schlackern lassen. Da wäre zu einem „Rogue- One: A Star Wars Story“ und zum anderen „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“.  Beide sind eine Art Prequel und stehen zugleich für sich alleine. Beide sind grandios inszeniert, verdammt witzig und spannend gleichermaßen. Und beide habe ich mindestens
drei Mal im Kino gesehen. Was soll man sagen. Ich liebe sie einfach von der ersten bis zur letzten Sekunde. Wobei ich Newt Scamander und  Jacob Kowalski den Vortritt geben muss. Es ist einfach traumhaft mit ihnen zu lachen, zu weinen und zu staunen. Auch wenn mir der erneute Kinofilm Auftritt von Darth Vader die Spucke verschlagen hat. Dieses Keuchen. Ikonisch. P.s. Schenkt mir einer einen Niffler?

Wie ein kleiner britischer Film Hollywood in die Knie zwingt.

„Ich, Daniel Blake“

Und hier ist er. Mein Lieblingsfilm 2016. „Ich, Daniel Blake“ von Ken Loach. Ich muss gestehen, das der Film überhaupt nicht auf meiner Liste stand. Er als ich immer wieder von verschiedenen Freunden gehört habe, wie gut der Film sein soll, habe ich mich entschlossen, mir doch ein Kinoticket zu kaufen. Also betrat ich den Saal, setzte mich auf meinen Platz, durchstand die Werbung (Wieso dauert die Werbung vor dem Film nur immer so lange?) und sah mir den Film an. Ungefähr 100 Minuten später, verließ ich das Kino, mit Tränen unterlaufenden Augen, zu Fäusten geballten Händen und einer „Stinkwut“ im Bauch. „Ich, Daniel Blake“ tut weh. In ganzer Linie. Für mich gehört er nicht nur zu den besten Filmen des gesamten letzten Jahres, sondern auch zu den wichtigsten der letzten Jahre. Ein kleiner Film aus Großbritannien, mit ganz großer Wirkung.

Das waren sie. Meine Highlight des letzten Jahres. Ich hoffe ihr hattet Spaß und habt euch nicht zu sehr gelangweilt. Auf jeden Fall würde ich mich freuen, wenn ich euch den einen oder anderen Film näher gebracht habe, obwohl ich nicht viel darüber erzählt habe. Nichtsdestotrotz wünsche ich alles Gute und hoffen wir mal zusammen, das 2017 auch wieder zu überraschen vermag.

Bildrechte:

„Ich, Daniel Blake“ – © Prokino (Fox)

„Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ – © Warner Bros. Entertainment

„Paterson“ – © Weltkino Filmverleih

„Captain Fantastic“ – © Bleecker Street Media

„Die Glorreichen Sieben“ – © Sony Pictures Releasing GmbH

Jörg

Jörg

Autor bei Film und Feder
Hier soll etwas über mich drin stehen. Wo fange ich an? Hi ich bin...ach wisst ihr was? Ich mache es euch ganz einfach.

Filme sind meine Religion, das Kino meine Kirche, Quentin Tarantino mein Messias und die Hollywood Studios mein Mekka. Ohne all dieses bin ich ein Nichts. Ich bin verloren in der Magie des Films. Alles ist real, außer ich lasse es nicht zu.

Wie schon einst Stanley Kubrick sagte:
“A film is – or should be – more like music than like fiction. It should be a progression of moods and feelings. The theme, what’s behind the emotion, the meaning, all that comes later.”
Jörg

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