Review: „Dame, König, As, Spion“ (2011)

Anlässlich des Todes von John Hurt präsentiere ich einen meiner Lieblingsfilme mit dem britischen Schauspieler, „Dame König As Spion“. Ein Spionagethriller nach einem Roman von John LeCarré, inszeniert vom schwedischen Regisseur  Thomas Alfredson. Zur Besetzung gehören unter anderem der für den Oscar nominierte Gary Oldman, Benedict Cumberbatch, Tom Hardy, Colin Firth und viele andere hochkarätige Schauspieler.  

1973. Der kalte Krieg liegt auf dem Höhepunkt des Ost-West Konflikts. In London unterdessen liegen die Nerven blank, als die Nachricht eingeht, dass sich im MI6 ein Doppelagent aufhalten soll, der geheime Information an die Russen verrät. So wird der pensionierte Top-Spion George Smiley (Gary Oldman) reaktiviert, um den Maulwurf zu enttarnen. Auf der Liste der Verdächtigen stehen fünf Männer, allesamt von der Spitze des „Circus“.

„Tinker Tailor Soldier Spy“ (so der Originaltitel) ist ein Spionagefilm der alten Schule. Hier gibt es keine Helden, keine Womanizer, keinen technischen Schnickschnack. Es gibt nur Zahlen und den Verstand. Dadurch wirkt der Film auf beruhigende Art und Weise extrem „old-fashioned“. Wer hier auf rasante Action und ein durchgestyltes Drehbuch hofft, der wird maßlos enttäuscht. Stattdessen erwarten einen 127 Minute präzise und analytische Spionagearbeit der alten Schule. Und genau diese „Alte Schule“ ist einer der Pluspunkte des gesamten Films. Denn „Tinker Tailor Soldier Spy“ sieht nicht nur aus, als wäre er in den 70ern gedreht (natürlich mit besserer Technik), sondern fühlt sich auch so an. Jede Dialogzeile, jede Einstellung, ja sogar die Darsteller selbst versprühen den Charme eines alten Thrillers aus „besseren Tagen“. Bis ins kleinste Detail überarbeitet, strahlt er in einem gold-gilb verschmitzten Glanz und passt so hervorragend zur Romanvorlage, welche 1974 das erste Mal publiziert wurde. Dadurch entsteht nicht nur eine besonders authentische Atmosphäre, sondern auch ein beeindruckendes Filmerlebnis, welchem man sich nur schwer entziehen kann.

1979 erschien eine sieben-teilige Fernsehserie zum Roman, damals noch unter der Leitung der „British Broadcasting Corporation“ (BBC), in der der britische Schauspieler Alec Guinness (Star Wars) die Rolle der Titelfigur George Smiley übernahm. Unter der Regie von Thomas Alfredson („So finster die Nacht“) ist es dieses Mal der Charakterdarsteller Gary Oldman, der mit seiner Interpretation des Spions für den Oscar nominiert wurde (der jedoch an Jean Dujardin verloren ging). Er schafft es mit einem sehr zurückhaltendem Schauspiel, seiner Figur einen durchaus interessanten Aspekt zu verleihen. Nur spärlich erfährt der Zuschauer etwas über den eigentlichen Mann und seine Vergangenheit, was ihn wiederum zu eine Art Phantom macht, das ruhelos umherwandert, zwischen den Bergen von Akten und Notizen. So großartig das Spiel von Gary Oldman auch ist, so lebt „Tinker Tailor Soldier Spy“ nicht nur von einer Person allein. Dabei kann sich die  Anzahl und Qualität der anderen Darsteller durchaus sehen lassen. So haben wir in der Spitze des „Circus“ Darsteller wie John Hurt, Collin Firth, Toby JonesCiarán Hinds sowie David Dencik. Jeder einzelne von ihnen macht einen wirklich guten Job. Man verliert immer wieder das Gespür dafür, welche der Figuren der Maulwurf sein könnte. Zu undurchsichtig und vielschichtig verlangen sie dem Publikum eine Menge ab und drehen sich gekonnt im Kreis. Selbst wenn man glaubt, jemanden erwählt zu haben, der Maulwurf zu sein, so zerschlägt nur eine Wort oder eine Handlung das Mosaik aus Misstrauen und Missgunst. Doch gibt es auch „Die Guten“ in diesem Haufen aus „schlechten“ Menschen. So haben wir unter anderem noch Benedict Cumberbatch, der Peter Guillam treu an Smileys Seite steht und für eine „gerechte Sache“ kämpft. 

Da haben wir aber auch schon den einzigen negativen Aspekt: Durch die Fülle an Figuren, Namen und Handlungstränge, kann man leicht den Überblick verlieren, wenn man eine Sekunde lang nicht aufpasst. Obwohl „Tinker Tailor Soldier Spy“ mit seinen zwei Stunden Laufzeit schon recht knackig gehalten ist, sind einige Ansätze nicht komplett ausgearbeitet und verlieren sich im Laufe des Films. Das kann zu anfänglichen Verwirrungen führen, trübt aber nicht den Spaß am Ganzen. So ist trotzdem ein spannender Film entstanden, der vollends zu überzeugen weiß, wenn man sich letztendlich komplett darauf einlässt und ihm seine volle Aufmerksamkeit schenkt.

Fazit: „Tinker Tailor Soldier Spy“ ist ein sehr ruhiger, aber unheimlich spannungsgeladener Thriller, der durch einen brillanten Cast, sein detailgetreues Setdesign und dem ebenfalls für einem Oscar nominierten Soundtrack den klassischen Spionagefilm zurück auf die Leinwand holt. Ein Muss für jeden Fan des Genres. 

Fakten und Bewertung

Originaltitel: Tinker Tailor Soldier Spy
Land: Großbritannien
Laufzeit: 127 Minuten
Regie: Thomas Afredson
Drehbuch: Peter Straughan

Bridget O’Connor

John LeCarré

Cast: Gary Oldman, John Hurt, Benedict Cumberbatch, Colin Firth, Tom Hardy u.a. 
IMDb: 7,1/10 
FSK: ab 12 Jahren
Release: Ab 2. Februar 2012 im Kino

Bilder: Tinker Tailor Soldier Spy ©StudioCanal

Den Trailer seht ihr hier:

Jörg

Jörg

Autor bei Film und Feder
Hier soll etwas über mich drin stehen. Wo fange ich an? Hi ich bin...ach wisst ihr was? Ich mache es euch ganz einfach.

Filme sind meine Religion, das Kino meine Kirche, Quentin Tarantino mein Messias und die Hollywood Studios mein Mekka. Ohne all dieses bin ich ein Nichts. Ich bin verloren in der Magie des Films. Alles ist real, außer ich lasse es nicht zu.

Wie schon einst Stanley Kubrick sagte:
“A film is – or should be – more like music than like fiction. It should be a progression of moods and feelings. The theme, what’s behind the emotion, the meaning, all that comes later.”
Jörg

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