Review: „Passengers“ (2016)

Passengers

Originaltitel: Passengers
Land: USA
Laufzeit: 116 Min
.Regie: Morten Tyldum
Darsteller: Chris Pratt, Jennifer Lawrence, Michael Sheen, Laurence Fishburne
FSK: ab 12 Jahren

Reisedauer: 120 Jahre. Beim Passieren eines Asteroidenfelds, kommt es, wie es kommen muss – die Avalon wird getroffen. Nicht tragisch, löst aber eine Reihe ungeplanter Ereignisse aus. Denn die Kryokapsel des Mechanikers James Preston öffnet sich und entlässt ihn leider 90 Jahre zu früh aus dem vorgesehenen Winterschlaf. Anfangs sichtlich verwirrt und bedrückt, beginnt sich James mit der Zwangssituation abzufinden. Er macht das, was ihm Spaß macht (dazu zählen ungewohnt viele Besuche in der schiffseigenen Bar) und versucht, nebenbei eine Lösung aus der Misere zu finden. Doch gegen die aufkommende Einsamkeit ist keiner gewappnet und so beschließt er, eine andere Person zu wecken um nicht alleine zu bleiben. Seine Wahl trifft auf Aurora Lane. Erfolgreiche Schriftstellerin, sportlich und hübsch. Gesagt, getan und so öffnet James Auroras Kapsel. Nach einigem Hin und Her, sowie einigem Geplänkel (ebenfalls in der Bar) verlieben sich die beiden. Alles könnte so toll sein, wären da nicht die 90 Jahre, alleine zu zweit auf einem Raumschiff und die stetig steigenden technischen Probleme, die das Schiff nach dem Asteroideneinschlag mit sich trägt.

 

„Passengers“ ist großartig.

Zumindest auf dem Papier. Denn was man hier geboten bekommt, ist nichts weiter als ein spannungsarmes, klischeebeladenes, kitschiges und vor allem unfreiwillig komisches Liebesgeplänkel zwischen zwei angesagten Hollywoodschönheiten.

Dabei beginnt der Film alles andere als schlecht! Wir bekommen einen Einblick in die schier unmögliche Größe der Avalon, welche durchaus wunderschön und vor allem tricktechnisch super gestaltet ist. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt (bis auf einen Friseur?). Eine Art Titanic im Weltall. Das sieht einfach nur überwältigend aus. Und auch sonst ist rein optisch an dem Film wenig auszusetzen.
Der Film bewegt sich anfänglich sehr sprunghaft voran und vermittelt den Eindruck, dass es sich bei „Passengers“ um eine Scifi-Komödie handeln könnte, die sich im Laufe des Films in ein bitteres Survivaldrama drehen könnte.

Sollte man meinen. Pustekuchen!

Dabei ist gerade der Anfang das Beste an dem ganzen Film. Chris Pratt („Guardians of the Galaxy“) beweist Comedytalent und bringt erstaunlicherweise sehr viele Lacher im Publikum hervor, die nicht aus Schadenfreude oder Vorhersehbarkeit in Form unfreiwilliger Komik bestehen. Wenn er und der als androider Barkeeper arbeitende Michael Sheen („Underworld“) sich das ein oder andere Wortgefecht liefern, ist das witzig und entspannend zugleich.

Doch dann kommt sie. Jennifer Lawrence („Die Tribute von Panem“)!

Mit ihrem Auftauchen geht es in dem Film steil bergab. „Passengers“ verkommt zu einem romantischen Einheitsbrei zwischen zwei Individuen, bei denen die Chemie mal so gar nicht passt. Hier dachte man sich bei der Castingwahl schlichtweg: „Jennifer Lawrence. Mann, die ist heiß, die nehmen wir. Vergesst Megan Fox. Lawrence hat zumindest einen Oscar. Das wird schon passen.“ (Ich halte diese Frau immer noch für eine mittelmäßige Darstellerin)

Das „angeblich“ so erotische Liebesspiel (mich hat das Ganze jetzt nun wirklich nicht angemacht), zieht sich wie Kaugummi und lässt sogar „Titanic“ wie ein spannendes Drama aussehen. Mir ging das Schicksal der beiden irgendwann schlichtweg auf den Zeiger.
Zwar hat man versucht, ihre Beziehung mit einigen Twists auf die Probe zu stellen, und dem Zuschauer so einen kurzen „Aww“-Moment zu entlocken, doch sind genau die Szenen, die den Film so unerträglich machen. Denn die „Twists“ in diesem Streifen sind so vorhersehbar und interessant, wie der Wetterbericht von gestern. Das ist einfach nur schlampig und alles andere als gut.
Damit der Film vielleicht doch noch etwas in Fahrt kommt, baute man die ein oder andere „tödliche“ Bedrohung ein (90 Jahre allein mit Jennifer Lawrence ist nicht schon tödlich genug), um den Betrachter (der, wie in meinem Fall, schon ein oder zweimal kurz weggenickt ist) doch noch bei der Stange zu halten.

Spannung? Wo bist du? Aufstehen. Zeit fürs Frühstück.

Und dann ist er auch schon vorbei. Ein Film, der irgendwie nicht das ist, was er sein soll. Ein Trashfilm im modernen Gewand. Mit einer Aneinanderreihung von Tributen, die irgendwie keine sind (so sieht die Bar, in der Chris Pratt langsam aber sicher zum Alkoholiker mutiert, aus wie die aus dem „Overlook Hotel“ in Stanley Kubrick’s „Shining“. Inklusive dauergrinsendem Barkeeper). Was zurückbleibt, sind Bauchschmerzen aufgrund des ständigen Lachens, einem Fragezeichen über dem Kopf  und die Frage: „Was soll der Scheiß?“

„Passengers“ ist nichts Halbes und schon gar nichts Ganzes und bekommt deswegen von mir verdienterweise 2 von 5 Punkten.

 Passengers (2016) on IMDb

Jörg

Jörg

Autor bei Film und Feder
Hier soll etwas über mich drin stehen. Wo fange ich an? Hi ich bin...ach wisst ihr was? Ich mache es euch ganz einfach.

Filme sind meine Religion, das Kino meine Kirche, Quentin Tarantino mein Messias und die Hollywood Studios mein Mekka. Ohne all dieses bin ich ein Nichts. Ich bin verloren in der Magie des Films. Alles ist real, außer ich lasse es nicht zu.

Wie schon einst Stanley Kubrick sagte:
“A film is – or should be – more like music than like fiction. It should be a progression of moods and feelings. The theme, what’s behind the emotion, the meaning, all that comes later.”
Jörg

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