„Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“ – Serien Review

„Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“ ist die neueste Netflix-Serien-Produktion und Adaption der gleichnamigen Kinderbuchreihe von Lemony Snicket.  

„Dies ist eine Geschichte ohne Happy End, ohne glücklichen Anfang und sehr wenigen glücklichen Momenten in der Mitte.“

-Lemony Snicket-

Eine lange Nacht liegt hinter mir. „Binge Watching“ kann so anstrengend sein, wenn man es nicht gewohnt ist, soviel kann ich sagen.  Getroffen hat es diesmal Netflix’s neuestes Zugpferd „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“. Ich habe mich, um ganz ehrlich zu sein, schon etwas darauf gefreut. Die erste Adaption der Kinderbuchreihe in Form eines Films kam 2004 in die Kinos, und schon damals faszinierte mich die Geschichte. Leider habe ich die Bücher nie gelesen. Schande über mein Haupt. Vielleicht wird das aber demnächst mal nachgeholt.

Aber erst einmal für diejenigen, die nichts von davon kennen. Weder die Bücher, noch den 2004er Film mit Jim Carrey oder eben die Netflix-Serie. Worum geht es?

Das Leben der drei Baudelaire-Kinder Violet, Klaus und Sunny ändert sich drastisch, als ein Feuer nicht nur ihr gesamtes Hab und Gut vernichtet, sondern auch ihre Eltern tötet. Von nun an verwaist, werden sie zunächst zu ihrem nächsten lebenden Verwandten gebracht: Graf Olaf. Ein Fiesling, wie er im Buche steht. Für den Grafen steht nämlich nicht das Wohl der drei Kinder im Vordergrund, sondern das gewaltige Erbe, welches ihnen hinterlassen wurde. Doch Violet, Klaus und Sunny sind schlau und erkennen Olafs Pläne. Tatsächlich schaffen sie es, aus seinen gierigen Klauen zu entkommen. Leider werden sie von nun an hin- und hergereicht wie warme Kartoffeln. Immer verfolgt von Graf Olaf und seinen finsteren Gehilfen.

Eine Serie gegen jede Norm, mit beeindruckender Wirkung. 

Was macht „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“ zu etwas Besonderem, dass man darüber berichten sollte und muss? Meine Antwort lautet ganz einfach: Zeige mir eine Serie, die damit anfängt, dass der Erzähler (hier in der Form von Autor Lemony Snicket persönlich, gespielt von Patrick Warburton. Aber dazu später mehr.) von vornhinein damit wirbt, dass die Ereignisse so trübselig sind, dass man am besten wegschalten solle. Bitte was? Genial! Denn ganz mal ganz ehrlich gesagt: Gerade so etwas weckt mein Interesse. Dazu haben wir eine Leitfigur, die uns immer wieder erklärt, was eigentlich los ist. Einfacher kann man es dem Zuschauer nicht mehr machen. Wir müssen uns keine Gedanken darüber machen, ob wir etwas nicht verstehen und dadurch etwas verpassen. Lemony Snicket sorgt schon dafür.

„Hallo, Mein Name ist Lemony Snicket.“

Das „Who is Who“ Hollywoods gibt sich die Ehre.

Womit wir auch gleich mal zu den Schauspielern springen: Wie schon erwähnt, spielt Patrick Warburton den Erzähler/Autor Lemony Snicket. Eine perfekte Wahl. Jedes Mal, wenn er auftaucht und in die Kamera schaut, ist das Freude pur. Mit leicht zugekniffenen Augen und nicht einem ernsten Gesichtsausdruck von Folge eins an, wirkt er wie der Moderator der „Twillight Zone“-Serie aus den 50ern. Mann, habe ich diese Serie geliebt! Die Baudelaire-Kinder werden gespielt von Malina Weissman (Violet) aus der TV-Serie „Supergirl“, Newcomer Louis Hynes (Klaus), sowie Baby Presley Smith (Sunny). Ich finde, sie haben einen durchaus angemessenen Job gemacht. Als Hauptcharaktere liegt natürlich der Fokus auf ihnen, da muss man sich sich schon etwas anstrengen, um nicht alles zu versauen. Aber da hatte ich schon im Vorfeld keine Sorgen diesbezüglich. Hin und wieder nervte mich aber vor allem Figur des Klaus, was aber nicht an Louis Hynes lag, sondern daran, wie er geschrieben ist. Ab und zu dachte ich mir: „Komm, Kleiner. Halte einfach die Klappe.“ Und last but not least kommen wir nun zu Graf Olaf. Während im Kinofilm die Rolle von Gummigesicht Jim Carrey übernommen wurde, spielt sie in der Serienadaption niemand geringeres als „How I met your mother“-Star Neil Patrick Harris. Natürlich hatte ich leichte Bedenken, da ich Jim Carrey für unübertroffen hielt in der Rolle des Fiesling. Weit gefehlt. Aber so was von. Mit Fake-Nase und extrem hohem Stirnansatz sieht er nicht nur wundervoll skurril aus, sondern schafft es auch, mit vollem Körpereinsatz der Figur das gewisse Etwas zu geben. Daumen hoch! In weiteren Nebenrollen (mal größer, mal geringfügiger) strahlen hier Stars wie K. Todd Freemann, Will Arnett, Cobie Smulders, Alfre Woodard, Don Johnson oder auch Catherine O’Hara. Ihr seht, bei dem Cast kann man nicht meckern.

