Review: „Blair Witch 2: Book Of Shadows“ (2000)

„Blair Witch 2: Book Of Shadows“ ist die hervorragende Fortsetzung zum Found-Footage-Meisterwerk. Nein. Alles nur Spaß. Warum? Genau deshalb… hereinspaziert.

1999 erschien ein Horrorfilm, der das Genre kräftig auf den Kopf stellen sollte: „The Blair Witch Project“. Ein pseudo-dokumentarischer Found-Footage-Film, den so gut wie jeder einmal gesehen hat und der sich mittlerweile tief in der Popkultur verankert hat. Nicht nur, weil er als erster Horrorfilm in diesem (heute kaum wegzudenkenden) Stilmittel gedreht wurde, sondern auch, weil durch die wirklich gute Vermarktung sehr viele Zuschauer dachten, dass das Material wirklich echt sei – was sich natürlich später als falsch heraus gestellt hat. Jedoch war der Film ein so großer Erfolg, das er das vierfache seiner Kosten einspielte. Eine Fortsetzung war eigentlich nur eine Frage der Zeit. Nur ein Jahr später bekamen die Zuschauer diese und waren verblüfft. Denn „Blair Witch 2: Book of Shadows“ war alles andere als das, was man sich erhofft hatte. Warum, erfahrt Ihr sofort.

Worum geht es überhaupt?

„Blair Witch 2 : The Book of Shadows“ spielt ungefähr ein Jahr nach der Filmpremiere von „The Blair Witch Project“. Durch den großen Erfolg des Filmes strömen tausende Fans nach Burkittsville (dem Drehort des Films). Ebenso eine Gruppe von fünf Leuten, die sich unter der Führung des Einheimischen Jeff in die Wälder begeben, um dort nach Spuren der angeblichen Hexe zu suchen. So verbringen sie  die Nacht in der Ruine eines Hauses, in welchem Rustin Parr vor 60 Jahren sieben Kinder im Auftrag der Hexe von Blair ermordet haben soll (natürlich mit einer Menge Alkohol & Drogen). Doch nach dieser Nacht passieren immer wieder merkwürdige und verstörende Dinge, die die Gruppe langsam aber sicher nicht nur den Verstand, sondern auch nach und nach das Leben verlieren lassen. 

Hätte, Hätte Fahrradkette

So sehr man es auch versucht, aber dieser Film ist und bleibt einfach ein unterdurchschnittlicher Film ohne jeglichen Anspruch oder die Raffinesse des Erstlingswerk. Was man stattdessen serviert bekommt, ist ein Film, der krampfhaft versucht, an den Erfolg anzuknüpfen und dabei aufs Äußerste versagt. Die Produktionsfirma sah viel Geld in einer Fortsetzung, solange man noch die Kuh melken konnte. So wurden Joe Berlinger (der auch Regie führte) und Dick Beebe engagiert, um ein Drehbuch zu verfassen. Im Nachhinein musste man den ersten Entwurf noch einmal umschreiben, da er den Produzenten nicht gefiel. Zu straight und düster. Wären sie bloß beim Original geblieben! So musste Regisseur Joe Berlinger auch immer wieder Reshoots anordnen. Ebenso auf Anraten der Produktion. Hätten sie es mal belassen.

