Review: „Toni Erdmann“ (2016)

Der pensionierte Musiklehrer Winfried Conradi und seine Tochter Ines, die in Bukarest als Unternehmensberaterin arbeitet, haben sich ziemlich voneinander entfremdet. Der zu bizarren Scherzen neigende Vater reist überraschend nach Rumänien und stellt das Leben seiner Tochter auf den Kopf.

Hoch gelobt, aber…

Der Film ist erstens zu lang, zweitens nicht lustig genug, drittens nicht dramatisch genug und viertens gibt es keine Figur, mit der man sich so richtig identifizieren möchte. Die Schauspielleistungen von Sandra Müller und Peter Simonischek sind sehr gut, allerdings ist die Tochter eine so dermaßen spießige Zimtzicke, dass man über den ganzen Film nicht mit ihr warm wird. Der Vater dagegen ist der einzige Sympathieträger des Films. Er lässt nichts unversucht, seine Tochter peinlich zu berühren – am liebsten mit schlechten Horst-Schlämmer-Imitationen. Schon klar: Er versucht seine Tochter wachzurütteln. Aber wahrscheinlich ist gerade dieses extravagante Verhalten ursächlich für die Entfremdung zwischen den beiden – dann noch Öl ins Feuer zu gießen, ist nicht die allerbeste Idee!

Nicht Fisch, nicht Fleisch

Der Film wirkt wie ein überlanger Loriot-Sketch. Ein langatmiger, leidlich lustiger, pointenloser, aussortierter Loriot-Sketch! Selbst für die Sendereihe „Das kleine Fernsehspiel“ wäre dieser Film zu langweilig gewesen. Ein paar vermeintliche Tabubrüche einbauen, z.B. eine (irgendwie eklige) Sexszene und Nacktheit – fertig ist die deutsche Filmrevolution.

In der letzten Stunde zieht der Film etwas an und weiß auch einigermaßen zu unterhalten (sehr schön: die Interpretation von „The Greatest Love Of All“), allerdings liegen davor quälende 90 Minuten filmisches Dahingeplätscher mit sehr banalen Szenen (auf die Regisseurin Maren Ade besser verzichtet hätte, um den Film zu straffen). Am Ende mäandert er auch in den Abspann über, ohne dass es eine nennenswerte Konklusion der Geschichte gibt.

Der Film mag die Kritiker frohlocken und Preise regnen lassen und eine Oscar-Nominierung einheimsen, weil Deutschland mal statt platter Til-Schweiger- oder Matthias-Schweighöfer-Komödie einen Arthaus-Film geschaffen hat, aber etwas Essentielles hat man leider vergessen: nämlich, das Publikum zu unterhalten und mitzureißen.

Fazit

Langweiliges, langatmiges Arthaus-Kino. Wem Wim-Wenders-Filme zu hektisch sind und der Humor von Loriot zu modern und zu frech ist, der sollte allerdings einen Blick riskieren!

Fakten und Bewertung

Originaltitel: Toni Erdmann
Land: Deutschland/Österreich
Laufzeit: 162 Minuten
Regie: Maren Ade
Drehbuch: Maren Ade
Cast: Peter Simonischek, Sandra Müller
IMDb: 7,9
FSK: ab 12 Jahren
Release: Ab 14. Juli 2016 im Kino
Bildrechte: Toni Erdmann © NFP/Filmwelt
Andreas

Andreas

Autor bei Film und Feder
Mein Name ist Andreas Lehmler und Filme beschäftigen mich schon fast mein ganzes Leben. Mit all den Filmverrückten hier denke ich, dass wir euch das Medium Film auch mal von ungewohnten Seiten näherbringen können.
Andreas

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