Können die drei Waisen aus den Klauen des fiesen Graf Olaf entkommen?

Von den Büchern auf den Fernsehbildschirm

Dass die Drehbücher zur Serie von Daniel Handler verfasst wurden, ist ein weiterer Pluspunkt. Denn Daniel Handler ist niemand geringeres als „Lemony Snicket“ himself und hat unter diesem Pseudonym alle Bücher geschrieben. Inwieweit die Serie der Vorlage treu bleibt, kann ich leider nicht sagen, da ich, wie anfangs schon erwähnt, die Bücher bislang nicht gelesen habe. Was ich jedoch weiß, ist, dass in jeder Doppelfolge (die Serie besteht aus einer normalen und drei Doppelfolgen) je ein Buch abgehandelt wird. Das finde ich sehr clever, da man die Geschichte nicht so straffen muss und man sich dichter an das Original halten kann. Leider gibt es bei den Geschichten einen kleinen, aber feinen Kritikpunkt: Der Aufbau jeder neuen Storyline ist exakt der Selbe und entkräftet nach einer Weile. Genauso, dass irgendwann nur die Kinder Graf Olaf in seiner Verkleidung erkennen und sie immer wieder aufs Neue versuchen, allen dieses zu erklären, aber wie immer keiner zuhört, ist zu Beginn noch witzig, zerrt aber auf Dauer. Das wirkt etwas schlampig und hätte man anders lösen können. Genauso wie Olafs Handlanger, die zu strohdumm sind (es wirkt, als würden sich alle zusammen eine Gehinzelle teilen, was wirklich komisch ist), sich anständig zu verkleiden, es aber auch hier absolut keiner mitbekommt. Doch trotz der einen oder anderen kleinen Kritik ist „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“ ein düsteres, spaßiges Erlebnis für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Und etwas zu lernen gibt es hier auch eine Menge. Nicht nur für Kids. So wirft man hier gerne mit Wörtern um sich, die selbst ich in meinem ganzen Leben noch nie gehört habe. Bei einer Bibliothek in jedem einzelnen Haushalt kein Wunder. Aber keine Sorge, Patrick Wardburton ist ja da, um alles zu erklären.

Fazit: „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“ ist ein schaurig-schönes Märchen, welches nicht nur Spaß macht und ab der ersten Minute spannend ist, sondern auch noch den intellektuellen Horizont ein klein wenig erweitert. Ein Blick ist diese Mischung aus Monty Python und Tim Burton allemal wert.

Originaltitel: A Series Of Unfortunates Events
Laufzeit: 50 Minuten pro Folge (8 Folgen pro Staffel)
Darsteller: Patrick Warburton, Neil Patrick Harris, Malina Weissmann, Louis Hynes, Pressley Smith, K.Todd Freemann u.a.
Ausstrahlung: NETFLIX

 

Teaser Trailer:

 

Jörg

Jörg

Autor bei Film und Feder
Hier soll etwas über mich drin stehen. Wo fange ich an? Hi ich bin...ach wisst ihr was? Ich mache es euch ganz einfach.

Filme sind meine Religion, das Kino meine Kirche, Quentin Tarantino mein Messias und die Hollywood Studios mein Mekka. Ohne all dieses bin ich ein Nichts. Ich bin verloren in der Magie des Films. Alles ist real, außer ich lasse es nicht zu.

Wie schon einst Stanley Kubrick sagte:
“A film is – or should be – more like music than like fiction. It should be a progression of moods and feelings. The theme, what’s behind the emotion, the meaning, all that comes later.”
Jörg

2 Kommentare

  1. Sehr schön geschriebene Review! Ich bin immer wieder am überlegen, ob ich mich dem Hype hingeben soll und diese Serie anfangen soll. Dein Bericht hat mich jetzt ein ganzes Stück weiter in die Richtung „ja, gucken!“ gepusht 🙂 Ich war nämlich auf der Suche nach Reviews (via Google) und sowas habe ich gebraucht 😀 Liebe Grüße!

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