Heraus gekommen ist ein wirrer Mix aus Found-Footage und Spielfilm im TV-Format, der nicht weiß, welchen Weg er eigentlich einschlagen soll. Das Ganze kommt so stümperhaft daher, dass jeder Azubi im Cutterbereich das besser hinbekommen hätte. Der Film springt hin und her wie ein Hase auf der Flucht, immer wieder durchbrochen durch irgendwelche unappetitlichen Gewaltspitzen und Blutorgien, die vielleicht zur „Story“ passen sollen, aber auch eher an ein billigen deutschen Splatter-Film ohne Splatter und deutsche Sprache erinnern. Mit mehr Zeit, einem anständigen Drehbuch und einem etwas höherem Budget hätte man sicher mehr herausholen können. Ebenso bei der Figurenzeichnung, bei der man immer wieder einen leichten Schluckauf bekommt, wenn man die einzelnen Progatonisten betrachtet. Ein so klischeebeladenes Ensemble an Charakteren findet man selten woanders als in eben solchen schmuddeligen B-Movie-Produktionen. Vom typisch depressiven, stets vollgedröhnten Gothic-Chick bis hin zum komplett verrückten und manischen Technikfreak haben wir hier so einiges vertreten. Da fasst man sich automatisch an die Augen, um sie langsam und schmerzvoll in die Höhlen zu drücken. Aber mit viel nackter Haut ist der Durchschnitts-Horrorfilmgucker schon zufrieden gestellt. Sex Sells.

Hart, Härter….Nickelback?

Bei der Musikauswahl hat man auch hier wieder keine Mühen und Kosten gescheut. Passend zur nicht vorhandenen Stimmung, wurde eine erlesene Kreation Poprock, Hardrock und Metal zusammengestellt. Unter diesen Juwelen der Ende 90er/Anfang 2000er Ära, befinden sich unter anderem Stücke von Godhead, Rob Zombie, System Of A Down, Marilyn Manson oder Nickelback. Manchmal fragt man sich, wie die Leute auf solch eine Idee kommen, eben genau diese Art von Musik auszuwählen, anstatt einen klassischen Score zu benutzen, der hier weitaus mehr Sinn gemacht hätte. Sitzen die in einem Raum und beraten sich ungefähr so: „Also Leute. Wir haben hier wieder eine Rohfassung von so einem B-Movie Shit. Dieses Mal irgendwas mit Hexen und Sex oder so. Wie schaut’s aus? Hat jemand eine Idee?“ Dann meldet sich so ein kleiner Wicht mit Anzug und Krawatte und sagt: „Also wir haben ja so Sex & Drugs. Dann nehmen wir halt Rock and Roll“ Anders kann man sich das nicht vorstellen. Das geht nicht. Naja. Eines muss man „Blair Witch 2 : The Book of Shadows“ zustehen: Ohne diesen Film hätte Marilyn Manson sicher nie den Song „Suicide Is Painless“ (den Song findet ihr Hier) gecovert (das Original ist die Titelmelodie zur TV-Serie M.A.S.H).

Fazit: „Blair Witch 2 : The Book of Shadows“ hätte ein gruseliges, gut gemachtes Sequel werden können, verkommt aber durch zu viele Fehler und Nichtigkeiten zu einer Lachnummer. Wenn auch mit einigem Potenzial.

P.S. Das im Titel erwähnte „Book Of Shadows“ kommt nicht einmal im Film vor. Denkt mal darüber nach.

Fakten und Bewertung

Originaltitel: Book of Shadows: Blair Witch 2
Land: USA
Laufzeit: 86 Minuten
Regie: Joe Berlinger
Drehbuch: Joe Berlinger, Dick Beebe
Cast: Kim Director, Jeff Donovan, Erica Leerhsen, Tristen Skyler, Stephen Barker Turner
IMDb: 4.0/10
FSK: ab 18 Jahren
Release: 27. Oktober 2000 (USA)
Jörg

Jörg

Autor bei Film und Feder
Hier soll etwas über mich drin stehen. Wo fange ich an? Hi ich bin...ach wisst ihr was? Ich mache es euch ganz einfach.

Filme sind meine Religion, das Kino meine Kirche, Quentin Tarantino mein Messias und die Hollywood Studios mein Mekka. Ohne all dieses bin ich ein Nichts. Ich bin verloren in der Magie des Films. Alles ist real, außer ich lasse es nicht zu.

Wie schon einst Stanley Kubrick sagte:
“A film is – or should be – more like music than like fiction. It should be a progression of moods and feelings. The theme, what’s behind the emotion, the meaning, all that comes later.”
Jörg

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