The Girl with all the Gifts Plakat

Review: „The Girl with all the Gifts“ (2016)

The Girl With All The Gifts ist ein packendes Horror-Drama vor beklemmender Kulisse.

„Am Ende aller Tage ist unsere größte Bedrohung unsere einzige Hoffnung“ – so die Tagline des Filmplakats, die schon vermuten lässt, dass es sich bei The Girl with all the Gifts nicht um einen herkömmlichen Horror-Streifen handelt.

England, in nicht allzu ferner Zukunft: Die zehnjährige Melanie (großartig: Sennia Nanua) wächst in einer Hochsicherheits-Einrichtung der britischen Armee auf. Ihr Alltag ist beschränkt auf ihre kleine Einzelzelle, täglichen Unterricht in der Gruppe und regelmäßige Untersuchungen. Stets wird sie in einem Spezialstuhl fixiert und von schwerbewaffneten Soldaten bewacht, denn Melanie ist kein gewöhnliches Kind. Wie auch ihre Mitinsassen, ist sie ein sogenannter „Hungry“, infiziert durch einen Pilz, der die Erkrankten zu fleischfressenden, instinktgetriebenen Zombies mutieren lässt . Anders, als die besinnungslos jagenden Horden außerhalb des Stützpunkts, sind die Jungen und Mädchen hinter den Mauern allerdings offenbar im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte.

Szenenbild aus aus The Girl with all the Gifts, Sennia Nanua
Melanie ist hochgefährlich, aber auch lernbegierig.

Nachdem die Basis von „Hungries“ überrannt wird, flieht Melanie gemeinsam mit ihrer Lieblingslehrerin Miss Justineau (Gemma Arterton), der Ärztin Dr. Caldwell (Glenn Close) und dem abgeklärten Sergeant Parks (Paddy Considine) Richtung London. Auf der gefährlichen Flucht nach London erweist sich Melanie schnell als hilfreich – kann sie sich doch unbehelligt durch die Massen der „Hungries“ bewegen. Doch können die nicht-infizierten Überlebenden dem Kind mit dem Jagdtrieb vertrauen?

Szenenbild aus The Girl with all the Gifts, Sennia Nanua
Können die Überlebenden Melanie trauen?

Bereits die erste Szene packt den Zuschauer: Die unschuldig wirkende Melanie schnallt sich bereitwillig selber in ihren Spezialstuhl. Sie grüßt die Soldaten freundlich, die sie, das Maschinengewehr stets im Anschlag, zum Unterricht abholen. Für sie ist es normal, dass die Menschen sich vor ihr fürchten, angeekelt und aggressiv reagieren und jeglichen Körperkontakt meiden. Miss Justineau allerdings sieht die Kinder hinter der bedrohlichen Fassade. Sie lernen bereitwillig und sind – besonders in Melanies Fall – durchaus intelligent und emotional. Mit dieser Einschätzung steht die Lehrerin jedoch allein auf weiter Flur.

Dr. Caldwells Interesse an den Kindern ist anders begründet; sie will ein Heilmittel gegen die Krankheit entwickeln und so der Epidemie Einhalt gebieten.

Szenenbild mit Glenn Close
Dr. Caldwell sucht verzweifelt nach einem Heilmittel.

Der Titel, The Girl with all the Gifts, spielt auf die griechische Sage der Pandora. Diese wird schon früh im Film erwähnt. „Die Allbeschenkte“, wie sie auch genannt wird, öffnet aus Neugier die fatale Büchse, wodurch Leid, Krankheit und Tod in die Welt gelangen. Zurück blieb allein die Hoffnung. Nietzsche hat das Ende der Sage allerdings noch trostloser interpretiert: Die Hoffnung sei letztendlich das größte Übel in der Büchse, da sie das unausweichliche Leid nur noch unnötig verlängere. Eine interessante Auslegung, die in diesem Film durchaus Beachtung findet. Sind Leid, Angst und Gefahren auf der Flucht in Hoffnung auf Rettung nicht schlimmer, als direkt beim Überfall auf den Militärstützpunkt ums Leben gekommen oder infiziert worden zu sein? Wenn es als wahrscheinlich gilt, dass man der einzige Überlebende ist, wie wichtig ist dann noch ein Heilmittel? Und ist es unter diesen Umständen gerechtfertigt, einen Menschen zu töten, um eine unbekannte Anzahl zu retten?

Szenenbild aus The Girl with all the Gifts, Gemma Arterton
Miss Justineau sieht in Melanie mehr als nur die Bestie.

Im Film sind zahlreiche Anlehnungen an Filme wie 28 Days/Weeks later und I am Legend, aber auch Parallelen zum Videospiel-Hit The Last of Us zu entdecken. Diese könne durchaus als Hommage betrachtet werden, zumal einige klassische Elemente einer postapokalyptischen Kulisse ohnehin in vielen Filmen zu sehen sind. Leer stehende Gebäude, die überwucherten Reste der Zivilisation oder die Gefahren, die zwischen den Ruinen lauern… All dies sind altbekannte Motive, die hier allerdings stimmig eingesetzt und sehr ansprechend gefilmt wurden.

The Girl with all the Gifts ist ein spannendes, optisch sehr hochwertiges Horrordrama mit Anspruch und erhält daher eine klare Empfehlung!

Wer für den besonderen Gruselfaktor etwas über den sehr realen Killer-Zombie-Pilz erfahren möchte, der kann das hier tun: Die brutale Welt der Zombie-Ameisen

Originaltitel: The Girl with all the Gifts
Land: Großbritannien/USA
Laufzeit: 111 Minuten

Regie: Colm McCarthy

Drehbuch: Mike Carey
Darsteller: Sennia Nanua, Gemma Arterton, Glenn Close, Paddy Considine
FSK: ab 16 Jahren

Kinostart in Deutschland: 9. Februar 2017

Seht hier den Trailer:

Bildrechte: © Universum Film GmbH

Friederike

Friederike

Admin und Autor bei Film und Feder
Warum ich über Filme schreibe? Weil Freude wächst, wenn man sie teilt!
Als jemand, der Filme häufig alleine schaut, fehlte mir oft der Austausch nach dem Abspann - die Diskussion kontroverser oder unklarer Aspekte, die Hoffnung, dass mein Gegenüber meine Lieblingsszene genau so mochte wie ich und manchmal auch nur das schamlose Schwärmen über den Hauptdarsteller. Das Veröffentlichen meiner Gedanken zum Film ermöglicht mir diesen Austausch mit einer großen Anzahl an Menschen, die das Medium ebenso lieben, wie ich.
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