CONTRA: A SERBIAN FILM (2010)

A Serbian Film ist wohl einer der meistdiskutierten Filme der letzten Jahre. Während die Einen es wohl kaum schaffen, den Film bis zum Ende durchzustehen, preisen ihn die Anderen als famoses Meisterwerk.

Laut Regisseur Srdjan Spasojević vermittelt der Film eine tiefergehende Botschaft: „Das ist ein Tagebuch zum Missbrauch, den wir in Serbien durch unsere Regierung erlitten haben. Es geht um die monolithische Kraft der Führer und ihre hypnotisierten Erfüllungsgehilfen.“ (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/A_Serbian_Film).

Plumpe Gewalt oder tiefergehende Botschaft?

Doch ist die Darstellung solch brutaler Gewalt in der Lage, eine so komplexe Hintergrundthematik widerzuspiegeln? Meiner Meinung nach nicht. Ich bin gewillt, zu glauben, dass der Regisseur durchaus einen Hintergedanken hatte. Allerdings versucht er hier, dem Film eine Aussage aufzulasten, welche er einfach nicht an den Zuschauer bringen kann. Ich stellte mir im Anschluss die Frage: „Aus welchem Grund sieht man sich den Film an?“ Wegen der vermeintlich politischen Aussage, die er vermitteln soll, oder letztendlich nur, weil man neugierig auf den grausamen Ruf oder die Zurschaustellung extremer Gewalt ist?“ In meinem Fall war es der Ruf, den der Film genießt, sowie diverse Anpreisungen als „das Härteste, was du je sehen wirst“. Dass einem nach dem Film einige Szenen in Erinnerung bleiben, ist mit absoluter Wahrscheinlichkeit zutreffend. Doch bestimmt nicht wegen der Assoziation zu irgendwelchen geschichtlichen Ereignissen, sondern letztlich nur, weil einige Darstellungen mehr als nur ein leichtes Grummeln im Magen des Zuschauers verursachen werden.

Man kann dem Film zumindest nachsagen, dass er technisch gut umgesetzt ist. Die Gewaltszenen sind äußerst realistisch dargestellt und schaffen es, den Zuschauer förmlich niederzuschlagen. Ich liebe das Horrorgenre in all seinen Facetten, doch dieser Film hat es mehrfach geschafft, mich fast zum Ausschalten zu animieren. An dieser Stelle muss man sich die Frage stellen: „Wie weit darf Kunst gehen?“ Der Film provoziert durch überspitzte Gewalt. Er überschreitet zweifelsfrei Grenzen. Das ist es, was ihn so kontrovers macht. Doch das, wenn auch aus handwerklicher Sicht gut Dargestellte, mit einer politischen Aussage zu rechtfertigen, die scheinbar so gut zwischen brutalsten Gewaltakten versteckt ist, dass nur die wenigsten darauf aufmerksam werden, ist am Ende schlichtweg ein Versuch, dem Zuschauer das Gefühl zu vermitteln, der Film hätte einen tieferen Sinn.

Hätte Spasojević im Vorhinein gesagt, er möchte mit dem Film Grenzen sprengen und ausschließlich provozieren, hätte man das durchaus so stehen lassen können. Letzten Endes ist es aber auch egal, denn dem Film fehlt jegliche Spannung. Eine interessante Story sucht man hier vergebens. Die Aussage, der Film beziehe sich auf soziale Missstände, bleibt letztlich ausschließlich eine Argumentationsgrundlage zur Rechtfertigung des Dargestellten. Und genau diese Aussage ist es, die dem Film jeglichen Sinn nimmt. So hat man hier ein Werk, dessen vermeintliche Sinnhaftigkeit in einer Aneinanderreihung extremer Gewalttaten versinkt.

Wer ein Faible für Kunst in seiner provozierenden Form hat, der kann hier einen Blick riskieren. Denn auch wenn A Serbian Film nicht ansatzweise durch eine halbwegs gute Story punkten kann, so überschreitet er dennoch Grenzen und wird so manchen Zuschauer in ein Gefühl des absoluten Unwohlseins versetzen. Sollte man aber keine Lust haben, sich sinnfreier sexueller Gewalt hingeben zu wollen, so hat man absolut nichts verpasst, wenn man diesen Streifen auslässt.

Meine Meinung – uninteressant, sinnlos, NEXT! 🙂

Wie die Verteidigung zu A Serbian Film ausfällt, könnt ihr HIER lesen!

 

Originaltitel: Srpski Film
Land: Serbien
Laufzeit: 104 Minuten

Regie: Srdjan Spasojevic

Drehbuch: Srdjan Spasojevic, Aleksandar Radivojevic
Darsteller: Srdjan Todorovic, Sergej Trifunovic, Jelena Gavrilovic
FSK: ungeprüft/indiziert

Hier der Trailer zum Film:

                                                                                                                                                                                                                                                                                       Bildrechte: © Contrafilm
Jan

Jan

Autor bei Film und Feder
Mein Name ist Jan und ich möchte euch zukünftig, zusammen mit meinen fabelhaften Mitstreitern, mit persönlichen Eindrücken und Meinungen zur vielfältigen Filmkunst versorgen. Als großer Fan des Horrorkinos, besonders der alten Schule, diskutiere ich immer gerne mit meinen Mitmenschen über das, was mir ein gesehenes Werk mitgibt. Schon seit vielen Jahren bin ich Fan von allem, was mir einen Schauer über den Rücken jagt. Das soll natürlich nicht heißen, dass ich mich vor anderen Genres verschließe, denn was gibt es schöneres als die bunte Vielfalt der filmischen Kunst. 🙂
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